29.09.09

Wenn Eine eine Reise tut...

Teil 1 - Domburg, Zeeland, NL

Mal ehrlich - wer macht schon gerne Familienurlaub? Als Kind ist man diesem irgendwann endlich entwachsen und genießt die wilden Fahrten ins Unbekannte, ungeplante Übernachtungen an diversen Stränden zu fünft im Golf II eingeschlossen. Dann fährt man jahrelang gemütlich im eigenen Rhythmus mit dem Partner, entwickelt dabei im Laufe der Zeit die gleichen Vorlieben für die immer gleichen Ziele.

Aber irgendwann kommt doch wieder die Frage aus der Familie - wollt Ihr nicht mal mitkommen, ist doch so schön, wo wir immer hinfahren, würde Euch auch gefallen und dann hätten wir endlich mal Zeit füreinander...Nach kurzem Überlegen wird spontan zugesagt, der Termin  abgestimmt, das Hotel gebucht - die Vorfreude beginnt. Erste Irritationen kommen bald - macht doch nix, wenn H. ein oder zwei Tage später dazukommt? Nö, schade zwar, aber nicht schlimm. Die zweite Irritation läßt nicht lange auf sich warten - H. kommt erst an Eurem  Abreisetag, ist das schlimm? Ooooch, ja schon, aber ich gebe mir Mühe,  sehe es positiv, so hat der Rest mehr der kostbaren Zeit miteinander...

Aber P. und ich werden nicht geschont, es geht weiter: Ach, wenn H. so sehr nachkommt, kommt halt N. vorher schon mit. N? Kennen wir gar nicht! So hatten wir eine Hotelbuchung in der Tasche, für einen Ort, an den wir eigentlich gar nicht wollten, mit Menschen, die wir zum Teil gar nicht kennen...Was macht man da? Das Beste draus, ist ja klar!

Und so landeten wir ewigen Zandvoort-Urlauber in Hollands ältestem Seebad, in Domburg. Aber Piet Mondrian und Kaiserin Elisabeth konnten schon damals nicht irren...Unser Hotel, das Bommeljé, war wunderschön, der Empfang sehr herzlich und N. unglaublich nett!

Nach einem kleinen Happen zur Ankunft und Stärkung nach der langen Fahrt





















ließen wir uns hiermit






















bei diesem Ausblick






















auf der Terrasse des Restaurants Het Badpaviljoen nieder, Mitglied bei den Jeunes Restaurateur, immer ein Qualtitätsversprechen.























P. war von der Atmosphäre so begeistert, dass wir für abends gleich einen Tisch zum Essen reserviert haben.

Da wenden sie sich ab mit Grausen...























Nein, natürlich nicht! War nur Spaß! ;)























Schnell noch Gläser polieren und das nach 2 Flaschen Wein  sicher nötige Hinweisschild aufstellen...























Und dann das hier für den Abend vorbereiten...

EUROPESCHE KREEFT EN KINGCRAB
Kruidensalade en Citrusvinaigrette

ZEETONGFILET MET GEBAKKEN GAMBA
Risotto, Butternutpompoen en Jus van Bouillabaisse

HERTFILET EN RAVIOLI VAN HERTENBOUT
Spitskoolcanneloni en Portsaus

PEERTJE MET PANNA-COTTA VAN CARAMEL
Caramel Chocoladenmousse en Caramelsaus





















Der Empfang im Restaurant war sehr herzlich, als man uns auf das Haus zukommen sah, wurde bereits die Tür aufgehalten, die Jacken abgenommen und gefragt, ob der reservierte Tisch recht wäre.

Bei der Frage, ob es denn wohl einen Sekt gäbe, kam der Kellner ins Schleudern, es gab nur Prosecco und ob dieser nun Frizzante oder Spumante wäre, wusste er nicht. Nun gut, Blubber sollte sein, es kam leider ein Frizzante, der so tot war in der Perlage und am Gaumen, daß wir uns nach der Weinkarte sehnten. Leider war diese  uninspiriert - so als wäre aus jedem Dorf ein Hund dabei, von Allem ein kleines bisschen und das ohne großen Anspruch. So bestellten wir uns eine Flasche

Domaine Raissac
Chardonnay 2008

der überraschte mit exotischer Frucht wie Mango und gelber Melone und war uns ein angenehmer, süffiger Begleiter für Vorspeise und Zwischengang. Dabei hatte er allerdings ein bisschen Mühe mit der Zitrusvinaigrette und den Grapefruitstückchen bei der Königskrabbe.

Ruck zuck und für meinen Begriff zu schnell stand die Vorspeise auf dem Tisch, ein Amuse gab es leider nicht.
Der Hauptgang war sicher das Paradestück im Menü, aber ich weiß nicht so recht, was die Stange grüner Spargel sollte, sie sah nett aus, aber die Saison ist nun selbst in den Niederlanden vorbei. Das Fleisch war sehr rosa, für mich perfekt, für P. einen kleinen Moment zu roh...der Ravioli, gefüllt mit Hirschburst köstlich, Spitzkohlcanneloni ein bisschen zu kalt.

Zum HG wünschte ich mir bei der sympathischen Restaurantleiterin einen Roten und verließ mich auf ihren Rat. Es kam ein Tempranillo aus Medrano, Rioja, der das Hirschfilet perfekt begleitete.

Zum Dessert, bei dem die Birne sehr schmackhaft war, aber unglaublich verloren wirkte und sich auch der Cracker aus der Vorspeise wiederholte,  bestellten wir uns Port, es gab nur Ruby, schade, welcher es war habe ich dann gar nicht mehr gefragt.

Mittlerweile haben wir erfahren, dass dieses ruhmreiche Haus, das in den 50er Jahren alles beherbergte, was Rang und Namen hatte, viele viele Jahre vor sich hindämmerte und zerfiel.











Vor einigen Jahren begann das große Renovieren, für die Appartements gab es über 400 Bewerber bei einem der höchsten Quadratmeterpreise in ganz Zeeland. Unten ist das Restaurant untergebracht und oben sind die Wohnungen, deren neue Besitzer kaum da sind. Sicher braucht man viel Zeit, um das Geld für ein solches Schmuckstück zu verdienen.

















Zusammenfassend ein gelungener Auftakt für einen Urlaub der so irritierend begann.
 
To be continued...



28.09.09

...und wieder da!



Mitbringsel

Hat eine Reise wer gemacht,
Gleich heißt´s: "Was hast Du mitgebracht?"
Urgroßmama, den Schalk im Nacken,
Sprach da: "Zwei kalte Hinterbacken
Bring ich und ein Paar müde Füß
Und vom Schwarzpeterl schöne Grüß!"
So derb und karg wie in dem Falle
Antworteten gottlob nicht alle;
Fand doch, wer nur ein bisschen willig,
In aller Welt was, nett und billig,.
Doch kann´s selbst Guten kaum gelingen,
Heut noch was Schönes mitzubringen.
Ist doch die ganze Welt im Grund
Nur übervoll vom gleichen Schund!

Eugen Roth

Mehr als zwei kalte Hinterbacken und müde Füße sind es dann schon, die ich mitgebracht habe! ;)
Von Erlebnissen und Eindrücken, kulinarischen wie menschlichen und auch vom beliebten Familienmitbringsel erzähle ich dann in den nächsten Tagen...

Und schön ist es, wieder zu Hause zu sein!

21.09.09

Ich bin dann mal weg...




Sinn des Reisens

Die Meinung von den Reisezwecken,
Wird sich durchaus nicht immer decken,
Wie große Zeugen uns beweisen:
Man reise wohl, nur um zu reisen,
Meint Goethe, nicht um anzukommen.
Begeistrungskraft, genau genommen,
Sei der ureigenste Gewinn.
Montaigne sieht des Reisens Sinn
Nur darin, dass man wiederkehrt.
Darauf legt auch Novalis Wert;
Er drückt es ungefähr so aus:
Wohin wir gehn, wir gehn nach Haus!
Doch Seume, der - und zwar zu Fuß! -
Spazieren ging nach Syrakus,
Sah geistig, sportlich an die Dinge:
"´s würd besser gehn, wenn man mehr ginge!"

Eugen Roth


Die Sache mit dem Beschiss - Schwäbische Maultäschle


Arme Margarete von Tirol. 1318 geboren und bereits 1330 verheiratet mit einem angeblich geradezu liderlichen Kerl, dem um vier Jahre jüngeren Johann Heinrich. Dieser kam bereits im Alter von 5 Jahren an den Tiroler Hof und konnte so über die Jahre hinweg eine stetig wachsende, auf Gegenseitigkeit beruhende Antipathie zu seiner späteren Frau pflegen. Mit der Hilfe ihrer Räte setzte diese ihren verhassten Ehemann 1341 am Allerseelentag vor die Burgmauern. Durch geschichtliche Irrungen und Wirrungen, sowie eine provozierte Liebesheirat Magaretes, ohne eine von der Kurie anerkannte Scheidung von ihrem Mann in der Tasche zu haben, traf Magarete der Kirchenbann, der sie aus ihrem geliebten Tirol vertrieb. Ihre letzen Jahre verbrachte sie in Wien, nach ihrem damaligen Sitz ist angeblich ein ganzer Stadtteil benannt worden - der Margaretengrund.

Angeblich hat der verstoßene Ehemann die wüstesten Geschichten über seine ehemalige Gattin erzählt, dazu gehörte, dass sie unglaublich hässlich sei, was von anderen Zeitzeugen vehement bestritten wurde. Ganz im Gegenteil galt Margarete als eine ausgesprochen  schöne Frau ihrer Zeit. Johann Heinrich mit der Kurie im Rücken benannte   der Legende nach erstmalig seine Ex als  "Maultasch", was damals so viel wie "Hure" bedeutete. Wie das so ist mit den Gerüchten, manches ändert sich eben nie, wurde daraus irgendwann die Geschichte, Margarete sei nicht nur hässlich, sondern habe vor allem einen schiefen Mund.  Die Legende besagt weiter, dass Margarete ihre Leibspeise - gefüllte Teigtaschen - von Österreich bis ins Schwabenland gebracht haben soll, eine Version, die ich persönlich stark bezweifel.

Mir gefällt die andere Geschichte besser...
Sie beginnt blutig - nach dem 2. Prager Fenstersturz am 23. Mai 1618, den die Hinabgestürzten überlebten, weil sie angeblich auf einen Misthaufen fielen, begann der Aufstand der böhmischen Protestanten gegen die katholischen Habsburger. Dieser Aufstand markiert den Beginn des 30jährigen Krieges.

Dieser Krieg, dem ein Drittel der süddeutschen Bevölkerung zum Opfer fiel, machte in seiner Gewalttätigkeit auch nicht vor einem kleinen Kloster in Maulbronn halt. Und als würde Krieg alleine nicht reichen um zu darben, war es ausgerechnet in der Fastenzeit, dass den schweigsamen Mönchen ein Stück Fleisch in den Kreuzgang fiel. In der Fastenzeit war diesen aber der Verzehr von Fleisch nicht gestattet. In schweigendem Einverständnis war bald klar, dass auch der folgsamste Mönch eine solche Gelegenheit in solch harten Zeiten nicht an sich vorbeigehen lassen konnte. In der folgenrichtigen Annahme, dass in kriegerischen Zeiten auch der liebe Gott nicht so genau hinschauen würde - der hatte ja nun auch anderes zu tun - wollten sie das Fleisch natürlich zubereiten, ihren obersten Herrn aber auch nicht übermäßig provozieren. So schnitten sie das Fleisch in winzig kleine Stücke, vermischten es mit Spinat und versteckten es in kleinen Teigtaschen. Das war der Beschiss. Weil aber meine heutige kleine Geschichte im "Ländle" spielt, muss natürlich noch das schwäbische "Schwänzle" drangehängt werden, und so wurde aus dem Beschiss das B´scheißerle, besser noch das "Herrgotts B`scheißerle". Und wie heißt es immer so schön - kleine Sünden straft der Herrgott sofort, größere etwas später. Die Schwaben straft er bis heute, daran kann man sehen, wie groß der Fehltritt war - denn richtig deutsch lernen ließ er sie bis heute nicht!

Schwäbische Maultaschen
oder auch 
Herrgotts B´scheißerle



Der Wein dazu

Glen Carlou
Pinot Noir 2004
South Africa

Der war auch ein kleiner B´scheißer!
Als darbende Einzelflasche, die dann endlich mal getrunken werden wollte,
machte er erst den Eindruck, als sei schon alles vorbei mit ihm. Göttliche Strafe?
Aber dann riss er sich nach ein paar Minuten noch einmal zusammen und hat alles gegeben, was er noch zu geben hatte. Tiefe Kirsche in der Nase, Fruchtbuquett am Gaumen. Die kleine Bitterness im Abgang konnte er leider nicht mehr vertuschen. Nach 30 Minuten war der Spuk  auch schon wieder vorbei. Er schmeckte dann so, wie er sich zu Anfang zeigte, etwas säuerlich und verbittert angesichts der eigenen verlorenen Jugend und Schönheit.


Für den Nudelteig
  • 100 g Hartweizengrieß
  • 5 Eier und 3 Eigelbe
  • 1 Prise Salz
  • 1 EL Olivenöl
  • 400 g Mehl und weiteres Mehl zum Ausrollen und eventuellem Nachbearbeiten des Teiges
  • 2 Eier zum Bestreichen
 Für die Füllung
  • eine dicke Scheibe Weißbrot, in lauwarmer Milch eingeweicht und gut ausgepreßt
  • 1 Zwiebel, in Butter gläsig gedünstet
  • Petersilie, fein gehackt
  • 4 EL blanchierter Spinat, feingehackt
  • 4 EL Quark 40 %
  • Salz, Pfeffer, Muskat
  • 500 g Hackfleisch vom Rind
  •  Zum Garen der Teigtaschen Rinderfond 
Den Grieß mit den Eiern und Eigelben, Salz und Öl zu einer sehr cremigen Masse rühren und 60 Minuten quellen lassen. Dann das Mehl unterkneten und den Teig 30 Minuten bei Zimmertemperatur ruhen lassen.

Für die Füllung alle Zutaten zu einer geschmeidigen Masse rühren und kräftig abschmecken.

Falls der Teig noch klebt, weiteres Mehl unterarbeiten. Dünne Teigbahnen ausrollen und kleine Häufchen mit der Masse darauf setzen. Die freie Seite des Teigstranges mit den verquirlen Eiern bestreichen und umklappen. Mit dem Teigrad in Stücke schneiden, so dass einzelne Taschen entstehen.

Die Maultaschen ca. 5 - 7 Minuten in Rinderfond garziehen lassen.

Ich habe sie auf ein Bett aus gerösteten Champignons mit einem Hauch Zitrone, Zwiebeln und Schnittlauch gelegt und mit der Brühe umgossen.

18.09.09

Böse Dinge... Enzyklopädie des Ungeschmacks

Schlechter Geschmack. Nun, den gibt es nicht nur bei Tisch. Da er immer im Auge des Betrachters liegt (den Platz teilt er sich mit der Schönheit), ist er subjektiverweise mehr oder weniger im Gegenüber ausgeprägt. Der Gottvater des schlechten Geschmacks in der Mode - Richard Blackwell  - wäre im Oktober  87 Jahre geworden. Er hat neben seiner alljährlichen Liste der worst-dressed auch die fabuluos fashion independents veröffentlicht, aber die haben das allgemeine Interesse nicht in dem Maße auf sich gezogen, wie die ersteren.

Immerhin ist es ja auch ein wenig tröstlich, dass jemand wie Victoria Backham, die sich mit einem Mann  wie David auf schwarzen Satinlaken rekeln kann; die ohne Wartezeit eine Birkin-Bag bekommt und mit Domenico Dolce und Stefano Gabbana shoppen geht, dann wenigstens nicht nur als Erfinderin der Kleidergröße zero gilt, sondern auch als schlechtgekleideste Frau auf diesem Planeten.

Mit dem Essen wird es dann schon schwieriger. Sollte man seinem Gegenüber in diesem Bereich schlechten Geschmack attestieren, wird er das sehr viel übler nehmen, als wenn man nur sein neues Outfit nicht mag. Musik und Film - auch hier  lässt sich trefflich streiten. Neu sind diese Streitereien alle nicht, und weder Mr. Blackwell noch Patricia Riekel haben die Listen der Geschmaklosigkeiten und in and outs erfunden.

Gustav E. Pazaurek eröffnete bereits  1909 im Stuttgarter Landesgewerbemuseum seine „Abteilung der Geschmacksverirrungen". In einer Ausstellung des Werkbundarchivs - Museum der Dinge, Oranienstraße 25 in Berlin, gibt es jetzt ein Sammelsurium an schlechtem Geschmack zu sehen, der sich in Dingen des alltäglichen Lebens in einer Weise manifestiert hat, das sie nur noch als böse zu bezeichnen ist. Die  Ausstellung "Böse Dinge - Ezyklopädie des Ungeschmacks" läuft noch bis zum 11. Januar 2010.

Wer als Besucher an der Erforschung des Bösen teilnehmen möchte, bringt ein persönliches "böses Ding" mit und bezahlt dafür keinen Eintriff. Man kann also endlich einmal nicht für sondern mit seinem schlechten Geschmack bezahlen.

Ich persönlich würde ja Victoria Backham an der Kasse abgeben wollen, aber mein Liebster würde auf diesem hier bestehen,
von dem ich schon gar nicht mehr weiß, wie es in unserem Haushalt gelandet ist. Meine Vermutung ist, dass es uns ein Nachbar bei unserem letzten Umzug aus seinem eigenen Keller untergejubelt hat, um es loszuwerden. Nun steht es  ganz versteckt auf unserem Bartisch, wird alle paar Wochen  liebevollst von mir abgestaubt und fristet dort sein Dasein bis ich es mal vererbe.

Dafür steht das hier
auf einem wunderschönen antiken Dielenschrank in unserem Flur und springt den Gästen beim Ablegen ihrer Garderobe fast in die Hochsteckfrisur. Das findet dann mein Liebster wieder schön. Und weil ich das weiß, habe ich es ihm sogar geschenkt. Da haben wir allerdings noch nicht zusammen gewohnt. ;)

Habt Ihr auch "Böse Dinge" zuhause? Was oder wen würdet Ihr abgeben wollen?

Mit dieser Frage verabschiede ich mich in das Wochenende, vielleicht sehen wir uns in Berlin. Ich bin die Schöne an der Kasse mit dem bösen Monster unter dem Arm...

17.09.09

Ochsenbäckchen (Ochsenbacken, Rinderbacken) in Portwein-Schokoladen-Sauce mit Serviettenknödeln


Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen...
aber wie Dr. Rolf Handke als Hobby-Aphoristiker zu sagen pflegt
"ich esse soviel ich kann und gehe trotzdem immer mehr auseinander"

Kurz gesagt - Selber essen macht dick.
Diese Gefahr besteht ganz eindeutig -  um so mehr, wenn die Köchin sich auf Gäste vorbereitet, die  sehr kurzfristig nicht kommen können. Von hier liebe Grüße und gute Besserung an T., der gestern abend kurz vor dem geplanten  Essen und - was fast noch schlimmer ist *gg*,  kurz vor Beginn der Lese bei einem Sturz sein Wadenwein brach... Was tut die Köchin? Sie verlässt kurzfristig Küche und Herd um sich per  Telefon neue Gäste einzuladen. Die potentiellen Besucher haben aber alle  schon...Mööönsch, hättest Du doch mal vor einer halben Stunde... Oder sie  marinieren  seit morgens Entenbrüste und möchten heute selber kochen, aber sonst ja immer gerne, vielen Dank!

Da hilft nur essen soviel man kann, auch auf die Gefahr hin, auseinanderzugehen. Eigentlich will man sich ja dann einfach alles auf 2 Tage verteilen- aber wenn es doch  so lecker ist, dass man am Ende einfach die Knödel direkt in den Topft taucht, um nur keinen Tropfen der köstlichen Sauce zu verpassen...



















Der Wein dazu

Bock Royal Cuvée
2002
Villányi
Cabernet Sauvignon & Pinot Noir
von Bock Jozsef 
Zuerst  relativ verschlossen, wir haben ihn aus großen Gläsern getrunken (Stölzle Exquisit Rotweinpokal), das hat ihm gutgetan, nach 15 Minuten im Glas begann er sich zu öffnen. In der Nase etwas feuchtes Holz, Tabak und Lakritz. Am Gaumen pfeffrige Paprika, feine Röstaromen deutlich spürbare aber sanfte Tannine. Mittellanger, abprupt endener Abgang. Mein erster Ungar - der Lust macht auf mehr. Zur kräftigen Sauce hatte er es zugegebenermaßen schwer, zum Rumpsteak würde er sich sicher besser machen.
Die zweite Flasche des Abends war Michél noir von Michael Teschke, 2003.
Eine Rotweincuvee, von der weder das Etikett noch die Homepage des Winzers verrät, was drin ist. Ich meine mich zu erinnern, das er mir mal gesagt hat, Spätburgunder und... Da muß ich beim nächsten Glas Wein mit ihm nochmal nachfragen, dann folgt eine genauere Beschreibung...
  • 3 Ochsenbacken, knapp 2 kg
  • 1 Flasche kräftigen Rotwein 
  • 1 Flasche Portwein Ruby, dann wird die Sauce leichter, Vintage, dann wird sie noch intensiver
  • Wuzelgemüse und 2 Lorbeerblätter
  • etwas Tomatenmark, ein kleiner Schuß Ketchup für die Säure
  • 2 cl Cognac
  • 5 cl alter Balsamico
  • 1,5 l Kalbsfond
Die Backen, die vom Metzger meistens aufgeschnitten kommen parieren, pfeffern und  salzen und mit Küchengarn wieder zusammenbinden. In einem Bräter in Olivenöl von allen Seiten kräfig anbraten, herausnehmen und das Wurzelgemüse mit etwas Tomatenmark anrösten. Die Backen wieder dazugeben, alles mit Port- und Rotwein ablöschen, ca. 3 x bis die Flaschen leer sind. ;) Mit dem Kalbsfond auffüllen und bei 120°C für mindestens 3,5 Stunden in den Ofen schieben.
Die Backen aus dem Topf nehmen und warmstellen. Den Fond durchsieben und auf 1/3 einkochen lassen. In einem Topf 1 EL Tomatenmark mit dem Schuß Ketchup anrösten, mit Cognac ablöschen, den Balsamico dazugießen und sirupartig einkochen lassen. Diese Reduktion zur Sauce geben und ihr noch ein Stück Valrhona spendieren. Die Backen aufschneiden und in der Sauce durchziehen lassen. Himmlische Genüsse!

Für die Knödel:
  • 275 g Toastbrot ohne Rinde
  • 3 Schalotten
  • ca. 50 g Petersilie und Schnittlauch, sehr fein gehackt
  • 1/2 L Milch
  • 110 g Hartweizengrieß
  • 100 g weiche Butter
  • 4 Eier
Das Toastbrot in sehr kleine Würfel schneiden, die Schalotten in Butter glasig braten, abkühlen lassen.
Milch und Grieß aufkochen, 10 Minuten quellen lassen. Die weiche Butter und nach und nach die verquirlten Eier dazugeben. Dann die Schalotten mit Kräutern und Brotwürfeln unterheben. Sehr kräftig mit Salz, Pfeffer, Piment d´Espelette und Muskat abschmecken.
Die Kloßmasse teilen, und jeweils hälftig klassischerweise in eine Serviette wickeln, bei mir kommt alles in Klarsichtfolie, die dann in Alufolie verpackt wird. Bei 95° C 35 - 40 Minuten im Dampfgarer oder 30 Minuten in Wasser, kurz unter dem Siedepunkt garziehen lassen. Auswickeln, etwas auskühlen lassen und scheibenweise in Butter sanft angehen lassen.




15.09.09

Mein Baby gehört zu mir!

das ist er, der Spruch, der uns Mädchen offensichtlich und die Jungs nur heimlich zu Tränen rührte. In dem Film, den wir offiziell alle gar nicht gesehen haben. Tanzen und Liebe war ja sowas von... Die Blöße durfte man sich nicht geben. Aber das ist wie mit der Zeitung, die keiner liest - Millionen sahen den Film, der Tanz dazu hielt Einzug bei sämtlichen ADTV-Mitgliedern und das einzig Tröstliche daran, dass wir nie lernten im Wasser zu tanzen war, dass unsere Nasen nicht so krumm waren, wie die von Jennifer Grey. 
Und dann Du, Patrick Swayze...
Ich fand Dich nie besonders attraktiv, aber Du verkörpertest in all Deinen Rollen stets den zwar etwas Widerspenstigen, aber zuverlässigen und liebevollen Mann. Allein als Orry Main standest Du gegen alles, was ich für richtig erachtete. Und trotzdem liebte ich Dich! Du spieltest zwar einen Südstaatler - aber einen von den Guten! Kümmertest Dich um Deine Sklaven, liebtest die falsche Frau mehr als Dein eigenes Leben und bliebst immer der gute Freund von George Hazard. Der stand zwar von Anfang an auf der richtigen Seite, war dadurch aber auch um Längen langweiliger.

Dann kam die Rolle Deines Lebens! Ähnlich wie John Travolta, mit dem Du  1983 in Staying Alive spieltest, wurdest Du Dein  Image als Tänzer nach "Dirty Dancing"  nur schwer wieder los. Der grottige Film "Road House" ließ mich trotz Deines gestählten Kampfsportkörpers an Dir zweifeln, bis Du als Sam Deine geliebte Frau in einem Zustand zwischen Leben und Tod vor demselbigen rettetest. "Dito!" Das kam gleich nach "Mein Baby gehört zu mir". So wie Du es sagtest, hätte mir jeder Mann der Welt nur noch "Dito" sagen müssen, auf das langweilige "Ich liebe Dich" wäre ich glatt bereit gewesen, zu verzichten. Anschließend gefielst Du mir in "Stadt der Freude" bis dann Dein furioser Auftritt in "To Wong Foo - Thanks for everything, Julie Newmar", folgte. Patrick im Fummel - welch ein großer Spaß und Wasser auf die Mühlen aller, die doch schon immer wussten, dass...
Und als ich schon gar nicht mehr an Dich dachte, da hattest Du eine zugegebenermaßen widerliche Rolle in einem meiner Lieblingsfilme,  in "Donnie Darko". An dem was dann folgte, war ich  nicht mehr interessiert. Dirty Dancing 2 habe ich mir trotz Deines Cameo-Auftrittes nicht angesehen, und hatte Dich schon fast vergesses, bis  "11:14" kam. Der Film, der in einem furiosen Finale an einer Straßenkreuzung alle Handlungsfäden zusammenbringt und in dem Du noch einmal gezeigt hast, was für ein großartiger Schauspieler Du sein kannst.


Heute habe ich gedacht, so aus der Entfernung schien Dein Leben in den letzten Jahren wie Deine Filmkarriere. Ein Auf und Ab mit Highlights, dann wieder Kampf, Ermüdung und schließlich Kapitulation. Vor ca. 1,5 Jahren erfuhr die Öffentlichkeit von Deiner Krankheit und Deinem Kampf. Krebs der Bauchspeicheldrüse ist dafür bekannt, schnell und schmerzhaft zum Tode zu führen. Aber Du warst dazu nicht bereit. Mit der Kraft eines Löwens hast Du gegen diese furchtbare Krankheit angekämpft und während wir Farrah Fawcett im Juli dieses Jahres verloren, kämpftest Du immer weiter. Kurzeitig gab es Meldungen, Du wärest fast geheilt (so es eine Fast-Heilung bei Krebs geben kann) und würdest sogar bereits Filmangebote prüfen. In dieser Zeit erinnertest Du mich in Deinem unermüdlichem Kampf an Christopher Reeve, der auch nie bereit war aufzugeben.
Und das wird mir bleiben - die Erinnerung an diesen, Deinen Kampf. Das Nichtaufgebenwollen. Die Kraft, mit der Du der Unausweichlichkeit des Endes dabei stur ins Auge blicktest.
Danke Patrick Swayze für all die schönen Momente, für die Szenen, in denen ich weinen durfte, in denen ich als Mädchen träumte von einem Mann wie Johnny oder Sam. Ich weiß, Du hast Dein Publikum geliebt.

Dito!

Video zu "The final dance"

14.09.09

Bei Krankheit... - Rindfleischsuppe mit Gemüse

60 % aller Krankheiten sind ernährungsbedingt. Angeblich. Das Zentralorgan der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), die "Ernährungs-Umschau", bezifferte im Jahr 2000 den volkswirtschaftlichen Schaden aufgrund von Krankheitskosten auf ca. 100 Milliarden DM. Zugrunde liegt dieser Behauptung die Studie "Ernährungsabhängige Krankheiten und ihre Kosten". Das ist fast ein Drittel der Gesamtkosten im Gesundheitswesen. Die höchsten Gesamtkosten entfallen auf die Herz-Kreislauf-Erkrankungen und auf Karies. Nur zum Teil sind die Kosten für Adipositas und Diabetes enthalten, dagegen aber viele andere Leiden. Interessanterweise werden in dieser Studie natürlich auch die Herz-Kreislauf-Erkrankungen von 90jährigen berücksichtigt, die imho in ihrem Alter schonmal ein bisschen mit dem Kreislauf Probleme bekommen dürfen. Ebenso ist natürlich Karies ernährungsbedingt, aber warum werden gleich alle Zahn- und Kieferbehandlungen mit eingerechnet, also auch die Kosten für Zahnspangen und andere korrigierende Massnahmen? Auch Krankheiten, bei denen lediglich eine Verbindung zur Ernährung vermutet wird, werden berücksichtigt, z. B. Osteoperose und verschiedene Krebserkrankungen. Sogar die Phenylketonurie, die häufigste angeborene Stoffwechselerkrankung, wurde mit hineingerechnet. Fast schon schmunzeln lässt den Leser dann der Hinweis, dass die Ernährung mit mehr als 100 % an einer Erkrankung mitschuldig sein kann. Da werden in dieser Studie auch gleich noch die mathematischen Grundsätze auf den Kopf gestellt.

Udo Pollmer, Deutschlands streitbarster Ernährungsspezialist und wissenschaftlicher Leiter des Europäischen Institutes für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften hat dafür eine gute Erklärung. Er hält als Basis für all diese Irrtümer eine stillschweigende Vereinbarung: Eine Krankheit gilt dann als ernährungsabhängig, wenn die Mehrzahl der Experten, die auf der Grundlage der behaupteten Zusammenhänge ihr Geld verdienen, diese Ansicht teilen. So herrscht unter den Psychologen Einigkeit darüber, die Mehrzahl aller Krankheiten sei psychisch bedingt, auf Veranstalungen von Mikrobiologen vermutet man nicht nur Grippe und Aids als Folge von Infekten, sondern auch Diabetes, Arteriosklerose und Herzinfarkt. Umweltmediziner wissen dagegen überzeugend zu verkünden, eine wachsende Zahl von Krankheiten sei umweltbedingt. Gerne wird dann der Begriff "Wohlstandkrankheiten" verwendet. Das wirkt fast komisch, lassen sich doch alle Krankheiten irgendwie mit dem Wohlstand verknüpfen. Aufgrund des gestiegenen Wohlstandes allein in den letzen 40 Jahren leben die Menschen sehr viel länger und werden dann im Alter auch eher krank. Da sind wir wieder bei den 90jährigen. Interessanterweise gibt es immer dort die meisten Patienten, wo sich die meisten Ärzte niedergelassen haben. Und kommt dann noch ein Kollege dazu, wird auch dieser sein Auskommen haben, allem gegenteiligen Gejammere der vorher Niedergelassenen zum Trotz. Mehr Ärzte, mehr Kranke. Was für eine Verbindung! Im alten China wurden Ärzte vom Staat dafür bezahlt, dass die ihnen zugewiesen Patienten möglichst gesund waren. Den Aufstand unserer Pharmalobby möchte ich erleben!

Professor Harald Förster von der Universität Frankfurt hat für diese Zusammenhänge nur noch Ironie übrig: "Es kann als gesichert angesehen werden, und dazu bedarf es keiner Aufklärung: Ernährung ist tödlich! Denn jeder, der sich lange genug ernährt hat, ist bislang gestorben. Wer hingegen aufhört sich zu ernähren, kann zumindest nicht an den Folgen der Ernährung sterben."
Quelle

Manchmal aber kann Ernährung auch ein Segen sein. Eine gute Suppe zum Beispiel. Sie wärmt das Herz bei Liebeskummer, wärmt die Glieder nach einem langen Spaziergang in Kälte und Nebel und sie ist ein grandioses Heilmittel, wenn der Liebste zuhause darniederliegt. Vielleicht gibt es dazu auch eine Studie? In welchem Verhältnis sind Männer eher krank als Frauen? Ich weiß, ich weiß, angeblich gehen sie nicht so schnell zum Arzt, pflegen ihre Vorsorgetermine nicht einzuhalten, rauchen und trinken über Gebühr und haben mehr Streß mit den anderen Alphamännchen im Büro. Da ist man als Mann natürlich schnell mal indisponiert. So ein kleiner Schnupfen kann da schon fast lebensbedrohlich wirken. Und dann der Hals! Der tut wirklich weh, und da ist auch noch der Lymphknoten geschwollen. Das wird hoffentlich nichts Ernstes sein?

Da helfen ein dicker Schal, das Sofa mit Kuscheldecke, eine DVD mit Steve McQueen und eine Suppe, mit Liebe gekocht.








Die Beinscheiben werden zusammen mit 2 Markknochen in einem großen Topf sanft angebraten und wenn dann das Wurzelgemüse auch mit angeröstet wurde, dann lösche ich mit einem kleinen Schuß Worstershiresauce ab, dann mit einem (etwas größeren) Schuß Weißwein, lasse alles einkochen und wiederhole das ca. 3 mal. Dann fülle ich mit kaltem Wasser auf und lasse die Suppe ca. 2 Stunden leicht vor sich hinsimmern. Am Ende fällt das Fleisch fast von alleine von den Knochen, wird kleingeschnitten und kommt in die Suppe zurück. Am Ende gebe ich noch in Salzwasser gegarte festkochende Kartoffeln, in kleine Würfel geschnitten dazu. Ich hoffe immer, dass für den nächsten Tag viel über bleibt, denn dann schmeckt die Suppe noch herzhafter, aber leider wird den ganzen Tag (und manchmal sogar nachts) aus dem Topf genascht, so dass ich mir für den nächsten Tag wieder etwas anderes überlegen muss...

Aber sobald der Topf leer gegessen wurde, ist der Liebste auch wieder gesund. ;))

11.09.09

Der Tag der deutschen Sprache

Mal ehrlich, wer kennt den schon?
Er ist aber wirklich heute, wie jedes Jahr seit 2001 immer am zweiten Samstag im September. Ins Leben gerufen vom früheren Vorsitzenden des "Vereins Deutsche Sprache", Heinz-Dieter Dey, der im April 2009 verstarb.

Was dieser Tag kann, bleibt noch abzuwarten, dies ist es, was er laut Statuten soll:
  • soll ein Sprachbewußtsein schaffen und festigen, das den unkritischen Gebrauch von Fremdwörtern eindämmt bzw. verhindert
  • soll bei allen Bürgern unseres Landes den Sinn für die Schönheit und Ausdruckskraft der deutschen Sprache wecken
  • soll der kulturellen Selbstvergessenheit entgegenwirken
  • soll die Wichtigkeit guter muttersprachlicher Kenntnisse für die Herausforderungen der internationalen Wettbewerbsfähigkeit hervorheben
  • soll den Willen verstärken, gutes und verständliches Deutsch in Wort und Schrift zu gebrauchen
  • soll bewirken, daß wir unsere eigene Sprache schätzen, nur dann wird sie im Ausland ernstgenommen
  • soll an die Gleichwertigkeit aller Sprachen erinnern
  • soll ein partnerschaftliches Band zwischen den Freunden der deutschen Sprache im In- und Ausland knüpfen
  • soll zum Nachdenken und zum persönlichen und öffentlichen Meinungsaustausch über die deutsche Sprache anregen

Ich finde, das ist ganz schön viel verlangt für so einen kleinen Tag im Jahr! Aber bei der Recherche für diesen Artikel bin ich auf noch Absonderlicheres gestoßen. Da gibt es z. B. die "Neue Fruchtbringende Gesellschaft", mir vorher völlig unbekannt, oder auch den "Sprachrettungsclub Bautzen" - sogleich fällt mir ein Limerick meines Vaters ein -

es war eine Gattin in Bautzen,
die tat ihren Gatten anschnauzen,
sie versprach sich zu ändern,
jetzt schnauzts sie ihn nicht mehr,
jetzt hautsen.

Aber das werden die Bautzener wohl nicht meinen, mit ihrer Sprachpflege...

Schön ist, dass am Tag der Deutschen Sprache viele Tageszeitungen auf Anglizismen verzichten werden. Nur, das wirkt fast harmlos gegen Frankreich. Dort hat sich Jack Mathieu Émile Lang geschwind für eine Quote "fremdsprachiger" Songs in französichen Radiosendern stark gemacht. Als "Dankeschön" verlieh ihm gleich mal der Aachener Karnevalsverein 1991 den "Orden wider den tierischen Ernst". In Deutschland reagierte man betulicher. 2007 starteten die Medienagentur medfux.de und der Verein Deutsche Sprache eine "Deutschlehrerbörse" zur Vermittlung von Deutschlehrern in alle Welt. Zum Glück war die nicht so erfolgreich wie geplant, sonst hätten unsere Kinder irgendwann überhaupt kein Deutsch mehr gelernt. ;)

Vor 2 Jahren hatten wir eine Austausschülerin von La Rèunion zu Gast, die sagte uns, wenn sie deutsch hört, fühle sie sich, als würde sie angeschrien. Wir haben daraufhin ganz besonders sanft mit ihr gesprochen, ihr erster Eindruck der deutschen Sprache wird wohl auf immer geblieben sein. Aber es gibt eine andere Person, die sich viele Gedanken um die deutsche Sprache macht, mit ihr jongliert, sie feiert und manchmal auch verballhornt. Aber immer mit Liebe und Respekt behandelt. Seht selbst:



Für P. - Gebackene Apfelküchlein mit Preiselbeereis und Portweinsabayon

Gestern hat bei uns zuhause eines dieser neuen Spielzeuge mit dem angebissenen Apfel Einzug gehalten. Nicht nur, dass ich wie festgenagelt zuhause rumsitzen musste, um nur ja nicht den Postboten zu verpassen - nein, da hieß es dann heute morgen auch noch, "Schatz, heute aber was mit Äpfeln!"

Als wäre nicht genug zu tun, seufz... Die letzten Dahlienzwiebeln wollen ausgegraben und in die Sonne zum Trocknen gelegt werden, Geburtstagsgeschenke müssen besorgt, Hemden gebügelt und Lebens- und Genussmittel eingekauft werden. Zum Glück sind wir am Wochenende eingeladen...

Äpfel also. Was mit Apfelwein? Nö, den mag ich ja gar nicht - bin wohl zuviel in Frankfurt gewesen in der letzten Zeit. Ein Getränk vom Wochenend-Workshop, das sich großspurig von den Franken "Apfelchampagner" nennen läßt? Kommt mir nicht über die Tastatur!

So ganz spontan rudere ich zurück in die legendären 80er, denke an das Zuckerwasser in meinen Haaren, an pinkfarbene Neonröhren und Kunstpalmen in hochglanzgestylten Bars. Und wer ließ uns damals funky mit den Füßen wippen und den frisierten Köpfen nicken? Richtig! Kajagoogoo!
Die geben übrigens tatsächlich am 17. September 2009 in Liverpool ein Konzert. Ehrlich, wenn es nur ein bisschen näher wäre - ich würde hingehen. Immerhin haben sie sich nach 25 Jahren in der Originalbesetzung zusammengefunden. Auch der furiose Nick Beggs ist dabei, der in den 80ern den Chapman-Stick bekannt machte und damit die Mädels bei Peter Illmans Formel Eins vor dem Fernseher vibrieren ließ. Gerade jetzt läuft bei mir reminiszenzerweisend "Big Bubbles, No Troubles" von seinem Ausflug bei Ellis, Beggs & Howard.

Da das Alter milde stimmt und die eigene und die Vergangenheit anderer etwas größzügiger betrachten lässt, habe ich inzwischen Limahl seinen peinlichen Fehltritt mit der Titelmusik zur Verfilmung der "Unendlichen Geschichte" verziehen. So peinlich kann es werden, wenn man als Künstler in die Hände Giorgio Moroders gerät. Aber er war jung und... ;) Anschließend konnte er sich die Anzüge des anderen Giorgio spielend leisten. Nicht überliefert ist, was der wohl immer zu seiner Frisur gesagt hat. Ich sag nur "Zuckerwasser", da weiß ich, wovon ich spreche! Limahl heißt übrigens richtig Chris Hamill, sein Künstlernahme ist ein Anagramm des Nachnamens.

Neben dem vibrierenden "to shy" war für mich der größte Song, den Kajagoogoo jemals geschrieben und einer der großartigsten, den die 80er hervorbrachten:

Big apple - live gespielt bei Thommy´s Popshow 1983 - als Sänger Nick Beggs, Limahl war zu der Zeit schon ausgestiegen und versuchte sich solo.

Das Video

Und weil mir natürlich der Wunsch meines Liebsten Befehl ist, gibt es heute ein Rezept mit Äpfeln und viel Zucker (ohne Wasser)!

Morgen mach ich dann wieder was ich will...







Das Eis:
  • 250 g Sahne
  • 120 ml Milch
  • 6 Eigelbe
  • 3 TL Zucker
  • 250 g kaltgerührte Preiselbeeren


Die Sabayone:
  • 50 ml roter Portwein
  • 100 ml Apfelsaft
  • 2 Macisblüten
  • 1 Stück Orangenschale, unbehandelt
  • 2 Eigelbe
  • 2 TL Zucker
  • 1 EL Zitronensaft
  • 1 - 2 EL geschlagene Sahne


Die Apfelküchlein:
  • 2 Äpfel
  • 50 g Puderzucker
  • 3 cl Calvados
  • 1 EL Zitronensaft
  • 1 Prise frische Muskatnuss
  • 60 g Zucker
  • 1 Msp. gemahlener Zimt


Der Backteig:
  • 1 Ei
  • 1 Eigelb
  • 1 TL Distelöl
  • 75 g feines Weizenmehl
  • 75 ml Weisswein
  • 1 Prise Salz
  • 1/2 Päckchen Vanillezucker
  • 1 Eiweiß
  • 1 TL Zucker
  • 1 l Öl und weiteres Mehl zum Ausbacken

Das Preiselbeereis:
Die Sahne mit der Milch aufkochen. Die Eigelbe werden mit dem Zucker schaumig gerührt und in die kochend heiße Sahne-Milch Mischung gegeben. Im heißen Wasserbad während ständigen Rührens "zur Rose abziehen". Durch ein feines Sieb passieren und die Preiselbeeren unterrühren. Entweder in die Eismaschine geben oder aber - wie ich es immer mache - auf Eis schnell abkühlen lassen, in den TK stellen und dann alle 20 min durchrühren, damit sich keine Kristalle bilden, bis die Masse gefroren ist.

Portweinsabayon:
Den Portwein mit Apfelsaft, den Macisblüten und der geriebenen Orangenschale in einem Topf aufkochen und auf ca. 60 ml einreduzieren lassen. Die Eigelbe mit dem Zucker schaumig schlagen. Die Portweinreduktion dazu geben und auf einem Wasserbad zum Sabayon aufschlagen.

Wenn die Sabayon fertig ist, vom Wasserbad nehmen und weiter schlagen, bis es abgekühlt ist. Etwas Zitronensaft dazu geben und die Sahne unterheben.

Als Tipp:
die Reduktion kann wunderbar vorbereitet und kurz vor der Zubereitung des Desserts einfach wieder erhitzt werden.

Apfelküchlein:
Die Äpfel schälen, mit einem Ausstecher das Kerngehäuse herausholen und in ca. 1 cm dicke Scheiben schneiden. Den Calvados mit dem Puderzucker, Zitronensaft und der Muskatnuss verrühren und die Apfelringe darin marinieren. Zucker und Zimt auf einem tiefen Teller vermischen.

Backteig:
Ei, Eigelb, Mehl, Öl, Weißwein, Salz und den Vanillezucker zu einem Teig verrühren und 30 Minuten quellen lassen. Das Eiweiß mit dem Zucker steif schlagen und unter den Teig heben.

Zum Ausbacken reichlich Öl in einer tiefen Pfanne erhitzen auf ca. 170°. Die Apfelscheiben trocken tupfen, mehlieren, durch den Backteig ziehen und im heißen Fett goldgelb ausbacken. Auf Küchenpapier entfetten und in der Zucker-Zimt-Mischung wälzen.

Alles zusammen auf einem Teller anrichten, wobei ich die Sabayon extra reiche, damit der Backteig nicht aufweicht.

10.09.09

MOK-en in der Gärtnerei

Letztes Wochenende war ich im kleinen beschaulichen Effeltrich. Dort gibt es die Staudengärtnerei "Augustin", die ihre wunderschönen Gewächshäuser und das Gelände drumherum für den Workshop "Molekulare- und Avantgardküche mit wilden Kräutern" zur Verfügung stellte. Ein Thema, für das ich gerne schon am Vortag 300 km anreiste.

Nach einem kleinen Gang auf dem Versuchsacker von Manfred Kuscher, einem der Veranstalter, wo ich Purpur-Amaranth und gestreiften Mais, sowie Schokoladenblumen und Rattenschwanzradieschen kennenlernte, begannen wir mit den Vorbereitungen in der Gärtnerei. Diese wunderschöne Location hat für mich persönlich ganz besonders zum Erfolg dieses Treffens beigetragen. Mit welch einer Liebe und Hingabe die Inhaber vor 26 Jahren dieses Schmuckstück unter den Gärtnereien aus dem Nichts aufgebaut haben! Mittlerweile bietet die Gärtnerei nicht nur ausgefallenen Wildkräutern, Stauden und einer Menge Katzen ein Zuhause, sondern auch einigen Ziegen und Heidschnucken.

Mit einem dieser kleinen Elektowägelchen, bei denen ich immer Angst hatte, sie fallen in der nächsten Kurve um, durfte ich mit Conny, der Inhaberin eine Runde im Aussengelände drehen, und die Weitläufigkeit und Schönheit der gesamten Anlage bewundern. Währenddessen liefen im Gewächshaus unter den strengen Augen des Küchenchefs schon die Vorbereitungen für folgendes Menü:
  • Styropor vom Parmaschinken mit Schinkenfett und Salbeipapier
  • Schinkensahne ohne Sahne mit Knoblauch-Pecorinospähre und Salbeiöl
  • Geschichtetes Pecorinogelee mit Parmaschinken, Karamell und Salbeiöl
  • Wildkräutersalat in Essigfolie mit Arganöl auf Fenchelmayonaise, Geräuchertes Spanferkelfilet, Fenchelchips
  • Kalbsfilet Sous-Vide mit Perigord-Trüffel-Sellerie-Öl auf Blumenkohlcreme, Paprikaröllchen, Paprika-Kaffeemus mit Whisky, Blumenkohlasche ohne Asche, Zitroneverbene
  • in Stickstoff geeister Kalamar-Espuma mit getrockneten Himbeeren
  • Kalamar-Nudeln auf Gurkengeleespiegel mit Borretschblüten, Bronzefenchel und Gewürztagetes
  • Makrelenfilet in brauner Butter gebraten auf Petersilienwurzelpüree, Wildtomatenconcasse mit Orangentargetes und gelben Tomatenmousse
  • Taubenbrüstchen Sous-Vide gegart mit Wonderberry-Brot-Kruste auf Mangold, Meerettichmousse, Rote Bete-Röllchen mit Meerrettich-Infusion und Rote Bete-Asche, Wonderberrymark
  • warmes Pfifferlingsmousse mit Pfifferlingskaramell und Lärchenaufguss
  • Schokoladensuppe, in Kakaobutter gebratene Wassermelone mit Bergamotte-Infusion und Maldonsalz, Joghurtgelee, Schokoladen- und Melonenstaub, Schokoladenkaviar, Joghurtluft und Indianernessel
  • Eis von der arabischen Ringelblume auf Haselnuss-Bretonne, Schokoladenkuchen mit Williamsimpfung, Ringelblumensirup, Gelee von Milch und weißer Schokolade, Birnengelee, Espuma und Krokant von tasmanischen Pfeffer
  • Schokozigarre
und nachdem ich mir über Stunden hinweg so richtig Hunger angegessen hatte, gab es zum Sattwerden und Magensäfte beruhigen noch ein 24-Stunden sous-vide gegartes Roastbeef mit Tasmanischem Pfeffer, Trüffel-Sellerieöl und herrlich frischem Landbrot.

Abgesehen vom herrlichen Roastbeef waren meine persönlichen Lieblinge der Wildkräutersalat in der Essigfolie und die gebratene Wassermelone. Dass ich Taube nicht mag, wurde mir wieder eindrucksvoll bestätigt, auch wenn die Wonderberry-Brotkruste ganz köstlich war. Kalmar gehört ebenfalls zu den wenigen Dingen, die ich nicht esse - in Nudelform und als Espuma wurde er für mich persönlich nicht appetitlicher.

Ich fand es beeindruckend, wie über 20 fremde Menschen mit unterschiedlichem Background auch und vor allem in der Kocherfahrung sich so harmonisch zusammen gefügt und ganz unbefangen ihre persönlichen Geschmäcker und Verbesserungsvorschläge geteilt haben. Dazu die umfangreichen "Geschmacksexplosionen", die aber nie verwirrten oder sich gar überschnitten und zu einer Kakophonie am Gaumen führten - ein ganz großartiges Erlebnis!




Da ahnen die "Heiligen Hallen" noch nicht, was hier los sein wird...


alles wirkt wie "zufällig stehengelassen" inklusive des großen Reisekoffers



liebevolle Unordnung


provencalisches Ambiente





Purpur-Amaranth




unbekannte Schöne


gestreifter Mais, leider nur die Blätter. Die Körner sind gelb.




Wildkräutersalat in Essigfolie mit Arganöl auf Fenchelmayonaise



mit Buchenholz geräucherte Fenchelchips


Der Grundstock für meine zukünftige Schokoladen-Produktion ;)




09.09.09

Das Leben ist schön!

Oben lag der Appenin
Unten legte ich mich hin
Mittelmeer lag vor mir rum
Gelegentlich Basilikum-
Aroma mit der Brise flog
Und mich ins Mittagsschläfchen zog

Auf täuschend friedlich fiese Weise
Denn kurz darauf war Schluß mit leise
Am lurigen Ligurienstrand
Nur hundert Meter rechter Hand
Ließ die Mafia Sand abtragen
Für kriminelle Bauvorhaben
Wo Mitarbeiter Estrich streichen
Über frisch erlegte Leichen
Um in starken Fundamenten
Cosa-Nostra-Konkurrenten
In der Regel ohne Segen
Vertuschungshalber abzulegen

Oben lag der Apenin
Unten stellte ich mich hin
Jäh geweckt durch Dieselgrollen
Halsschlagader schwer geschwollen
Schrei wie tausend Furien:
"Augen auf, Ligurien!
Stoppt die Mafia! Stellt die Killer!
Beginnt mit diesem Caterpillar-
Fahrer dort am Strand!
Er baggert für die schwarze Hand!"

Der Rest war schließlich recht banal
Die Menge nahm es als Fanal
Zog den armen Sack vom Bock
Betäubte ihn mit Schirm und Stock
Schleppte ihn behend zur Buhne
Dort fand sich jemand mit Harpune

Oben lag der Apennin
Unten legte ich mich hin
Mittelmeer lag vor mir rum
Gelegentlich Basilikum-
Aroma mit der Brise flog
Und mich ins Mittagsschläfchen zog

aus: Oben lag der Appenin - unten legte ich mich hin. Feine Reime. Carola Rönneburg (Hg)


Das Leben kann so schön sein! Und wenn man dann noch im Lokal gleichen Namens sitzt - was soll schiefgehen!

Ja gut, aber, könnte man einwenden - hat Frankfurt die höchste Kriminalstatistik im Lande - 2008 immerhin 16378 Straftaten pro 100000 Einwohner. Aber dafür können die armen Frankfurter ja gar nichts. Alle Delikte, die auf Deutschlands größtem Flughafen verübt werden, fließen in die Berechnungen mit ein und versauen so der Bankenmetropole die Statistik. Die Frankfurter nennen das dann "importierte Kriminalität" und versuchen sich weiter am dolce far niente, um das sie München als Italiens nördlichste Stadt so beneiden. Und wenn "die Franfurter" es den Münchenern mal richtig zeigen wollen in Punkto Lebensqualität und Lockerheit, dann krempeln sie in der Mittagspause die Doppelmanschetten auf, lockern die Kravatten und gehen in Ardi Goldmans Lokal auf der Hanauer Landstraße. Dort können sie dann vor Bildern der jungen Sofia Loren oder der schönen Lollo davon träumen, wie das Leben sein könnte... Schön!

Und wenn man bis in die späten Abendstunden bleibt - dann darf man den supernetten, manchmal sogar singenden Mitarbeitern dabei helfen, die Stühle hochzustellen und trinkt mit der Thekenmannschaft noch einen Ramazotti "aufs Haus" und auf das Leben!


außen "nur" ein altes Brauhaus, innen italienisches Lebensgefühl


an der Bar, an der Bar...


da wurden schon Frankfurter gesehen, die haben sich
heimlich unter dem Tisch die Schnürsenkel gelockert...


gemütlich uriges Ambiente innen...


im Glanze große Diven...


wartet man auf die bestellten Leckereien...


Pizza "Celentano" mit Spinat, Ricotta, Parmaschinken

Tiramisu-Gemetzel zu zweit - unmöglich, das nach dem Essen alleine zu schaffen...