Bei Ellja habe ich in einem Kommentar geschrieben, wie sehr ich die Food- und andere blogs vor allem dafür mag, dass ich immer etwas dazulerne. Etwas, das weit über das vom Blogger Vorgestellte hinausgeht. Das finde ich so anregend und lehrreich, dass ich mich entschlossen habe, jetzt monatlich mal zu rekapitulieren, was mich an Neuem überrascht hat. Seien es Blogger oder Blogs, Posts oder Bilder, Kinofilme, Bücher, DVD, Rezepte, Leser....die Liste ist sicher lang. In Zukunft werde ich mir in geeigneten Notizen mehr festhalten, als mein Kurzzeitgedächtnis in der Lage ist aufzunehmen. Diesen Monat wird es noch etwas weniger strukturiert, da ich es so aus dem la meng heraus schreibe. Daher bitte ich um Verzeihung, sollte ich mich in einem Kommentar überschwenglichst geäußert haben und jetzt und hier trotzdem nichts darüber schreiben. Das ist keine böse Absicht.
Vielleicht hilft es auch, noch mehr Blogger untereinander zu vernetzen, uns gegenseitig aufmerksam auf schöne und/oder informative Seiten zu machen. Daher freue ich mich, wenn jemand diesem Beispiel in ähnlicher Weise folgen mag. Nur zu, machen wir uns bekannt!
Mein liebster neu entdeckter Blog in diesem Monat ist einmal Stylespion, in dem ich viele Anregungen für gute Photos finde. Vielleicht schlägt sich das dann zur Freude aller auch in meinen eigenen Blogfotos nieder. Dann mag ich in diesem Monat noch besonders Chezuli, der mit kurzen Beiträgen, schönen Bildern und ohne Schnickschnack viel über die feine Küche erzählt.
Durch Barbaras Spielwiese und ihren Event der Küchenausblicke habe ich einen früheren Nachbarn wiedergefunden, der noch bis vor 2 Jahren fast den gleichen Küchenausblick hatte, wie ich. Also auch die Bloggerwelt ist ein Fliegenschiss! Bei Isi gehe ich regelmäßig in die Käseschule, das ist gut, da habe ich noch viel zu lernen. Durch Ellja bin ich erstens auf diese Idee gekommen und aktuell habe ich durch weitergehende Recherche zu einem ihrer Rezepte erfahren, dass es Borschtsch auch in grün gibt und in New York gleich eine ganze Feriensiedlung namens Borsch Belt. Eline lehrt mich mindestens ein österreichisches Wort im Monat, aber im Oktober hat sie mir sogar etwas finnisch beigebracht. Mökki ist ein Ferienhaus und Herkukumyymälä ein Feinkostgeschäft.
Seit Hannes weiß ich, dass Nonnenfürzle nichts Unanständiges sind, durch meine eigenen Recherchen habe ich gelernt, dass die "Herrgottsbescheißerle" am Ende vielleicht noch einem Wiener Stadtteil den Namen gegeben haben, was aber Petra vom Kaffeeklatsch bestens zu widerlegen weiß.
Mit Frau Buntköchin habe ich den Auftritt bei cookiza gemeinsam, einem Kochbuch für das i-phone, das stellen wir gemeinsam aber sicher noch gebührend vor.
Ganz Showmaster-like begrüße ich an dieser Stelle meine neuen regelmäßigen Leser Isi von Spicy, Sändy von wonderful life, Iden Sh von На одной орбите с Iden,
Hannah von Die böse Nudel, Oliver, der keinen Blog hat, aber bei mir regelmäßig liest und mich brüderlich in Blogfragen berät (dankedankedanke!) und natürlich P.(hilipp), als regelmäßiger Esser der Kochexperimente und Ertrager meiner lyrischen Ergüsse, sowie konstruktiven Kritiker.
Ein schöner, anregender, erfahrungsreicher und oft auch lustiger Monat mit Euch allen war das! Habt Dank dafür!
31.10.09
Monatsrückblick Oktober 2009
Registriert unter
Blogevents,
in eigener Sache
30.10.09
Kohl, Schaf, Wolf und Boot
Dieses Rätsel kennen bestimmt viele von Euch, aber wenn man ein paar Jährchen nicht mehr dran gedacht hat, muss man wenigstens kurz mal überlegen...
Also, wer hat des Rätsels Lösung?
Die Situation:
Ein Mann, ein Boot, ein Fluß. Der Mann hat dabei: 1 Wolf, 1 Schaf und 1 Kohlkopf.
Alle müssen auf die andere Seite des Flusses gelangen, ohne sich unbeaufsichtigt gegeseitig aufzufressen. Er darf allerdings immer nur einen der Genannten im Boot hinüberfahren.
Währenddessen koche ich einen Kohlkopf. Und zwar in der von irgendjemandem im CK genannten Version
"Geplatzte Kohlroulade". Ein Essen, das schnell geht und vor allem das Herz von Kindern und auch Ehemännern erfreut, deren Vorname mit P. beginnt. ;) Aber die mit K, L, H, M, W usw. mögen es vielleicht auch. Und wahrscheinlich wird das das Gericht sein,welches ich zu essen bekomme, wenn ich unsere Tochter eines Tages nach ihrem Auszug besuche. Neben Kochtätigkeiten wie: einen Ofenkäse in den Ofen schieben, einen Pfannkuchen backen und mit Nutella bestreichen, Nudeln kochen und ein Spiegelei dazu braten oder warten bis Mama nach Hause kommt und etwas Anständiges zubereitet, kann sie das bestimmt auch. Zumindest wenn sie es lange genug übt. Das Gericht klingt nämlich einfach, ist aber sehr komliziert und mindestens so schwierig wie das o. g. Rätsel. ;)
Den Ketchup dazu geben, dann den Kohl und den Gemüsefond.
Deckel drauf, ziehen lassen. Jetzt wird es komplizierter. Genau dosiert bitte 250 g Schmand vorsichtig unterheben! Dabei nicht drängeln lassen, auch wenn ein Familienmitglied schon mit dem Kinn an der Herdkante hängt! Keine Nervosität, bitte! Fein abschmecken, dabei ist die Wahl des richtigen Salzes und Pfeffers von ausschlaggebender Wichtigkeit. Hier vielleicht mallorquinisches statt Salz von Ibiza zur Würze zu nutzten, kann dieses ausgefeilte Gericht im Nu ruinieren! Auch die Hitze muss genau im Auge behalten werden. Kohlartige Fasern zerfallen bei einer Kerntemperatur von exakt geschätzten 67,37° C. Somit ist das Gericht bei 67,5° wahrscheinlich schon versaut. Ich empfehle daher die Zubereitung im Thermomix oder in einem Glühweintopf.
In einen Servierring schichten, mit Schmandluft nappieren und liebevollst ausdekoriert servieren!
(dabei den Ring zuvor entfernen, natürlich! tsssss.....)
Also, wer hat des Rätsels Lösung?
Die Situation:
Ein Mann, ein Boot, ein Fluß. Der Mann hat dabei: 1 Wolf, 1 Schaf und 1 Kohlkopf.
Alle müssen auf die andere Seite des Flusses gelangen, ohne sich unbeaufsichtigt gegeseitig aufzufressen. Er darf allerdings immer nur einen der Genannten im Boot hinüberfahren.
Währenddessen koche ich einen Kohlkopf. Und zwar in der von irgendjemandem im CK genannten Version
"Geplatzte Kohlroulade". Ein Essen, das schnell geht und vor allem das Herz von Kindern und auch Ehemännern erfreut, deren Vorname mit P. beginnt. ;) Aber die mit K, L, H, M, W usw. mögen es vielleicht auch. Und wahrscheinlich wird das das Gericht sein,welches ich zu essen bekomme, wenn ich unsere Tochter eines Tages nach ihrem Auszug besuche. Neben Kochtätigkeiten wie: einen Ofenkäse in den Ofen schieben, einen Pfannkuchen backen und mit Nutella bestreichen, Nudeln kochen und ein Spiegelei dazu braten oder warten bis Mama nach Hause kommt und etwas Anständiges zubereitet, kann sie das bestimmt auch. Zumindest wenn sie es lange genug übt. Das Gericht klingt nämlich einfach, ist aber sehr komliziert und mindestens so schwierig wie das o. g. Rätsel. ;)
- 1 Weisskohlkopf
- 1 kg Hackfleisch, gemischt (schmeckt aber auch mit Lammhack sehr lecker!)
- 250 ml Gemüsefond
- 200 g Schmand
- 2 EL Ketchup
Den Ketchup dazu geben, dann den Kohl und den Gemüsefond.
Deckel drauf, ziehen lassen. Jetzt wird es komplizierter. Genau dosiert bitte 250 g Schmand vorsichtig unterheben! Dabei nicht drängeln lassen, auch wenn ein Familienmitglied schon mit dem Kinn an der Herdkante hängt! Keine Nervosität, bitte! Fein abschmecken, dabei ist die Wahl des richtigen Salzes und Pfeffers von ausschlaggebender Wichtigkeit. Hier vielleicht mallorquinisches statt Salz von Ibiza zur Würze zu nutzten, kann dieses ausgefeilte Gericht im Nu ruinieren! Auch die Hitze muss genau im Auge behalten werden. Kohlartige Fasern zerfallen bei einer Kerntemperatur von exakt geschätzten 67,37° C. Somit ist das Gericht bei 67,5° wahrscheinlich schon versaut. Ich empfehle daher die Zubereitung im Thermomix oder in einem Glühweintopf.
In einen Servierring schichten, mit Schmandluft nappieren und liebevollst ausdekoriert servieren!
(dabei den Ring zuvor entfernen, natürlich! tsssss.....)
Registriert unter
Sonstige Genüsse
29.10.09
Lachs in Schalottensahne nach Siebeck
Angestoßen von Isi in ihren Kommentaren zum Zitronenrisotto mit Lachsfilet poste ich heute unseren Küchendauerbrenner. Leider, leider habe ich noch niemals ein Bild davon gemacht, so dass Ihr heute mal ohne Foto auskommen müsst.
Wie erwähnt, hat der gute Herr Siebeck bei mir vor Jahren die Initialzündung zum Kochen gegeben. Und man kann ihm vorwerfen, was man will und ihn mögen oder nicht, das hat er gut gemacht! ;) Gekocht habe ich natürlich vorher auch, auch mit Hingabe und ohne "Tütchen", aber es stand immer mal ein Gläschen gekörnte Brühe herum, der Pfeffer kam fertig gemahlen aus einem Streuer und nicht aus der Mühle, das Salz war billig und voller Rieselhilfen usw.
2002 erschien eine Neuauflage des ewig vergriffenen Kochbuches
2002 erschien eine Neuauflage des ewig vergriffenen Kochbuches
"Alle Meine Rezepte - Mein Kochbuch verfeinerter bürgerlicher mitteleuropäischer und mediterraner Küche" von Wolfram Siebeck. Damals schrieb er im Vorwort:
"Wer die richtigen Töpfe hat, nur frische Produkte verwendet und außer einer Bouillon noch ein Huhn richtig zubereiten kann, mit Lammfleisch umzugehen weiß und sich davor hütet, Gemüse matschig und Fisch trocken zu kochen, der braucht dieses Buch sicher nicht"
Da ich zu diesem Zeitpunkt noch nie eine Bouillon selber zubereitet hatte und nicht wußte, ob das Auskochen von Beinscheiben für eine Schnippelbohnensuppe zur Ehre gereicht, gehörte ich eindeutig zur Zielgruppe.
Mein erstes Rezept daraus - das weiß ich noch genau, war die "Weiße Bohnen-Creme," die Eline ganz ähnlich hier zubereitet. Und auch mein "Pour Eline" , das ich ihr gewidmet habe, stammt aus diesem Buch. So kochte ich ein paar Jährchen vor mich hin, bis der Feinschmecker als Sonderheft dieses hier herausbrachte:
Das war Winter 2004 und da ich mir oft Notizen an meine Rezepte schreibe, weiß ich, dass ich den Lachs daraus erstmalig am 26.12.2004 zubereitet habe. Beim Durchblättern habe ich gerade entdeckt, dass wir am 25.12.2004 aus diesem Heft den "Entenbraten in Essig-Karamell-Sauce" hatten, meine erste NT-Ente und mein erster selbstgemachter Kalbsfond als Basis für die glace de viande. Die Sauce hat uns damals fast Sinne geraubt. Das waren lukullische Weihnachtstage! Am 24. hatten wir sicherlich wie jedes Jahr Raclette. Wahrscheinlich kommen noch aus Weihnachten 2004 die 3 kg, die ich zuviel mit mir rumschleppe ;)
Die Ente hatten P. und ich an diesem Abend für uns alleine. Aber den Lachs haben wir gemeinsam mit meinen Geschwistern gegessen. Seitdem glauben sie, dass ich so richtig kochen könne! Kleine Schaumschlägerei, denn dieser Lachs macht viel her, ist aber wahnsinnig einfach in der Zubereitung. Alle Rezepte in diesem Sonderheft sind auch im o. g. Kochbuch vertreten, aber durch die FS-Redaktion im Gegensatz zu Ersterem "aufgemotzt" mit mehr Text und richtigen Food-Fotos. Auf die wurde (lt. Siebeck) im Buch bewuß verzichtet, dort gibt es nur sehr kleine, sehr einfache Bildchen.
Schöne Erinnerungen haben wir an den Einkauf der Lachse. Zu Weihnachten werden von den Händlern fast nur die dicken Brummer rausgefischt, so dass wir locker bei 4 kg waren und die nachfolgenden Male haben wir bewußt so große Lachse vorbestellt, weil wir dieses Essen nur mit Gästen genießen. Jeder Lachs heißt immer "Karl" und wird von uns wie ein Baby quer vor dem Bauch durch die Fußgängerzone vom Händler zum Auto getragen. Passiert ist es uns schon, dass wir an einer bekannten Bar haltmachten, dort nur "schnell ein Glas Sekt, Liebling, ist doch Weihnachten"...nette Leute kennenlernten und 5 Stunden später mit Lachs vor dem Bauch zu Fuß nach Hause gelaufen sind. So machte dann Kurt II. eine kleine Rast im Kühlhaus der Wiesbadener "Haltbar".
Kurt III. hat uns schon beim spontanen Uhrenkauf begleitet, der Verkäufer dachte, wir hätten ein Baby auf dem Arm und wollte das niedliche Wesen mal sehen ;) Seit wann trägt man Neugeborene in große Tüten gewickelt auf dem Arm?
Und so bereitete ich Kurt I. - ca. VI. zu:
- Ein ganzer Lachs, ca. 4 kg für 8 Personen
- Butter zum Einfetten für den Bräter
- 600 g Schalotten
- 300 ml trockener Riesling
- 1 l flüssige Sahne
- 1/2 L Crème fraîche,
- Zitronensaft
- Eine sehr große Form, in der der Lachs im Ofen Platz hat
Die Schalotten werden fein gehackt, nicht winzig, da sie später herausgesiebt werden. Für 4 Personen rechnet man ca. eine Tasse voll. Der Lachs wird mit den Bauchlappen abgestützt in die Form gesetzt, die Schalotten kommen locker drauf und drumherum. Dann werden Sahne und Crème fraîche gemischt, ca. im Verhältnis 2:1. Und bitte viel davon! D. h., dass die o. g. Mengen alle Circa-Angaben sind! Hauptsache, es ist VIEL!
Man kann auch erst die Sahne über den Lachs gießen und die Crème hinterher obenauf tupfen, das ist völlig egal, ich habe es schon so und so gemacht. Aber am Ende muß der Fisch in einer dicken Sahnepfütze sitzen und die Haut sollte cremig überzogen sein. Der Wein kommt noch dazu und so kommt er in den Ofen. Ich schiebe den Bräter bei ca. 200 °C auf den Boden und lasse alles ganz leicht blubbern. Dabei muss die Hitze in Auge behalten werden, nach der Hälfte der Zeit drehe ich den Bräter um, da meine Ofen-Gurke sonst hinten alles verbrennt, während es vorne gut erscheint. Die Sahne darf nicht zu sehr reduzieren, auch dafür ist die Kontrolle wichtig. Je nach Größe des Fisches braucht er zischen 30 und 60 Minuten, prüfen kann man das nicht wirklich, da kommt es auf Gefühl an. Er wird sowieso unregelmäßig gar, da er vorne dick und am Ende dünner ist. Für uns war das noch nie ein Problem, ich esse den Fisch gerne fast roh, P. mag ihn mehr durch und so findet am Ende jeder am Tisch sein Lieblingsstück.
Am Ende kommt der Fisch auf eine große warme Platte, dabei muß man vorsichtig zu Werke gehen, er soll beim Herausheben aus dem Bräter ja nicht auseinander brechen. Wir machen das meistens zu zweit, das klappt besser. Auf der Platte stelle ich ihn im Ofen noch etwas warm und und gebe jetzt Vollgas mit der Sauce:
Die gieße ich durch ein feines Sieb und drücke die Schalotten dabei gut aus. Dann wird die Sahne eingekocht, wie stark, hängt davon ab, wie flüssig sie noch ist. Eventuell kann ja noch ein bisschen Sahne oder Crème fraîche dazu, auf die paar Kalorien kommt es dann nicht mehr an. Etwas Zitrone dazu, vielleicht noch etwas Wein oder ein kleiner Schuß Noilly Prat...Aber wie Siebeck richtig schreibt: "Verkneifen Sie sich ihre kreativen Einfälle. Die leichte Bitterkeit der Schalotten, die Säure des Weines und der Crème sowie der Eigengeschmack des Fisches, das ergibt zusammen eine vollkommene Harmonie, die durch jede weitere Zutat nur gestört würde."
Bevor dann der Lachs auf den Tisch kommt, wird ihm die Haut über die Kiemen gezogen. So leuchtet er rosa und saftig, die Sauce kommt in einer extra Schale daneben, dazu gibt es bei uns schmale Bandnudeln.
"Dann wird es am Tisch der Esser so still, dass man eine Gräte zu Boden fallen hören könnte"
So sieht er bei Siebeck aus:
Und das nächste mal fotografiere ich ihn auch, versprochen! Wahrscheinlich spätestens Weihnachten ;)
Registriert unter
Fisch und Krustentiere,
Kochschule
27.10.09
An now to something complete different...
Heute soll es hier mal wieder weniger schwermütig zugehen...
Und als ich dann heute morgen im Radio gehört habe, dass John Cleese ein kleines neues Bühnenprogramm hat, mit dem Namen:
"A Ludicrous Evening with John Cleese... or How to Finance Your Divorce", weil seine Frau umgerechnet 13,6 Millionen € von ihm bekommt, dachte ich, da ist der alte feine Monty Python-running gag doch genau die richtige Überleitung.
Wie schon kurz erwähnt war am Wochenende Arthur zu Besuch, samt meiner Lieblingstante im Schlepptau. Und ich weiß ja nicht, wie Väter das immer noch schaffen, dass man als Tochter "spurt". Selbst fast im omafähigen Alter macht man dann immer noch das, was einem gesagt wird. Besser gesagt, man macht es nicht. Nämlich sich Mühe. "Wir kommen nur, wenn Du Dir keine Mühe machst, Kind!" (O-Ton!) Wer Arthur kennt, der weiß, das meint er ernst und wenn man sich widersetzt, kommt er lange nicht wieder. Die folgsame Tochter überlegt also: Was macht keine Mühe? Ziemlich subjektive Geschichte das Ganze... Aber so ein Stück Schmorfleisch,das sich von ganz alleine macht, dagegen kann ja keiner was sagen. Also werden 2 kg Kalbsbrust gekauft, Kräuterseitlinge für die Sauce und Brötchen für die geplanten Semmelknödel. Oder fallen Knödel schon wieder unter "Arbeit machen"? Ich befüchte das Schlimmste und schwenke um auf Kartoffeln.
Freitagabend wird die Kalbsbrust in Stücke geschnitten, angebraten und mit Wurzelgemüse 4 Stunden bei 100°C in Weißwein geschmort.
hhhmmmm, das hat geduftet.
Nebenher saßen wir mit einer lieben Freundin in der Küche und haben einen italienischen Abend veranstaltet mit Trüffelravioli, leckerem Käse, Lardo, Parma, Mortadella etc...
Die Kalbsbrust durfte sich dann über Nacht ausruhen, so gegen 12.00 wollten die Gäste kommen.
Aber dann- ich habe das größte Fett abgefieselt und bekam Angst. Erstens vielleicht doch viel zu durchwachsen (das muss man ja mögen) und außerdem, was ist denn wohl aus den 2 kg geworden, da blieb ja gar nichts über!
Panik! Hätte ich mir doch bloß mal so richtig Arbeit gemacht, sowas passiert, wenn man gegen seinen Willen und so...
Also musste P. ganz schnell etwas Hühnchen besorgen, das geht kurz und schnell gebraten, leckerer Geflügelfond ist ja immer im Haus, dazu die Kräuterseitlinge fein in Butter gebraten und dann... Was jetzt dazu? Mittlerweile war natürlich Arthur schon eingetroffen und und betonte gleich, dass ich doch bloß einen Eintopf hätte machen sollen. Nee is´ klar, so ein Eintopf macht ja gar keine Arbeit! Wenn ich an die ganze Gemüseschnippelei denke, also wirklich...da hätte ich doch lieber eine schöne Daube oder doch was Kleines in 3 Gängen oder so... Interessanterweise bringt er mir eine wunderbares Stück Damwild mit, damit ich mir dann mal wieder Arbeit machen kann, wenn er nicht da ist. Tssss....
Trotz ist eigentlich nicht eine meiner vorherrschenden Eigenschaften, aber wer es einfach will, bitte: Es wurde ein großer Topf Nudeln dazu gekocht und alles kam in einer Riesenschüssel zusammen auf den Tisch. Klar, die Nudeln waren viel zu lang, die bricht Arthur mindestens einmal, die Tante sogar zweimal vor dem Kochen durch, aber geschmeckt hat es Ihnen und uns dann doch.
Nur ein winzigkleines Dessert, das konnte ich mir nicht verkneifen. Eine kleine Schokoladenmousse mit einem Mandarinen-Campari-Sorbet und ein bisschen Bizzel, das musste sein und am Ende wurde mir dafür auch die Absolution erteilt. Es war zu lecker, um zu schimpfen... ;)
Das beste war aber eigentlich, dass wir am nächsten Tag diese leckere Kalbsbrust ganz für uns alleine hatten - sorry, Paps ;)
Das beste war aber eigentlich, dass wir am nächsten Tag diese leckere Kalbsbrust ganz für uns alleine hatten - sorry, Paps ;)
Und es war so viel, dass wir dann zu dritt noch 2 Tage davon gegessen haben. Da kann man mal wieder sehen, wie nervös selbst die coolste Köchin wird, wenn Vater und Tante kommen!
Ich freue mich jetzt schon tierisch auf die Zeit, wenn unsere Tochter ausgezogen ist, wir sie besuchen fahren und zum Beben bringen können, indem wir vorher sagen:
"Aber bitte mach Dir keine Mühe! Nur etwas ganz Einfaches!"
Rezept für die Mousse au Chocolat von Wolfram Siebeck:
Für mich die Beste, ich habe noch keine gegessen, die mir besser geschmeckt hätte.
- 300 g Schokolade (ich nehme immer hälftig 70 und 85 %)
- 600 g Sahne
- 2 Eier
- 6 Eigelb
- 140 g Zucker
- 1 EL Espressopuver zum Aufgießen
- 3 EL Cognac (aktuell durch Osborne ersetzt, war auch lecker)
Die Schokolade in Stücke gebrochen in einem schweren Topf auf schwacher Hitze zum Schmelzen bringen.
Die Sahne steif schlagen und kühl stellen.
Im Wasserbad die Eigelb, die Eier und den Zucker zu einer cremigen, schaumigen Masse rühren.
Ich habe dafür erstmalig die Schlagscheibe des ESGE benutzt und war mit dem Ergebnis sehr zufrieden.
Den Espressokaffe im Cognac auflösen und in die Eicreme geben, die flüssige Schokolade dazugießen und etwas abkühlen lassen. Die Sahne unterziehen und im Kühlschrank fest werden lassen.
Lecker dazu ist, Orangengelee flüssig zu erwärmen und dann kalte Buterstückchen einzuschlagen.
Ich habe ein Sorbet gemacht aus 5 Mandarinen, Läuterzucker aus 40 g Zucker und Wasser und einem guten Schuß Campari. Dazu hatte ich kein Rezept, es war eine Inspiration, ausgelöst durch die leckeren Mandarinen beim Gemüsehändler. Der Campari hat dem Sorbet eine leichte bittere Note gegeben, die perfekt zur Süße der Mousse war. Die Kombi mache ich sicher öfter.
Registriert unter
Dessert|Gebäck,
Fleisch
26.10.09
Ein Leben für ein Leben. Adam Hundesohn
Es gibt Dinge, die fügen sich auf das Wundersamste zusammen. Durch meinen letzten Post vom "jiddischen Schwein" und den daraus resultierenden Fragen und Kommentaren habe ich in den letzten Tagen eine kleine gedankliche Reise in die Vergangenheit gemacht. In meine eigene - Arthur kam seine Tochter besuchen und brachte die Lieblingstante aus Kindertagen mit - und in die vieler unbekannter anderer Menschen.
Eine Reise in die Geschichte des jüdischen Volkes. Und der Frage nach der kollektiven Schuld. Und gibt es vielleicht ein kollektives Gedächtnis? Erinnert sich ein ganzes Volk gleich? Wie gehen kollektive Opfer mit ihrer Erinnerung um und wie die Täter mit ihrer kollektiven Schuld? Schwierige Fragen und interessante Antworten erhalte ich, wenn ich dieses Thema mit meiner 18jährigen Tochter bespreche.
Und als würde der Körper sich dem nachdenklichen Bedrücktsein anschließen wollen, macht er schlapp. Der Hals kratzt, Augen brennen, Ohren schmerzen. Ein paar Tage der Ruhe sollte ich mir gönnen - das sagt er mir deutlich. Zum Lesen zu faul fahre ich in die Videothek um mir vorsorgliche Ablenkung an das Krankenlager der nächsten Tage zu holen.Lustig soll es werden oder mörderisch spannend, so dass alles drumherum vergessen werden kann. Aber es kommt anders - wie an einem unsichtbaren Faden gezogen steuere ich auf ein Regal zu. Dort steht der Film "Ein Leben für ein Leben." "Die Geschichte eines Mannes, der einst ein Hund war und auf einen Hund trifft, der einst ein Junge war", so fasste einmal Barbet Schroder das der Verfilmung zugrunde liegende Buch von Yoram Kaniuk zusammen.
Der Inhalt:
Adam Klein, berühmter und erfolgreicher Zauberer und Varietékünstler im Berlin der 20er Jahre rettet durch seine Komik einen Mann im Publikum, der für diesen Abend seinen Selbstmord beschlossen hatte. Jahre später, Machtergreifung der Nazis, der von Klein gerettete traurige Mann ist mittlerweile Lagerkommandant des Konzentrationslagers, in das Adam Klein mit seiner Frau und seinen zwei Töchtern interniert wird. Der Kommandant erkennt ihn und bietet ihm ein Leben für ein Leben - zu einem hohen menschenverachtenden Preis. Er läßt ihn am Leben aber nur, wenn er an der Seite seines Hundes das Leben eines Hundes führt.
Hinaus darf er einmal, um den Zug in die Gaskammern mit seiner Geige zu begleiten. Dort nimmt er verzweifelten Abschied von seiner Frau und einer seiner Töchter.
So überlebt er körperlich den Holocaust. Der Zuschauer lernt Adam Klein in den 60er Jahren kennen als Patient eines Sanatoriums für Traumageschädigte in der israelischen Wüste. Dort unterhält er voller Traurigkeit die Bewohner, allesamt Überlebende der Konzentrationslager, und pflegt eine animalische Beziehung zu einer der Krankenschwestern, die sich ihm in ritualisierten Beischläfen in der Hundestellung hingibt. Eines Tages wird dort ein Junge eingeliefert, der wie ein Hund gehalten wurde, an der Kette lebt und auf allen vieren läuft. Wie diese zwei Menschen sich buchstäblich aneinander aufrichten und gegenseitig in das Leben zurückholen ist verzweifelt schön anzusehen, auf eine selten berührende Art.
Für die verstörend surrealistischen Bilder sorgt der deutsche Kameramann Sebastian Edschmid, die Musik stammt von Gabriel Yared, den viele als Komponisten von "Das Leben der Anderen kennen". Das Besondere: Der Film ist die erste deutsch-israelische Produktion eines Holocaust-Stoffes.Neben den Hollywoodstars Jeff Goldblum als Adam Stein in der Rolle seines Lebens und William Dafoe als Lagerkommandant spielen in kleinen Rollen Joachim Król, Moritz Bleibtreu und Veronica Ferres.
Unbedingt ansehen!
Rezension von Spiegel-Online
SKIP-Das Kinomagazin
Der Inhalt:
Adam Klein, berühmter und erfolgreicher Zauberer und Varietékünstler im Berlin der 20er Jahre rettet durch seine Komik einen Mann im Publikum, der für diesen Abend seinen Selbstmord beschlossen hatte. Jahre später, Machtergreifung der Nazis, der von Klein gerettete traurige Mann ist mittlerweile Lagerkommandant des Konzentrationslagers, in das Adam Klein mit seiner Frau und seinen zwei Töchtern interniert wird. Der Kommandant erkennt ihn und bietet ihm ein Leben für ein Leben - zu einem hohen menschenverachtenden Preis. Er läßt ihn am Leben aber nur, wenn er an der Seite seines Hundes das Leben eines Hundes führt.
Hinaus darf er einmal, um den Zug in die Gaskammern mit seiner Geige zu begleiten. Dort nimmt er verzweifelten Abschied von seiner Frau und einer seiner Töchter.
So überlebt er körperlich den Holocaust. Der Zuschauer lernt Adam Klein in den 60er Jahren kennen als Patient eines Sanatoriums für Traumageschädigte in der israelischen Wüste. Dort unterhält er voller Traurigkeit die Bewohner, allesamt Überlebende der Konzentrationslager, und pflegt eine animalische Beziehung zu einer der Krankenschwestern, die sich ihm in ritualisierten Beischläfen in der Hundestellung hingibt. Eines Tages wird dort ein Junge eingeliefert, der wie ein Hund gehalten wurde, an der Kette lebt und auf allen vieren läuft. Wie diese zwei Menschen sich buchstäblich aneinander aufrichten und gegenseitig in das Leben zurückholen ist verzweifelt schön anzusehen, auf eine selten berührende Art.
Für die verstörend surrealistischen Bilder sorgt der deutsche Kameramann Sebastian Edschmid, die Musik stammt von Gabriel Yared, den viele als Komponisten von "Das Leben der Anderen kennen". Das Besondere: Der Film ist die erste deutsch-israelische Produktion eines Holocaust-Stoffes.Neben den Hollywoodstars Jeff Goldblum als Adam Stein in der Rolle seines Lebens und William Dafoe als Lagerkommandant spielen in kleinen Rollen Joachim Król, Moritz Bleibtreu und Veronica Ferres.
Unbedingt ansehen!
Rezension von Spiegel-Online
SKIP-Das Kinomagazin
Registriert unter
Kultur + Geschichte,
Musik + Film
21.10.09
Literaturkochen II. - Die Pute, das jiddische Schwein
Das ist heute nicht wirklich ein Beitrag für meine neu geschaffene Rubrik "Literaturkochen", denn, um der Wahrheit die Ehre zu geben - das Essen hatte ich schon gekocht, bevor ich dann die Assoziation zum Gelesenen hatte...aber ich will es Euch natürlich nicht vorenthalten...
Als protestantisch getauft, adventistisch geprägt und bis heute buddhistisch interessiert hatte ich schon früh eine besondere Affinität zum jüdischen Glauben. Zwingend, oder? ;) Ich gehöre zu dem Personenkreis, der die Bibel von der ersten bis zur letzten Seite durchgelesen hat und noch heute jedem Millionärskandidaten in dieser Kategorie als Telefonjoker dienen kann. Dann fiel mir irgendwann ein Buch über die Kabbala in die Hände und es war um mich geschehen. Dies in der Kombination mit dem Buch "Der Medicus" von Noah Gordon und seinem weniger bekannten Vorgänger "Der Diamant des Salomon" legten das Fundament für ein Interesse, das bis heute nicht nachlässt und mich von der gemeinen Belletristik über anspruchsvollere Literatur ("Die Romanleserin") in die ernstzunehmende Recherche geführt hat. Natürlich gehören dazu die interessanten Speisevorschriften des jüdischen Volkes und in meinen adventistischen Teenagerjahren habe ich nicht nur den Verzicht auf Schweinefleisch und alles, was keine gespaltenen Hufe sowie nicht mindestens 7 Mägen hat, kennengelernt sondern war samstags (am Sabbat!) auch noch vom Schulunterricht befreit. So macht man sich mit 13 Jahren keine Freunde!
Ganz besonders aber hat es mir der jüdische Humor angetan. Und natürlich liebe ich Kishon und die "beste Ehefrau von allen", sowie seinen allerbesten Freund Jossele, der ihn regelmäßig beim jüdischen Poker abzieht. Übrigens eine viel spannendere Variante als "Texas hold em"!
Meine erste Begegnung mit jiddischem Humor in Schriftform hatte ich mit dem Buch "Der Flüsterwitz im 3. Reich" ("Heil Hitler!" "Heil Du ihn!"), dann kam viel von Kishon. In Filmform "Zug des Lebens", der im Hype um "Das Leben ist schön" leider untergegangen ist. Dabei zeigt er imho mehr subversiven jiddischen Humor und diesen unglaublichen Überlebenswillen, durchgesetzt mit scheinbar stoischem Gleichmut als der Film von Roberto Benigni. Legitimer Vertreter des modernen jüdischen Humors ist für mich Oliver Polak, ein junger Kabarettist, der mit viel Chuzpe und Witz vom Leben als jüdischer junger Mann in Deutschland berichtet. Dabei ist ihm dieser bittere jüdische Humor zu eigen, den man nur als Angehöriger eines Volkes erhält, welches durch die Jahrtausende verfolgt, ermordet, gequält wurde und gleichzeit als von Gott persönlich auserwählt gilt. Damit muss man erst mal fertig werden. Das schafft Oliver Polak mit Bravour und sorgt dafür, dass dem Leser oder Zuhörer das Lachen regelmäßig im Halse steckenbleibt. Wie Bernd Stelter sagte: "Oliver Polak ist saukomisch, kackfrech und trotzdem lesenswert." Oliver Polak meint dazu: "Ich vergesse die Sache mit dem Holocaust - und Sie verzeihen uns Michel Friedman."
In seinem Buch "Ich darf das, ich bin Jude" erklärt er uns das Leben als Jude in einer christlich orientierten Welt. Auf Seite 162 wird geklärt, warum alle jüdischen Männer beschnitten sind. "Weil eine jüdische Frau nichts anfasst, was nicht um mindestens 20 Prozent reduziert wurde." Und eine andere Episode bringt mich zu meinem heutigen Gericht. Oliver Polak beschreibt, wie er vor der Fleischtheke immer auf die Pute zeigt und ihn der Metzger stets darauf hinweist, dies sei aber Schwein, keine Pute: "Christen sind schon ein komisches Völkchen. Mir doch egal, wie er seine Pute nennt."
בתיאבון - bete'awon!
ordentlich flüssige Rosmarinbutter unter die Haut gepinselt, kam sie bei 180°C in den Ofen, bis die Kerntemperatur von knapp 75°C erreicht war. Dabei habe ich sie ein paarmal mit dem Geflügelfond aus den Suppenhühnern von Daniel begossen und sie ansonsten friedlich schmoren lassen.
Das Fleisch war wunderbar zart und saftig, dazu gab es ein paar Rosmarinkartoffeln und ein "lecker Sößchen" aus dem oben erwähnten Geflügelfond.

Als protestantisch getauft, adventistisch geprägt und bis heute buddhistisch interessiert hatte ich schon früh eine besondere Affinität zum jüdischen Glauben. Zwingend, oder? ;) Ich gehöre zu dem Personenkreis, der die Bibel von der ersten bis zur letzten Seite durchgelesen hat und noch heute jedem Millionärskandidaten in dieser Kategorie als Telefonjoker dienen kann. Dann fiel mir irgendwann ein Buch über die Kabbala in die Hände und es war um mich geschehen. Dies in der Kombination mit dem Buch "Der Medicus" von Noah Gordon und seinem weniger bekannten Vorgänger "Der Diamant des Salomon" legten das Fundament für ein Interesse, das bis heute nicht nachlässt und mich von der gemeinen Belletristik über anspruchsvollere Literatur ("Die Romanleserin") in die ernstzunehmende Recherche geführt hat. Natürlich gehören dazu die interessanten Speisevorschriften des jüdischen Volkes und in meinen adventistischen Teenagerjahren habe ich nicht nur den Verzicht auf Schweinefleisch und alles, was keine gespaltenen Hufe sowie nicht mindestens 7 Mägen hat, kennengelernt sondern war samstags (am Sabbat!) auch noch vom Schulunterricht befreit. So macht man sich mit 13 Jahren keine Freunde!
Ganz besonders aber hat es mir der jüdische Humor angetan. Und natürlich liebe ich Kishon und die "beste Ehefrau von allen", sowie seinen allerbesten Freund Jossele, der ihn regelmäßig beim jüdischen Poker abzieht. Übrigens eine viel spannendere Variante als "Texas hold em"!
Meine erste Begegnung mit jiddischem Humor in Schriftform hatte ich mit dem Buch "Der Flüsterwitz im 3. Reich" ("Heil Hitler!" "Heil Du ihn!"), dann kam viel von Kishon. In Filmform "Zug des Lebens", der im Hype um "Das Leben ist schön" leider untergegangen ist. Dabei zeigt er imho mehr subversiven jiddischen Humor und diesen unglaublichen Überlebenswillen, durchgesetzt mit scheinbar stoischem Gleichmut als der Film von Roberto Benigni. Legitimer Vertreter des modernen jüdischen Humors ist für mich Oliver Polak, ein junger Kabarettist, der mit viel Chuzpe und Witz vom Leben als jüdischer junger Mann in Deutschland berichtet. Dabei ist ihm dieser bittere jüdische Humor zu eigen, den man nur als Angehöriger eines Volkes erhält, welches durch die Jahrtausende verfolgt, ermordet, gequält wurde und gleichzeit als von Gott persönlich auserwählt gilt. Damit muss man erst mal fertig werden. Das schafft Oliver Polak mit Bravour und sorgt dafür, dass dem Leser oder Zuhörer das Lachen regelmäßig im Halse steckenbleibt. Wie Bernd Stelter sagte: "Oliver Polak ist saukomisch, kackfrech und trotzdem lesenswert." Oliver Polak meint dazu: "Ich vergesse die Sache mit dem Holocaust - und Sie verzeihen uns Michel Friedman."
In seinem Buch "Ich darf das, ich bin Jude" erklärt er uns das Leben als Jude in einer christlich orientierten Welt. Auf Seite 162 wird geklärt, warum alle jüdischen Männer beschnitten sind. "Weil eine jüdische Frau nichts anfasst, was nicht um mindestens 20 Prozent reduziert wurde." Und eine andere Episode bringt mich zu meinem heutigen Gericht. Oliver Polak beschreibt, wie er vor der Fleischtheke immer auf die Pute zeigt und ihn der Metzger stets darauf hinweist, dies sei aber Schwein, keine Pute: "Christen sind schon ein komisches Völkchen. Mir doch egal, wie er seine Pute nennt."
בתיאבון - bete'awon!
ordentlich flüssige Rosmarinbutter unter die Haut gepinselt, kam sie bei 180°C in den Ofen, bis die Kerntemperatur von knapp 75°C erreicht war. Dabei habe ich sie ein paarmal mit dem Geflügelfond aus den Suppenhühnern von Daniel begossen und sie ansonsten friedlich schmoren lassen.
Das Fleisch war wunderbar zart und saftig, dazu gab es ein paar Rosmarinkartoffeln und ein "lecker Sößchen" aus dem oben erwähnten Geflügelfond.
Registriert unter
Geflügel,
Literaturkochen
19.10.09
Literaturkochen I. - Tom Ripley, Madame Annette und die Kalbsrouladen
Kaum ein Schurke in der Literatur ist mir näher als Tom Ripley. Vom ungelenken Nichtsnutz zum eloquenten selbstverlieben Mörder - ein langer Weg, der sich über fünf meiner Lieblingsromane von Patrica Highsmith erstreckt. Schon im zweiten Band, in "Ripley Under Ground" hat er sich vornehm zurückgezogen in das (fiktive?) Örtchen Villeperce, ganz in der Nähe von Fontainebleau, dem Hauptort des gleichnamigen Arrondisements, ca. 60 km entfernt von Paris und zeitweiliger Wohnort der Autorin.
Sein Haus, "Belle Ombre", liegt etwas außerhalb an der wenig befahrenen Straße nach Villeperce, hat zwei abgerundete Ecken, Erkerfenster, 2 Etagen und ein großzügiges Grundstück mit einem gepflegten Garten, den Henri, Hüne und Aushilfsgärtner, gemeinsam mit dem Herrn des Hauses in Schuß hält. Die besondere Vorliebe Toms gilt dabei seinen Dahlien, das ist eine unserer Gemeinsamkeiten.
Eine andere ist die Liebe zum Heim, der Stolz auf das Schöne, das er sich gemeisam mit seiner Frau Heloise geschaffen hat. Dazu gehört die Freude an gutem Essen und allzeit ein guter Tropfen im Haus. Tom hat im Gegensatz zu mir einen Weinkeller, ich nur ein kleines Räumchen, aber dafür gibt es bei mir keine Blutflecken auf dem Boden, die vom Schlag auf eines anderen Kopfes mit einer Flasche Merlot herrühren.
Für die Ordnung im Haus und das leckere Essen sorgt Madame Annette, die gute Seele der Ripleys. Sie wohnt mit im Haus, hat einen freien Tag in der Woche und widmet sich sonst ganz dem Wohlbefinden ihrer Herrschaften. Und sie kocht! In jedem der Bücher erwähnt Patrica Highsmith die Hingabe der guten Madame an vorzügliche Zutaten und deren Zubereitung. Aktuell lese ich zum wiederholten Male Band 5 und schon auf Seite 36 gibt es das erste Essen.
Da kam mir der Gedanke, mich den Gerichten in Romanen zu widmen. Gerade denen, die nur beiläufig erwähnt werden ohne genauere Angaben der Zubereitung. Leider habe ich in den Ripley Romanen diese Idee nun erst in Band 5 gehabt, also wird es keine chronologische Angelegenheit, aber das muss es ja auch nicht. In Zukunft werde ich also in loser Reihenfolge Gerichte aus der Literatur nachkochen - wobei ich mir und unseren Nachbarn wohl das "Am-Stück-Wildschweingrillen" der Gallier ersparen werde und beginne mit:
"Ripley Under Water"
Patricia Highsmith
Roman, erschienen im Diogenesverlag,
Leinen mit Umschlag, Seite 36
Das wurde bei mir daraus:Er sah noch einmal zu der halboffenen Terrassentür und ging dann doch daran vorbei in Madame Annettes Reich, die Küche in der linken vorderen Ecke des Hauses. Der Duft einer komplizierten Gemüsesuppe stieg ihm in die Nase.Madame Annette stand in einem blauweiß getüpfelten Kleid und dunkelbauer Schürze am Herd und rührte in einem Topf."Guten Abend, Madame.""M´sieur Tome! Bonsoir.""Und was gibt es heute abend als Hauptgericht?""Oiseuax de veau - aber keine großen, weil es so ein warmer Abend ist, hat Madame gesagt."
Kleine Kalbsrouladen, innen bestrichen mit mildem Rieslingsenf, gefüllt mit einer Scheibe feinem rohen Schinken, Lauchzwiebeln und Pfifferlingen.
Angebraten in Butter, eine viertel Knolle Knoblauch dazu, sowie ein paar Zweige Thymian.
Flambiert mit Cognac, abgelöscht mit Wein und aufgegossen mit dem entfetteten Geflügelfond, den ich hierbei gewonnen habe. Dann schmoren sie ca. 30 Minuten.
Währenddessen schwenke ich Kräuterseitlinge und Pfifferlinge in einer extra Pfanne in Butter sanft an. Die Rouladen wandern kurz in den Ofen zum Nachziehen, in der Zeit siebe ich den Bratensaft, reduziere ihn zur Sauce, verfeinere mit Sahne und montiere eiskalte Butter zum Binden hinein. Die Pilze aus der Pfanne gebe ich mit hinzu und serviere mit sautiertem Spitzkohl.Diesem habe ich eine Prise Natron beigegeben, damit er seine schöne Farbe behält, so konnte ich mir das Blanchieren sparen.
Registriert unter
Blogevents,
Fleisch,
Kultur + Geschichte,
Literaturkochen
17.10.09
Blicke aus dem Küchenfenster...
Eine schöne Idee, Barbara! Wer schaut nicht gerne in anderer Leute Fenster, jetzt gewähren wir mal einen Blick hinaus. Der Tag heute begann so schön mit Sonnenschein, jetzt ist es trübe, über dem Rhein hängen dicke Wolken, sonst kann ich nämlich aus einem der Küchenfenster in den Rheingau sehen.
in der Dämmerung sieht es schonmal so aus...
durch die Tür zum Küchenbalkon sieht man noch unsere "Rubinette", die dieses Jahr nicht geblüht hat und darum keine Äpfel trägt.
Vor 2 Jahren kam sie als Baby-Apfelbaum für € 12,00 vom Bauern fast geschenkt zu uns, um es sich im Kübel auf unserem Küchenbalkon bequem zu machen. Im folgenden Sommer hat sie geblüht wie ´ne Große um dann 86 (!) in Worten: sechsundachtzig! Äpfelchen zu tragen. Dann wurde sie krank, die Blätter verfärbten sich bräunlich, in der Baumschule diagnostizierte man einen Pilz. Als ich denen erzählt habe, wie jung der Baum sei und was er trägt wurde ich erst ungläubig angeschaut. Dann hieß es, das sei kein Wunder, der Baum wäre kraftlos und total überfordert. Also haben wir ihm 30 Äpfel gelassen, der Rest wurde frühzeitig entfernt, sonst wären wahrscheinlich auch die Äste gebrochen. Dieses Jahr hat die Rubinette pausiert und Kräfte gesammelt. Mal schauen, was sie nächstes Jahr so (aus)treibt
...hier wird noch etwas Spätsonne genossen, bevor es in den Winterurlaub geht...
Aber ich bin dafür, das nächstemal einen Blick aus den Wohnzimmern zu machen, da ist es bei uns nämlich schöner ;)
Registriert unter
Blogevents
16.10.09
Gefüllter Freilandhahn mit Maronen
Leider habe ich nicht Elines Bezugsquellen für Geflügel und kann keine Oden darauf schreiben, aber ich habe Daniel und seinen Hühnerhof, und das ist auch schon was! Samstags ist Daniel mit einigen seiner am Vortag geschlachteten Hähnchen auf dem Wochenmarkt und dann muss die Köchin sich eilen, darf nicht verschlafen, sonst bekommt sie keines der Prachtexemplare mehr ab, denn vorbestellt hat sie natürlich nicht.
Zur Zeit gibt es sogar Suppenhühner bei Daniel, 2 davon habe ich für nächste Woche bestellt, das sind dann die Hennen, die uns das ganze letzte Jahr mit ihren leckeren Eiern erfreut haben. Zur Zeit gibt es auf dem Hof die Eier der Junghühner, das Dotter ist 2 g leichter, die Eier sind insgesamt etwas kleiner aber wahnsinnig schmackhaft. P. freut sich, jetzt "Jungfrauenhuhn-Eier" essen zu können und gibt damit im Freundeskreis gerne an. Dass er damit vielfaches Kopfschütteln erntet, nimmt er gerne in Kauf. ;)
Am letzten Samstag hatte ich Glück, ein Hahn war noch da, der brachte auch gleich mal 2,7 kg auf die Waage, also ausreichend für die nächsten 2 Tage.
Diese Masse kam dann ins Hähnchen...
das anschließend gut verschnürt wurde und mit Salz und Pfeffer eingerieben.
Ich habe es kurz in der Pfanne angebraten und dann bei 180°C 2 Stunden und 45 Minuten im Ofen gehabt. Dabei habe ich es immer wieder mit Pilzfond, dem Einweichwasser der Steinpilze und Weißwein begossen.
In der Fettpfanne hatte ich Staudensellerei und Möhren, die am Ende der Bratzeit herausgesiebt und zu einem leckeren Püree verarbeitet wurden.
In einem Teil des dann entfetteten Bratenfond habe ich Maronen glasiert, diese mit altem Balsamico und Honig abgeschmeckt und zum Huhn, dem Püree und der Füllung gereicht. (Das Loch im Hühnerschlegel stammt vom Bratenthermometer)
Für Gäste hätte ich wohl nicht das Püree dazu gemacht, damit mit der Füllung nicht zu viel weiche Konsistenzen auf dem Teller sind, aber geschmacklich war es perfekt. Zwar musste ich mir hinterher am Tisch Klagen anhören, warum es denn keine Rosmarinkartoffeln dazu geben würde (denn die passen ja immer und zu allem *gg*), aber dafür schlich P. den ganzen Abend durch die Wohnung und dachte, es sei schon Weihnachten, ob der herrlichen Düfte.
Registriert unter
Geflügel
14.10.09
Geschmorter Ochsenschwanz– Ochsenschlepp – mit Selleriepüree
Von meiner lieben Freundin P., die bei Cornelia Poletto essen war, bekam ich zum Trost, nicht dabeisein zu können, ein Poletto-Kochbuch geschenkt. Da war ja ganz klar, dass ich in absehbarer Zeit auch etwas daraus zubereiten "müsste". Am besten natürlich für P. wenn sie uns besucht. Aus terminlichen Gründen wird das wohl noch ein wenig dauern, aber zum Glück gibt es ja das Internet und diesen Blog, so dass ich ihr hiermit das folgende Gericht widme. Gleichzeitig ist es mein Beitrag für das Event "Dein Kochbuch, das unbekannte Wesen". Frau Poletto macht ihren Ochsenschwanz mit Senffrüchten. Diese zu bekommen stellte sich in der schon oft erwähnten rheinhessischen Kleinstadt als unmöglich heraus, bis nach Mainz oder Wiesbaden wollte ich für so ein Glas nicht fahren. So passierte, was mir bei Rezepten oft passiert - sie dienen als Inspirationsquelle, als "roter Faden" und ergeben dann anders gekocht ungeahnte köstliche Momente. Oder es geht schief, wie im Fall der Süßkartoffelgnocchis, aber da gab es ja auch von Frau Poletto nur die Inspiration zu Gnocchis, ein "Roter Faden" war da nicht mehr erkennbar... ;) In diesem Falle ist alles gelungen und so gebe ich hier meine Abwandlung wieder:
1,2 kg Ochsenschwanz
1 Flasche trockener Rotwein
600 ml Portwein Ruby
Eine Handvoll frischer Thymian, Rosmarin, 2 Lorbeerblätter
Wurzelgemüse, in Würfel geschnitten
1/2 Knolle Knoblauch
Den zerhackten Ochsenschwanz habe ich vom größten Fett befreit und aus den o. g. Zutaten eine Marinade zubereitet, in der das Fleisch 24 Stunden ruhte. Am nächsten Tag habe ich die Marinade abgesiebt, die Fleischstücke etwas trockengetupft und in einem Bräter unter Zugabe von Tomatenmark kräftig angebraten. Dann mit etwas Mehl abgestäubt und mit der Marinade aufgegossen. So kam alles bei 150°C für 3 Stunden in den Ofen und eine auf den Herd, weil ich den Backofen zur Zubereitung des Selleriepürres brauchte.
Aus den noch warmen Ochsenschwanzstücken wurde das Fleisch herausgelöst, der Schmorsud durch ein feines Sieb gegossen und reduziert. Mit etwas Salz und Pfeffer abgeschmeckt und die Fleischstücke hineingegeben. Statt Senffrüchten in der Sauce gab es bei mir Cranberries, die ausgezeichnet dazu gepasst haben.
Die Beilage Sellereipüree habe ich gemacht, wie von Frau Poletto angegeben:
1 Knolle junger Sellerie in kleine Würfel geschnitten, auf ein mit Alufolie ausgelegtes Backblech gegeben und mit Olivenöl beträufelt, gesalzen und gepfeffert.
Ca. 35 Minuten und 160°C hat es gebraucht, bis die Würfel weich waren. Sie wurden dann mit Butter, Milch und etwas frischer Sahne pürriert und ergaben eines der köstlichsten Selleriepürees, die ich je gegessen habe.
Aus gebratenem Tiroler Schinkenspeck habe ich dem Selleriepüree beim Anrichten nocht ein Segel verpaßt.
Da mir das weingeschwängerte Gemüse aus der Marinade zum Wegschmeißen natürlich viel zu schade war, wurde aus ihm und den tiefgefrorenen Parüren der Ochsenbacken von neulich noch ein intensiver Fond zubereitet.
Also liebe P., es war alles sehr köstlich, danke für Dein Geschenk und wenn Du das nächstemal zu Besuch kommst, koche ich gerne die Wiederholung!
Registriert unter
Cornelia Poletto,
Fleisch,
Ochsenschwanz
13.10.09
Vom Reisen mit der Bahn....
Auf des höchsten Berges Gipfel
Auf des höchsten Berges Gipfel,
Über jeder Tanne Wipfel,
Dort, wo nicht mal Geier kreisen,
Wohin selbst Götter furchtvoll weisen,
Dort, wo selbst der Eisbär friert
Und immer nur der Frost regiert,
Wo seit über tausend Jahren
Schnee und Eis bestimmend waren,
Und es sogar im Sommer kälter
Als in jedem Kühlbehälter,
Steht entgegen meinem Rat
Ein Münzgeldkaffeeautomat.
Denn glaub´ ich kaum, dass viele Kunden
Jemals den Weg dorthin gefunden.
Doch was hilft es jetzt bereuen,
Wer einmal dort ist, wird sich freuen,
Gesetzt den Fall, er hat es klein.
(Der Automat nimmt keinen Schein.)
Jan Kaiser
Gestern auf dem Weg zu einem Geschäftstermin von der rheinhessischen Kleinstadt via Mainz an den Flughafen Frankfurt/M.
Um Nerven und Umwelt zu sparen fahre ich mit dem Zug. Auftritt in der "Bahnhofshalle" *hüstel* der Kleinstadt, mit dem Wunsch eine Fahrkarte nebst ICE Zuschlag ab Mainz zu kaufen. Schwere Vorhänge vor dem Schalterglas. 9.03 Uhr. Ein Schild setzt mich von der Frühstückspause der Schalterbeamten in Kenntnis.
Auf zum Automaten, um schon mal den Fahrschein nach Frankfurt zu kaufen, den Zuschlag benötige ich erst ab Mainz. "Dieser Automat wurde umgerüstet, Zahlung nur noch mit € 5,00 oder € 10,00 Scheinen möglich, sowie Münzgeld". Kein Münzgeld im Portemonnaie, kein Schein kleiner als € 50,00. Die Regionalbahn rollt ein, auch kein Schaffner weit und breit. Herzklopfen, schwarzfahren.
6 Minuten Aufenthalt in Mainz. Das muss reichen für Gleiswechsel und Fahrscheinkauf. Ich stürze die Rolltreppe hoch, schubse die Linksstehenden zur Seite, die dort nichts zu suchen haben, mit suchendem Blick durch die Halle - da! Ein Fahrkartenautomat! ""Dieser Automat wurde umgerüstet, Zahlung nur noch mit € 5,00 oder € 10,00 Scheinen möglich, sowie Münzgeld." In rekordverdächtiger Geschwindigkeit geht es zum Reisezentrum. Hinein gelange ich nicht, die Menschenansammlung für die immerhin zwei geöffneten Schalter ist zu groß. Ich haste zurück an den Informationsschalter, bitte um Wechselgeld für den Automaten. Desinteressiertes Achselzucken, kurzer verbaler Wutausbruch meinerseits. Um mich zu beruhigen, fasst mich ein DB-Bediensteter am Ärmel und zerrt mich zurück in das Reisezentrum, spricht eine Kollegin von schräg über die Abtrennung hinweg am Schalter an und bittet sie um das Wechseln des € 50,00 Scheines. Aber gerne doch, jedoch ist es ihr unmöglich, die Scheine unkonventionell hinüberzureichen, mein Schein zappelt in der Luft, wird ignoriert. "Bitte kommen Sie hintenherum an der Absperrung vorbei an den Schalter." Ich fühle mich schikaniert und hoffe auf die Verspätung meines Zuges. Rase über Koffer, umstürzende Reisetaschen, werfe meinen Schein auf den Tresen, reiße ihr das Wechselgeld aus der Hand, im Eiltempo zurück an den Automaten. Dort steht "Mutti" und studiert die Städteanzeige. Keine Rücksichtnahme mehr! Kurzer Ellenbogenstoß, Verwünschungen ertragend, Städtecode eingegeben - der Automat will meinen € 10,00 Schein nicht. Im dritten Anlauf gelingt es mir einen Fahrschein zu kaufen, wobei mir der Zuschlag immer noch fehlt. Ich rase die Treppe herunter auf das Gleis und springe in Westernmanier in den bereits losrollenden Zug.
Derangiert lasse ich mich in einen Sitz fallen und bestelle bei der Zugbegleitung einen Nachlösezuschlag, die Kraft, mich gegen die Nachlösegebühr zu wehren, fehlt mir. Die Begleiterin ist jung, nett und lustig, ihr mobiles Druckerterminal "frisst" meinen Zuschlag, derweil rollen wir schon im Fernbahnhof des Flughafens ein. Sie lacht, meint, dass sie mich gar nicht gesehen hätte und will meinen Geldschein nicht haben. Ich steige aus, atme tief ein und gehe zu meinem Termin.
2 Stunden später. Geplante Rückreise. Kein Fahrkartenautomat nirgends. Ich fahre zum zweiten mal an diesem Tag schwarz. Im ICE. Vertiefe mich in mein Buch, lasse den Zugbegleiter gemächlich an mir vorbeiziehen, dränge mich nicht auf. Umsteigen in Mainz, 4 Minuten für Gleiswechsel und Fahrkartenkauf wenigstens für das letzte Teilstück, die Regionalbahn wartet schon. 2 Automaten für den Nahverkehr. Einer setzt mich per Schild in Kenntnis: "Dieser Automat wurde..." Der Nachbar ist vom alten Schlag, kann aber mit meinen € 20,00 Scheinen auch nichts anfangen, vielleicht gefallen ihm die Farben nicht, vielleicht sind zuviele Knicke im Schein? Zuwenige wohlmöglich? Mit mittlerweile professionellem Blick registriere ich die Abwensendheit eines möglichen Zugbegleiters und fahre tiefschwarz in die rheinhessische Provinz zurück.
Dort esse ich kraftlos die Reste vom gestrigen Ochsenschwanz, aber vom dem erzähle ich morgen...
Wenn man mich läßt...
Registriert unter
Reise
11.10.09
Vom Missgeschick... Süßkartoffelgnocchis
Das Schnitzel
Ein Mensch, der sich ein Schnitzel briet,
Bemerkte, dass ihm dies mißriet.
Jedoch,da er es selbst gebraten,
Tut er, als wär es ihm geraten,
Und, um sich nicht zu strafen Lügen,
Ißt er´s mit herzlichem Vergnügen.
Eugen Roth
Ich habe es mir geschworen - wenn mal so richtig was daneben geht, dann blogge ich es auch. Und begebe mich mit Euch in die Ursachenforschung. Letztes Jahr sind mir Kürbisgnoccis (nach einem Rezept von Dieter Müller) kolossal daneben gegangen. Zu meinem (und Eurem ;) Glück gab es damals diesen Blog noch nicht)
Also, folgendes Rezept für Gnocchis hatte ich zurhand: (von Cornelia Poletto)
1 kg mehlig kochende Kartoffeln
75 g Kartoffelmehl
150 g Mehl
3 Eigelb
Salz, Pfeffer etc.
Ich hatte ungefähr 950 g Süßkartoffeln, die ich im Ofen in Alufolie gewickelt habe garziehen lassen. Dann ließ ich sie ausdampfen und habe sie durch eine Kartoffelpresse gegeben. Dazu gab ich dann 70 g Stärke, 140 g Mehl und die 3 Eigelbe. Der Teig klebte wie Bolle und war sehr flüssig. So habe ich nach und nach Mehl dazugegeben, auch noch etwas Stärke und weil es am Ende so viel Mehl war, auch nochmal 2 Eigelb. Da war mir aber eigentlich schon klar, dass das nix wird. Der Teig wurde und wurde einfach nicht geschmeidig und formbar.
Am Ende habe ich dann doch einen kleinen Strang gerollt und meine Gnocchis versucht. Habe sie in siedendem Wasser ziehen lassen und dann in einer Pfanne in Salbeibutter geschwenkt. Die war im übrigen wenigstens sehr lecker (klitzekleiner Trost), aber die kann ja auch ein Dreijähriger. - Also die Butter natürlich, nicht die Pfanne. ;) Aber die Gnoccihs waren wie Gummibälle. Völlig ungenießbar! Sie und der Rest des Teiges gingen dann sehr schnell den Weg allen Irdischens...
Jetzt war ich doch kurz davor mir endlich mal ein Raviolibrett und auch eine Nudelmaschine zu kaufen und schon werde ich ausgebremst. Alles was mit Teig zu tun hat, will mir nicht so recht gelingen. Vielleicht bin ich nach den leckeren Maultaschen neulich doch übermütig geworden?
Was habe ich wohl falsch gemacht, ich würde es gerne mal wiederholen und Üben! Üben! Üben!
Registriert unter
Bücherkiste,
Missgeschicke,
Pasta-Basta
09.10.09
Es ist ein Mädchen!
Arthurs Tochter hat Nachwuchs bekommen!
Schon seit langem werde ich immer wieder darauf angesprochen, Restaurantkritiken zu verfassen. Sei es für Stadtmagazine oder im privaten Rahmen. Ich berichte natürlich gerne, auch hier im Blog, allerdings gehen die meisten Berichte dann doch in den Drumherumgeschichtchen unter.
Darum gibt es jetzt als "Spin Off" des ersten Blogs zusätzlich "Arthurs Tochter Geht Aus".
Mit viel Background aus der feinen Gastronomie berichte ich von guten Restaurants und auch den Schlechten. Von schönen Locations, heimeligem Ambiente, durchtafelten Abenden, liebevollen Gastgebern und ihren Gästen. Vom Genuss außer Haus, von der Fischbude bis zum Sternerestaurant - hier kommt jeder mal dran. Dafür bin ich viel zu gerne in lukullischer Mission unterwegs... Dabei ist mir wichtig, dass diese Berichte sich wohltuend vom "Geschwurbel" der professionellen Tester abheben. Alles soll nachvollziehbar sein, mit offenen Kriterien und wenn es dann noch als Anregung für den nächsten Restaurantbesuch dient, freue ich mich besonders!
Dieser Blog wird langsam wachsen und in der Anfangszeit relativ regional sein. Von meinen Auslandsreisen und der laufenden Reservierungsanfrage für das "El Bulli" mal abgesehen. ;) Daher würde ich mich sehr über Eure Anregungen freuen, was findet Ihr gut, was kann besser sein, sind die Kriterien offensichtlich? Sind die Bewertungen nachvollziehbar für jemanden, der die Location nicht kennt? Auf welche Informationen legt Ihr Wert? Was ist vielleicht überflüssig?
Ein paar Berichte sind jetzt online, ich möchte so pro Woche zwischen 3 und 5 neue Restaurants oder Hotels einstellen. Bevor ich das mache, würde ich mich sehr über Euer feedback freuen! Einfach als Kommentar hinterlassen oder an arthurstochter@gmail.com senden.
Ein paar Berichte sind jetzt online, ich möchte so pro Woche zwischen 3 und 5 neue Restaurants oder Hotels einstellen. Bevor ich das mache, würde ich mich sehr über Euer feedback freuen! Einfach als Kommentar hinterlassen oder an arthurstochter@gmail.com senden.
Und vielleicht dient "Arthurs Tochter Geht Aus" irgendwann vielen netten Menschen als Entscheidungshilfe und sorgt dafür, dass wir alle besser und netter essen gehen können. Die Berichte leite ich natürlich an das besprochene Restaurant weiter. Sollte es von dort eine Reaktion geben, in welcher Form auch immer, werde ich diese natürlich ebenfalls veröffentlichen.
Ganz vielen lieben Dank für Eure Unterstützung!
Registriert unter
in eigener Sache,
Sonstige Genüsse
Die Reise geht weiter... nach Westkapelle, NL
Aktualisierung meines gestrigen Berichtes:
Leider hat der Rechteinhaber der zusammengetragenen historischen Daten und Fakten über Westkapelle sein zuvor erteiltes Einverständnis zur Veröffentlichung nun doch zurückgezogen. Er wollte dann doch nur lediglich Verlinkungen auf seine eigene Seite ohne großen Text von mir. Aus diesem Grund habe ich den gestern erschienenen Artikel gelöscht und werde ihn zu gegebener Zeit überarbeitet einstellen.
Wer vorab Bilder oder Informationen zum Ort möchte, sendet mir einfach eine mail.
Leider hat der Rechteinhaber der zusammengetragenen historischen Daten und Fakten über Westkapelle sein zuvor erteiltes Einverständnis zur Veröffentlichung nun doch zurückgezogen. Er wollte dann doch nur lediglich Verlinkungen auf seine eigene Seite ohne großen Text von mir. Aus diesem Grund habe ich den gestern erschienenen Artikel gelöscht und werde ihn zu gegebener Zeit überarbeitet einstellen.
Wer vorab Bilder oder Informationen zum Ort möchte, sendet mir einfach eine mail.
Registriert unter
Kultur + Geschichte,
Reise
06.10.09
Die Lust auf das Einfache...
In den letzten Tagen wurde ich mitsamt meiner Gefühls- und Geschmackswelt ordentlich durcheinander gewirbelt. Kennt Ihr das auch, in ein paar Tagen so viel zu erleben, zu essen und zu trinken, dass man damit locker einen ganzen Monat rumbringen könnte?
Angefangen hat alles mit einer Einladung bei lieben Freunden am Dienstag, wo wir nicht nur mit feinstem Essen sondern auch mit gutem Wein verwöhnt wurden.
Danke Euch Beiden, für diesen schönen Abend, den
Ihr uns bereitet habt!
Dann kam 2 Tage später der 70. Geburtstag meines Vaters. Natürlich dem Rahmen angemessen mit feinstem Essen, leckerem Wein und schönem Ambiente. Dazu die ganze Familie und viele Freunde - das kann schön, aber auch anstrengend sein. War es dann auch. Schön vor alledem! Was ist wohl mit dem Vorspeisen-, dem Käse- und dem Dessertbuffet passiert? Wahrscheinlich essen davon noch immer mindestens 100 andere Leute. Jedenfalls war es für schätzungsweise 200 Personen ausgelegt. Aber die kluge Tochter baut vor und trägt ein Wickelkleid von Frau Fürstenberg. Das kann man im Mustermix ruhig ein bisschen weiten, ohne aufzufallen.
Freitagabend habe ich dann mal wieder selber gekocht - ein gutes Kilo Wadl mit viel Rotwein und Pfifferlingen, 5 Stunden geschmort. Die Nacht von Freitag auf Samstag dann voller Trauer. Eine Flasche Chateau Brun dabei als Meditationswein für mich, P. klammerte sich an den Grauen Burgunder vom Weingut Mett. Schweigsam, in Gedanken versunken, die immer gleiche Musik hörend...
Samstagnachmittag waren wir Gäste der Allgemeinen Zeitung Mainz, und als solche konnten wir von der VIP-Tribüne im Bruchwegstadion zusehen, wie die Mainzer den Hoffenheimern mal gezeigt haben, wo der Hammer hängt. Zum Glück war das Catering diesmal noch schlechter als sonst und die Weine sind auch alle von Pieroth, so dass trotz des übergroßen Angebotes eine lukullische Pause nicht schwer fiel. Am Abend dann wieder eine Einlandung von lieben Freunden. Selbstverständlich haben wir ja auch nur solche!
Da versprach M. nur Kleinigkeiten zu machen, nix Dolles, da ist sie so wie ich, ich hätte gewarnt sein müssen. Der Tisch bog sich unter der Last von so vielen Kleinigkeiten, dass ich traurig war, kein Wickelkleid zu tragen. Veilleicht wenn ich da mal den Hosenknopf... Dazu tranken wir aus neuen Weingläsern (es war eine Eintrinkparty) Weissburgunder von Kruger-Rumpf, einen Chardonny aus dem Barrique, zum Abschluß einen kindsgemörderten Brunello, sowie den "zwo" von Trenz, einer Cuvee aus Merlot, Cab.Sauv. und Shiraz, die der Winzer aus Johannisberg in Stellenbosch produziert. Und das alles zu viert. Vobei ich fairerweise zugeben muss, dass die Männer auch noch Bier getrunken haben.
Da ist einem doch irgendwann mal wieder nach etwas ganz einfachem.Bitte kein großes Essen, bloß keinen tollen Wein - am besten mal wieder überhaupt keinen, was macht man da? Ein sogenanntes "Arme Leute Essen". Vorbeugend sozusagen. Das musste jetzt mal sein, sonst nagen nämlich unser Freundeskreis und auch wir selbst bald am Hungertuch...
Pellkartoffeln mit Quark!
Und dazu gab es dann tatsächlich mal ein Bier!
Registriert unter
Vegetarisch,
Wein
03.10.09
Nothing else matters...
So close, no matter how far
Couldn't be much more from the heart
Forever trusting who we are
and nothing else matters
Never opened myself this way
Life is ours, we live it our way
All these words I don't just say
and nothing else matters
Trust I seek and I find in you
Every day for us something new
Open mind for a different view
and nothing else matters
never cared for what they do
never cared for what they know
but I know
So close, no matter how far
Couldn't be much more from the heart
Forever trusting who we are
and nothing else matters
never cared for what they do
never cared for what they know
but I know
Never opened myself this way
Life is ours, we live it our way
All these words I don't just say
Trust I seek and I find in you
Every day for us, something new
Open mind for a different view
and nothing else matters
never cared for what they say
never cared for games they play
never cared for what they do
never cared for what they know
and I know
So close, no matter how far
Couldn't be much more from the heart
Forever trusting who we are
No, nothing else matters
Du lieber Freund!
Heute ist der Tag, an dem Du uns schon ein Jahr lang fehlst. Hast Dich selbst aus dem Leben gerissen, mit Gewalt herausgenommen aus dem, was Dich so sehr quälte.
Wir sind zurück geblieben in unserer Trauer und klammern uns seitdem schlecht und recht aneinander.
Bei dem Gang durch die Reben von M. sieht man Dein Werk, überall die Hölzer, die Du noch in den Boden gerammt hast mit all Deiner Kraft. Die Trauben, die Du gelesen, in die Hand genommen und ausgwählt hast, für die Weine, die wir dann zusammen tranken.
Und das sind diese Abende, die unauslöschlich bleiben werden. Wie Du da gesessen bist, bei uns an der langen Tafel, Blitzen im Auge, Schalk im Nacken und immer versucht hast, Dir nicht anmerken zu lassen, wie schlecht es Dir ging. Hast Du ein wenig Familie gesucht und gefunden bei uns? Das wünschen wir Dir so sehr. Dir ein paar kostbare Momente des Friedens und des Luftholenkönnens von der Qual des Alltags gegeben zu haben. Wir haben uns so sehr gefreut, wenn Du uns besucht hast, das beste Essen, der schmackhafteste Wein, den klarsten Kopf bereithalten für Dich, Deine verqueren Gedanken, die kontroversen Gespräche.
Nein, einfach war es nie mit Dir! Du hast uns gefordert - mehr als Dich selbst. Oft warst Du so aufbrausend, dass wir uns gequält zurückgehalten haben, um Dir nicht verbal rechts und links eins um die Ohren zu geben. aber auch das muß man dürfen - als Freunde. Weißt Du noch, wie Du über ein Jahr nicht mit mir geredet hast, weil ich bezüglich des Publikums eines Weinfestes anderer Ansicht war als Du? Du konntest so ein Arschloch sein! Das hat mich traurig aber nicht hoffnungslos gemacht. Ich hoffte immer, Du findest den Weg zurück zu den Menschen, die Dich lieben. Dann kam N., die Frau, die Dich Jahre begleitet und auch gehalten hat. Aber die Kraft aller Menschen auf dieser Welt wäre niemals genug für Dich gewesen, wie hätte sie alleine Dich tragen können?
Heute weiß ich, dass Du viele Stationen der Kraftsammlung hattest. Deine Eltern und Dein Bruder - natürlich. S., die Dir zur Seite stand in vielen dunklen Momenten, M. bei dem Du Dich im Weinberg austoben konntest, I. und ihre Mutter, die für Dich da waren, J., der uns allen letztendlich gezeigt hat, dass man manchmal nur die richtige Frau braucht, N., die all das für Dich sein wollte und Dir ihre unendliche Kraft und Liebe gab.
Viele, viele Ungenannte, Trauernde mehr.
Viele, viele Ungenannte, Trauernde mehr.
Und manchmal vielleicht auch wir.
Du, unser Freund.
Du kamst zu uns, wenn das Leben Dich beutelte, zwischen zwei Partys und einem Goa-Date schautest Du herein, kurz bevor Du den Glauben verloren hattest an die Liebe, das Gute und die Zuversicht. Dann warst Du gut gelaunt, aufgedreht von Rauschmitteln und des herbeigeträumten zukünftigen Erfolges der schon eine Luftnummer war, als Du von ihm berichtetest.
Aber wir haben mit Dir geträumt, mit Dir zum Besten gehofft. Da wussten wir noch nicht, wie schlecht es Dir wirklich ging. Hast Du es uns jemals wissen lassen? Das ist es, was uns nicht schlafen lässt, hätten wir es wissen können?
Müssen?
Heute vor einem Jahr rief N. uns an, berichtete davon, dass Du gefunden wurdest.
Unsere kleine Welt blieb stehen in diesem Moment. Dieses Gefühl vergesse ich nie. Das Hinabgleiten auf den Boden, den Telefonhörer aus der Hand zu verlieren,
Sprachlosigkeit,
Trauer,
unendliches Weinen.
Unglauben!
Was nicht darf, auch nicht sein kann!
Sprachlosigkeit,
Trauer,
unendliches Weinen.
Unglauben!
Was nicht darf, auch nicht sein kann!
Der Abschied von Dir, von dem ich zuerst glaubte, dass ich ihn nicht überstehe.
Da hast Du gelegen, in diesem kahlen Raum, aufgebahrt, noch viel schmaler, als ich Dich kannte.
Einsam.
Allein.
Friedlich?
Ich hoffe es sehr. Das ist es, was uns Kraft gibt. Dass Du Deinen eigenen Weg gegangen bist, so schwer er auch war, bis zum bitteren Ende. Hast Du mir eben zugezwinkert? War das ein "Scheiß auf die Anderen!"? Ein Hauch von "good bye", als ich ging? Ein Kleines "mach ihn rund, Alter", als P. bei Dir war? Hast Du geahnt, dass die Republikaner es nicht schaffen würden? Bush ist weg, mein Freund, mit all seinen Falken. Wird Dir Obama gefallen? Am 4. November werden ihn die Amerikaner zu ihrem 44. Präsidenten wählen. Komm, tritt sie in den Arsch, die Bushs, Palins und McCains - bald sind sie weg vom Fenster. Vielleicht wird die Welt ein wenig friedlicher, so wie Du es Dir immer gewünscht hast.
Komm, gib es zu, bei "Mad world" in dieser unglaublich schlechten traurigen Begräbnisversion wärest Du am liebsten aus dem Sarg gesprungen. Dieser Song, den Du so geliebt hast, in der Version des Films "Donnie Darko", der all Deine eigene Zwiespältigkeit verkörperte, wurde "Dir zu Ehren" so verhunzt, dass wir alle nicht wussten, ob wir lachen oder weinen sollten.
It´s a mad world, mein geliebter Freund. Sie wurde noch verrückter ohne Dich und weniger schön.
Du fehltst.
So über alle Maßen!
So über alle Maßen!
Im Gespräch, im Streit, in der Freude und im Glück.
Und so erhebe ich mein Glas auf Dich! Trinke mit Dir auf das Leben, wie Du es Dir gewünscht hast. Und jetzt hör auf zu schwätzen, Alter, der Jahrgang ist egal, die Rebsorte, scheiss doch drauf, ich weiß, der Michel wollte dies und das, der Laurent war letztes Jahr besser, der Sauvignon braucht noch, aber das hier - das ist nur für Dich, mein lieber Freund.
Nothing else matters...
Registriert unter
Nachrufe
02.10.09
Wenn Eine eine Reise tut...die Fortsetzung
Teil 2 - Middelburg, Zeeland, NL
Da ist der normale Familienurlauber ja ganz anders. Der ist so begeistert von der Umgebung, dass er lediglich auf die Weiterreise nach Maastrich und Antwerpen verzichtet und beschließt, sich dort ein anderes Mal den Bauch vollzuschlagen. Und so wird das Hotelzimmer noch ein paar Tage verlängert und die Umgebung erkundet.
Heute geht´s nach Middelburg.
Die Hauptstadt Zeelands mit ca. 42.000 Einwohnern war während des Goldenen Zeitalters im 17. Jahrhundert die reichtste Stadt der Niederlande. Ihre Einnahmequellen in dieser Zeit waren in der Hauptsache Handel auf der Ostsee, Sklavenhandel, Kaperfahrten und Piraterie.
Mit dieser Stadt fühle ich mich auf Anhieb verbunden als ich erfahre, dass sie bereits 1508 der einzige Umschlagplatz für Wein in den ganzen Niederlanden war, ihr offizielles Geburtsjahr war schon 1217, da verliehen Graf Willem I von Holland und Johanna von Flandern ihr die Stadtrechte. Middelburg lag günstig an der Scheldemündung und somit am Knotenpunkt großer Handelswege. Dadurch diente sie als Vorhafen für die Seeschiffe, die aufgrund ihrer Größe die Städte Antwerpen, Bergon op Zoom und Brügge nur schwer erreichen konnten. 1405 bekam Middelburg das sogenannte Stapelrecht, was bedeutete, dass alle Waren, die in der Westerschelde eingeführt werden sollten, in Middelburg gelöscht werden mussten. Dazu gehörten Wolle aus England, Tuch aus Flandern und eben Wein aus Frankreich.
Wie schon in meiner Geschichte vom Gin berichtet, unterdrückte ab 1555 Philipp von Spanien die Niederlande barbarisch. Um ihre Vormachtsstellung als Handelsmetropole nicht zu riskieren, leisteten die Middelburger keinen Widerstand gegen die Besetzung und erzürnten damit die prinzgetreuen Geusen. Diese eroberten 1572 die Provinzen Holland und Zeeland. Nach schlimmer Belagerung und dem Verzehr sämtlicher Haustiere kapitulierte der spanische Befehlshaber Mondragon am 23. Februar 1574, womit viele der Privilegien Middelburgs verloren gingen.
Eines der dunkelsten Kapitel in der Geschichte Middelburgs begann am 17. Mai 1940 durch die Bombadierung der Deutschen, da Zeeland sich dem Hitler-Regime noch nicht ergeben hatte. Mehr als 600 Häuser gingen in Flammen auf, prachtvolle historische Bauwerke wie die Abtei, das Rathaus und das Haus der ostindischen Kompanie brannten nieder. Vier Jahre später gab das Bombardement der Alliierten der geschundenen Stadt endgültig den Rest. Aber bald nach dem Krieg begann der Aufbau, Vieles wurde restauriert, das aktuell wieder lückenlose, historisch wirkende Stadtbild basiert auf einer großflächig geplanten Rekonstruktion in den Nachkriegsjahren. Mit über 1100 Denkmälern gehört Middelburg heute wieder zu den schönsten Städten in Holland.
Vieles davon kann man auf einer Grachtenrundfahrt sehen. Dabei heißt es den Kopf einziehen, denn einige der Brücken sind so niedrig, dass die flachen Boote sonst nicht darunter herfahren können.
Es waren einmal
zwei Ameisen
die wollten nach Australien reisen
doch bei Altona auf der Chaussee
da taten ihnen die Beinchen weh
und so verzichteten sie weise
auf den letzten Teil der Reise.
Joachim Ringelnatz
Da ist der normale Familienurlauber ja ganz anders. Der ist so begeistert von der Umgebung, dass er lediglich auf die Weiterreise nach Maastrich und Antwerpen verzichtet und beschließt, sich dort ein anderes Mal den Bauch vollzuschlagen. Und so wird das Hotelzimmer noch ein paar Tage verlängert und die Umgebung erkundet.
Heute geht´s nach Middelburg.
Die Hauptstadt Zeelands mit ca. 42.000 Einwohnern war während des Goldenen Zeitalters im 17. Jahrhundert die reichtste Stadt der Niederlande. Ihre Einnahmequellen in dieser Zeit waren in der Hauptsache Handel auf der Ostsee, Sklavenhandel, Kaperfahrten und Piraterie.
Mit dieser Stadt fühle ich mich auf Anhieb verbunden als ich erfahre, dass sie bereits 1508 der einzige Umschlagplatz für Wein in den ganzen Niederlanden war, ihr offizielles Geburtsjahr war schon 1217, da verliehen Graf Willem I von Holland und Johanna von Flandern ihr die Stadtrechte. Middelburg lag günstig an der Scheldemündung und somit am Knotenpunkt großer Handelswege. Dadurch diente sie als Vorhafen für die Seeschiffe, die aufgrund ihrer Größe die Städte Antwerpen, Bergon op Zoom und Brügge nur schwer erreichen konnten. 1405 bekam Middelburg das sogenannte Stapelrecht, was bedeutete, dass alle Waren, die in der Westerschelde eingeführt werden sollten, in Middelburg gelöscht werden mussten. Dazu gehörten Wolle aus England, Tuch aus Flandern und eben Wein aus Frankreich.
Wie schon in meiner Geschichte vom Gin berichtet, unterdrückte ab 1555 Philipp von Spanien die Niederlande barbarisch. Um ihre Vormachtsstellung als Handelsmetropole nicht zu riskieren, leisteten die Middelburger keinen Widerstand gegen die Besetzung und erzürnten damit die prinzgetreuen Geusen. Diese eroberten 1572 die Provinzen Holland und Zeeland. Nach schlimmer Belagerung und dem Verzehr sämtlicher Haustiere kapitulierte der spanische Befehlshaber Mondragon am 23. Februar 1574, womit viele der Privilegien Middelburgs verloren gingen.
Eines der dunkelsten Kapitel in der Geschichte Middelburgs begann am 17. Mai 1940 durch die Bombadierung der Deutschen, da Zeeland sich dem Hitler-Regime noch nicht ergeben hatte. Mehr als 600 Häuser gingen in Flammen auf, prachtvolle historische Bauwerke wie die Abtei, das Rathaus und das Haus der ostindischen Kompanie brannten nieder. Vier Jahre später gab das Bombardement der Alliierten der geschundenen Stadt endgültig den Rest. Aber bald nach dem Krieg begann der Aufbau, Vieles wurde restauriert, das aktuell wieder lückenlose, historisch wirkende Stadtbild basiert auf einer großflächig geplanten Rekonstruktion in den Nachkriegsjahren. Mit über 1100 Denkmälern gehört Middelburg heute wieder zu den schönsten Städten in Holland.
Vieles davon kann man auf einer Grachtenrundfahrt sehen. Dabei heißt es den Kopf einziehen, denn einige der Brücken sind so niedrig, dass die flachen Boote sonst nicht darunter herfahren können.
Das tut aber dem Spaß keinen Abbruch, ganz im Gegenteil...
Potemkinsche Dörfer in Holland!
Auf dem unteren Bild erkennt man, wie die Fassade künstlich verbreitert wurde. Der Giebel läuft durch das Zimmer in der Mitte, der Raum rechts ist ein Fake, inklusive des aufgemalten Bettgestelles.
Leben auf dem Wasser - ganz normal in Middelburg
Die Luxusvariante...
Hippie-Style - inklusive des rosa lackierten Bettgestelles zum Träumen unterm Sternenhimmel
Die Gasse an diesem Haus ist so schmal - nur 80 cm breit - in ihr lernen die Middelburger Kinder Fahrradfahren, da sie nicht umfallen können...(sagt die Legende *g*) Dafür ist die Tür am Haus mal wieder ein Fake, sie wurde beim Bau einfach vergessen (zuviel Genever?), so dass die Bewohner bis heute die Tür des Hauses rechts davon mitbenutzen!
Auf den zweiten Blick erkennt man an den Giebeln, dass das Haus in der Mitte wirklich eines ist - das schmalste Haus von Middelburg hat gerade ein Außenmaß von 1,80 m, innen sind es ca. 1,60 m. Alle Räume liegen hinter- und übereinander.
Ein bisschen nachdenklich verlasse ich diese schöne Stadt. Das ist das Schwierige in Holland, dass einem bei jedem Schritt und Tritt Dekaden in der unrühmlichen Geschichte des eigenen Landes begegnen. Besonders bedrückend wurde uns das am nächsten Tag in Westkapelle vorgeführt - aber davon ein anderes Mal mehr.
To be continued...
Registriert unter
Kultur + Geschichte,
Reise
Abonnieren
Posts (Atom)




