27.12.09

Kleiner Kochkurs für meine Schwester - Gefüllte Auberginen

Irgendwann vor vielen Jahren wurde meine Schwester zur fischessenden Vegetarierin. Zu dieser Zeit bereitete ich für sie das erstemal "Gefüllte Auberginen" zu, ein Rezept, das ich in einem Magazin gelesen hatte und dann aus der Erinnerung  nachkochte.

K. hat sich über diesen Beitrag sehr gefreut, weil sie die von ihr und ihrem Mann so geliebten Auberginen nachkochen wollte, Das hat sie getan und es ist ihr katastrophal danebengegangen. Natürlich lag das an mir, denn ich hatte ja in der Beschreibung keine Mengenangaben gemacht, tsssss.  Sie hat sich damit auch noch ordentlich vor ihrem Mann blamiert, der eigentlich gar keine Auberginen mag, es sei denn, dass ich sie koche!
Um die aufgebrachten Gemüter wieder zu beruhigen, habe ich ihm zu Weihnachten früh morgens als Geschenk eine gefüllte Aubergine zubereitet, aus den Bildern einen Film erstellt, den wiederum ihr auf cd gebrannt und in der Hoffnung geschenkt, dass beim nächsten Nachkochen nichts mehr schief gehe werde.
Den Film könnt Ihr Euch hier ansehen, vielleicht ist ja noch jemand an einer genauen Anleitung interessiert! ;))
Ich bin ganz stolz darauf, da ich es sogar geschafft habe, Musik darunter zu legen und überhaupt habe ich sowas zuvor noch nie gemacht! Und das alles morgens, eine spontan umgesetzte Idee, kurz bevor wir zum weihnachtlichen Familientreffen aus dem Haus gegangen sind!
Also, schmeißt die Boxen an, die Musik ist cool, der Film ist heiß  und beide Geschenke wurden begeistert aufgenommen!
Bin schon ganz gespannt, wie es Euch gefällt!

23.12.09

Die letzte Tat im Advent: Hähnchenbrust mit Aprikosen und Pistaziencouscous


Es ist der Tag vor Heilig Abend und ich bin wirklich komplett fertig. Alles ist eingekauft, der Baum steht schon im Wohnzimmer und darf die Zweige strecken, die ganze Wohnung duftet nach Tanne, die Wohnung ist ein weihnachtliches Kerzenmeer, jeden Abend gibts einen anderen besonderen Rotwein - kurz gesagt, es ist so richtig schön weihnachtlich gemütlich bei uns. Nur eines zerreißt immer wieder die Stille. Dieses schmatzende Geräusch des Gummis an der Kühlschranktür. Die Kälte, die in die Wohnung zieht, weil P. dort immer wieder vor dem geöffnenten Kühlschrank steht und konsterniert fragt: "Hast Du wirklich alles? Ist noch so leer hier. Das ist ja gar kein richtiger Weihnachtskühlschrank". Ich erkläre dann geduldig zum  wiederholten Male, dass wir doch an den Feiertagen immer eingeladen sind, dass ich praktischerweise nur für unser Raclette am Hl. Abend und für die Frühstücke an den Feiertagen einkaufen musste. Dann kommt ein enttäuschtes hingeseufztes "achso", bis die Tür von neuem aufgeht. Es könnte ja vielleicht etwas dazu gekommen sein. Und das Schmatzen habe ich auch nur irrtümlich dem Gummi zugerechnet, das ist ER!

Von einem "großen" Geschenk zu Weihnachten weiß ich schon, wir haben uns gemeinsam eine neue technische Spielerei zugelegt, die bereits vor 2 Wochen geliefert wurde, aber gespannt bin ich trotzdem noch, weil ich mir seit Monaten, (seit Eline in ihrem Blog dieses Buch vorgestellt hat) dieses hier wünsche: "Kulinarisches Arabien" von Florian Harms. Und vielleicht liegt es ja morgen unter dem Tannenbaum. Schon lange möchte ich mich intensiver mit der arabischen Küche beschäftigen und als dann Tobias zum 3. mediterranen Kochevent mit dem Thema "Libanon" aufrief, war das mal wieder ein schöner Anstoß. Und somit habe ich es dann hiermit das erste mal getan, habe sozusagen meine Blogger-Unschuld verloren und erstmalig wirklich für ein Blogevent gekocht:

Das Rezept dazu bekam ich von "bushcook", einer sehr lieben Bekannten aus dem Chefkoch, die ich beim MOK-Workshop kennengelernt habe.Ich schreibe es im Original hier rein und in Klammern meine Abwandlungen für 3 Personen:
  • 400 ml Orangensaft
  • 1/2 TL Zimtpulver (1 Zimtstange)
  • 1 Msp. Cayennepfeffer (ein paar Umdrehungen aus der Chilimühle)
  • 1-2 Msp. Paprikapulver edelsüß (kommt mir nicht ins Haus, Paprika scharf)
  • 100 g getrocknete Aprikosen (200)
  • 1 großes Hähnchenbrustfilet (3 mittelgroße je ca. 200 g)
  • Salz, 3,5 EL Olivenöl (Was ist das bloß für eine Angabe? Öl, soviel ich brauche)
  • 4 Stängel Koriandergrün (einige mehr)
  • 50 g Pistazienkerne (60. 80 oder 100 wären noch besser gewesen)
  • 1 kleiner Zweig Rosmarin (nu mal nicht so knickerig, 2!)
  • 1,5 Tl grüner getrockneter Pfeffer
  • 1 Frühlingszwiebel (3)
  • 100 g mittelfeiner Couscous instant (150 g Couscous normal)
  • 1/4 Tl Kurkumapulver (1/2 TL Safranfäden)
  • 150 ml Hühnerbrühe
Orangensaft erwärmen, mit Zimt, Cayennepfeffer und Paprikapulver würzen, Aprikosen darin 2 - 3 Std. einweichen. Im Sieb abtropfen lassen und vorsichtig ausdrücken. Den Saft auffangen. Den Ofen auf 180°C heizen. (Ich hatte Softaprikosen, die nach 1,5 Stunden schon wunderbar weich waren)
In die kurze Seite der Filets eine Tasche schneiden, von außen und innen salzen (und pfeffern)
Die Hälfte der Aprikosen einfüllen. Die Filets in einer Pfanne anbraten und im Backofen weitere 12 - 15 Minuten weitergaren.
Ich hab´ da mal was vorbereitet:
Kräuter abspülen und trockenschütteln. Die Korianderblättchen abzupfen, die Rosmarinnadeln fein hacken. Grünen Pfeffer im Mörser zerstoßen. Frühlingszwiebeln waschen und das Weiße sehr klein hacken, das Grüne in feine Ringe schneiden. 30 g Pistazien fein mahlen, den Rest hacken.

Aufgefangenen Orangensaft erhitzen. Restliche Aprikosen zugeben und pürieren. Mit Rosmarin und 2 Dritteln des grünen Pfeffers würzen. Einreduzieren. (nach dem Pürieren die Sauce durch ein feines Sieb streichen. Eventuell mit etwas Hühnerbrühe verlängern, damit sie nicht zu fruchtig wird. Salzen)

Couscous mit Kurkuma, den gemahlenen Pistazien, restlichem grünem Pfeffer und 1 El Öl mischen. Zwiebelweiß in der Pfanne in Öl kurz andünsten, dazugeben. Heiße Brühe angießen und den Couscous quellen lassen. (Safran in etwas Brühe aufrühren und dazugeben) Die gehackten Pistazienkerne und die Hälfte des Zwiebelgrüns dazugeben. (Mir wäre die ganze Menge zuviel gewesen)
Hier sieht man die Füllung noch ein wenig besser,
So wurde angerichtet.

Wer die Kombination von Schärfe (ich habe viel Chili verwendet) und Frucht mag, den exotischen Geschmack des Pistazien-Couscous schätzt, für den ist das ein herrliches Gericht. Ich würde auf jeden Fall darauf achten, dass die Sauce kräftig und nicht zu aprikosig schmeckt, daher habe ich sie sehr kräftig abgeschmeckt.

21.12.09

Reste, Reste, Reste. Wie das Couscous bis zur Pasta kam


1. Rest: Putenkeule mit Couscous und gebratenen Zucchini
Ich hatte ja schon angedeutet, dass ich am Freitag wieder etwas aus der Reihe geschlagen bin. Zu meiner Entschuldigung muss ich sagen - ich konnte gar nichts dafür! Ehrlich! :)
Aber nun hatte ich doch von gestern tatsächlich noch Zucchini über, da ich für die Röllchen nur den längeren Innenteil verwendet habe. Die Abschnitte waren also noch da und harrten weiterer Verwendung. Jetzt ist es aber so, dass ich Zucchini eigentlich für das langweiligste Gemüse der Welt halte. Mit ihren 93 % Wassergehalt gehen sie so verschwenderisch um, dass ihr Geschmack meistens auf der Strecke bleibt. Daher werden sie wohl auch so gerne gefüllt oder mit andern Gemüsesorten gemischt. Aber wenn man sie knackig lässt und kräftig abschmeckt, manchmal auch in den Salat schnippelt oder aber mit asiatischen Komponenten zubereitet, dann können sie  mir schon gefallen.
Allerdings hatte ich nicht nur Zucchini sondern auch noch die Reste des Couscous am Hals im Haus. Und da hatte ich doch wieder ein schlüssiges Argument für ein geschmortes Stück Fleisch mit afrikanischem Einschlag. Diese Art der Würzung mag ich bei Zucchini nämlich auch sehr gerne. Also besorgte ich mir 2 kleine Putenoberkeulen, die von mir mit einer Harissa-Mischung aus der Mühle kräftig eingerieben wurden. Und da entdeckte ich im Kühlschrank doch tatsächlich auch noch Coppa von meinem Rotbarsch auf Wirsing. Davon wurden den Keulen ein paar Scheiben unter die Haut geschoben. Derart versehen wurden sie knusprig angebraten und kamen mit Grauburgunder angegossen in den Ofen.

angerichtet wurden sie mit Couscous und kräftig abgeschmeckten Zucchinistücken.
 

2. Rest: Tagliatelle mit Putenfleisch
Am nächsten Tag  war natürlich noch Putenfleisch übrig. Ich warte schon so lange auf den Tag, an dem hier mal alles aufgegessen wird! Aber wehe, es ist mal scheinbar zu wenig, Ihr könnt Euch nicht vorstellen, was für Gesichter dann am Tische gezogen werden. Wie gesagt: Scheinbar!
Schon während des Kochens wird in der Regel die Zahl der Kartoffeln, die Menge des Gemüses, die Anzahl der Fleischstücke etc. moniert. Aber fast immer sind die Augen größer als der Mund!
Also wurde der Bratensaft von gestern entfettet, reduziert und mit kalter Butter zur Sauce gebunden. In der durfte sich dann der Rest der Keulen aufwärmen. Dazu gab es aus der Vorratskammer (habe ich schon erzählt, dass wir ganz schön eingeschneit sind?) Tagliatelle von Da Cecco - meine Liebsten!

Und weil das ja hier gar kein Ende nimmt, waren es dann am nächsten Tag natürlich die Nudeln, die noch übrig waren. Aber wehe, wehe, ich koche mal nicht das ganze Paket auf einmal! "Mach doch, was soll das, kann ich mir doch morgen in der Pfanne mit Ei rausbrutzeln oder mal mit ins Büro nehmen." Nee, is´ klar. Wer brutzelt denn hier? Der Teenager nur unter Androhung großer Repressalien und auch P. sicher nicht, es sei denn ich liege mit zwei gebrochenen Armen im Bett.
Also dann:

3. Rest: Tagliatelle Carbonarthur
Nachdem mich dann heute mein Mann auf den Nudeln hat sitzen lassen (fürs Büro ließ er sich leckere Brote belegen), das Kind mich verließ um mit Freundinnen den ersten Ferientag zu genießen hatte ich also das Vergnügen mich um die Reste vom Wochenende zu kümmern.
Also habe ich mir erstmal eine sehr unanständige Menge Knoblauch mit den Copparesten (jetzt ist er aber wirklich aufgegessen!) und etwas Olivenöl in einer Pfanne knusprig gebraten. Der Gestank wird P. heute abend entsprechend strafen!
Parallel dazu 2 Eigelb mit etwas Weißwein im Wasserbad sehr cremig gerührt,

mit Salz, Pfeffer, Piment d´Espelette und etwas Chili gewürzt, fein geriebenen Parmesan und die Speckstückchen dazugegeben und unter die aufgewärmte Pasta gehoben.


Das hat mir zwar sehr gut geschmeckt, aber ich bekomme gerade ein bisschen Angst. Schließlich habe ich jetzt 2 Eiweiß übrig und was soll ich nun mit diesen machen? Etwas backen? DAS HÖRT JA NIEMALS MEHR AUF!!!

19.12.09

Couscous im Zucchiniröllchen mit Garnelen und Ziegenkäseschaum


Ich bin ganz schön stolz auf mich! Ehrlich. Seit Montag nur Meeresgetier. Gestern abend war es damit vorbei, aber am Donnerstag habe ich nochmal leicht und locker gekocht! Durch das Herumgesuche in Blogs nach Anregungen für meine "Schmoren-Verboten-Woche" stieß ich auf ein Rezept bei den Küchengöttern, das mir als Anregung gedient hat.
Meinen Couscous mache ich immer wieder ein bisschen anders. Manchmal schnippel ich mir winzige Zucchinistücke hinein, ein anderes mal geschälte und entkernte Tomatenstückchen, manchmal Safran, dann wieder Kichererbsen und Raz el hanout, je nachdem, wonach mir gerade der Sinn steht. Dieses mal habe ich mit getrockneten Tomaten, Tath pul biber, Knoblauch, Chili, Salz und etwas Koriander gewürzt.

Die Zucchinischeiben wurden beim ersten Versuch ein bisschen dünn. Auch habe ich sie nicht unter den Grill gelegt, sonder in der Pfanne gebraten.
Also so nicht. Viel zu dünn!
so ist es schon besser!

das mit etwas Olivenöl fluffig gerührte, in einer Mischung aus Gemüse- und Hühnerbrühe gequollene Couscous
dann in die Röllchen füllen.
Jetzt einfach nur Garnelen dazu fand ich ein bisschen fad. Kurz entschlossen wurde so etwas Milch mit Hühnerbrühe gemischt, einreduziert und dann Ziegenfrischkäse eingeschmolzen. Diese Mischung mit dem Zauberstab dann kräftig aufgeschlagen und abgeschmeckt.
Leider sieht man den weißen Schaum auf dem weißen Teller natürlich nicht gut. Allein für solche Fälle sollte ich mir vielleicht  schwarze Teller anschaffen, dann wäre die Optik besser geworden. Erst hatte ich ein bisschen Sorge, der Käse wäre zu den Garnelen "zu wild", aber es hat wirklich köstlich geschmeck.
 
Grundsätzlich werde ich mir diese Anrichtweise mal merken, die macht sich doch sicher auch auf dem nächsten Partybuffet gut. Manchmal komm ich ja nicht von selbst auf die einfachsten Dinge... :)

18.12.09

Der Tod des Bunny Munro - Nick Cave

Winterwonderland in Rheinhessen. P. sitzt in Mainz fest und kommt nicht von der betrieblichen Weihnachtsfeier nach Hause, da die Taxen nicht fahren können. Unsere Tochter läuft zur Zeit zu Fuß von Freundin A. in Wiesbaden-Biebrich hoch in die Innenstadt zu Freundin B., weil die Busse nicht mehr fahren. Also bin ich alleine und genieße die Kind- und mannfreien Stunden.

Eine gute Gelegenheit, tiefer in das Buch einzusteigen, dass mir der Nikolaus gebracht hat.
Nick Cave. Spätestens nach seinem Duett mit Kylie Minogue als schönster Wasserleiche der Musik-Videogeschichte wurde er auch dem Mainstreampuplikum bekannt.

Aber ich kann mich auch noch zu gut erinnern, als er drogengeschwängert mit seinen Bad Seeds auf Tour war und ich Stunde um Stunde vor  der Bonner Beethovenhalle wartete, dass es endlich losging.
Bewußt habe ich ihn das erste Mal wahrgenommen, als er mit seiner Band "Birthday Party" von sich reden machte, bevor er mit Blixa Bargeld von den "Einstürzenden Neubauten" die Bad Seeds gründete. Kurz davor hatte er noch ein Gastspiel in der experimentellen Punkband "Die Haut", die 1998 ihr letztes Album veröffentlichten.

Nach vielen Irrungen und Wirrungen, die hier wiederzugeben den Rahmen sprengen würde, heiratete Cave das Model Susie Bick und zog sich gemeinsam mit ihr in die Provinz zurück. Dort hat er im Keller seines Hauses sein zweites Buch geschrieben.

"'Alles okay, Darling?' fragt die Prostituierte. 
'Ich glaub, oben läuft eine Wanne über', sagt Bunny.
'Psst.'
Das Mädchen hebt den Kopf und sieht Bunny flüchtig an, und er versucht, den Mittelpunkt ihrer schwarzen Augen zu finden, die verräterischen Nadelstiche ihrer Pupillen, aber sein Blick verliert sich und verschwimmt. Er legt dei Hand auf ihren Kopf, spürt den feuchten Schimmer in ihrem Nacken.
'Psst, Baby', sagt sie noch einmal.
'Nenn mich Bunny', antwortet er und sieht den nächsten Wassertropfen, der bebend an der Decke hängt. 
'Ich nenn dich, wie du willst, Süßer.'
Bunny schließt die Augen und drückt die Hand auf ihre rauen Haarzöpfchen. Wasser zerplatzt auf seiner Burst, sanft wie ein Schluchzen.
'Nein, nenn mich Bunny', flüstert er.

Inhalt:
Bunny Munro verkauft an der Südküste Englands einsamen Ehefrauen Kosmetikartikel und den Traum vom Glück. Durch den plötzlichen Tod seiner Frau aus der Bahn geworfen und aus Angst, den Realitätssinn zu verlieren, tut er das Einzige, das ihm sinnvoll erscheint: Er steigt mit seinem Sohn ins Auto und fährt einfach los. Während Bunny seinem Job nachgeht und bisweilen vor eifersüchtigen Ehemännern fliehen muss, sitzt der neunjährige Bunny junior geduldig im Auto und betrachtet die Welt durch die Augen seiner Enzyklopädie, die er eifrig studiert. Ihn tröstet allein seine Mutter, die ihm als guter Geist verheißt, dass alles gut werden wird.
Als Bunny seinen altersschwachen Vater aufsucht, dessen Boshaftigkeit legendär ist, schein der letzte Tag in seinem Leben gekommen...

"Elegant komponiert, wütend und hochkomisch - Nick Cave fängt in diesem außergewöhnlichen Roman den Witz und das Geheimnis seines musikalischen Schaffens auch literarisch ein."

Und nachdem ich erst auf Seite 17 bin und Bunny bereits die Prostituierte "genagelt, gelöhnt und rausgeschmissen", dazu seine Frau depressive Selbstmordabsichten am Telefon geäußert hat, verspricht das Buch mir ein kurzweiliges Wochenende mit alten Platten und alter Musik.
Soll es ruhig noch weiter schneien, meine Liebsten sind gut aufgehoben.


17.12.09

Für Martin aus dem Restaurant vom Ende des Universums - Lachsfilet in Lemonpepper

Wie Mipi gestern im Kommentar sagte: Per apera ad astra! Eckart von Hirschhausen hat mir vor ca. 13 Jahren, als er noch in Winztheatern vor maximal 50 Leuten spielte, mal eine CD signiert mit  "Per aspera ad Astrid". Das fand ich auch schön! ;)
Damit sich der Kampf auch gelohnt hat, habe ich natürlich für den nächsten Tag den Fisch gleich mitgekauft. Und angestoßen von Martin, der schrieb: "Thanks for all the fish" bekommt er heute noch mal welchen. Bin gerad so schön dabei...
Mitgenommen habe ich also noch Lachsfilet, das dann eine Nacht in einer Lemonpepper-Mischung und etwas Chilli marinieren durfte. Wenn es schnell und einfach gehen soll, bin ich mittlerweile ein Fan von diesen Gewürzmühlen

Dazu gab es eine Salat/Gemüse-Mischung aus Blättern von jungem Spinat, Rucola und Red Chard.

Im Wok etwas helles Sesamöl erhitzen und ca. einen viertel Teelöffel gelbe Currypaste darin cremig rühren. Frischen Ingwer hineinreiben. Mit heller Sojasauce etwas ablöschen. Nein, heute kein Wein!
Inzwischen den Lachs ebenfalls in Sesamöl in der Pfanne von beiden Seiten kurz anbraten. Teller sehr heiß machen, auf ihnen kann der Lachs noch ein wenig weitergaren. Die Salat-Gemüse-Mischung im Wok zusammenfallen lassen und mit dem Lachs servieren.
Und so wie der Lachs auf dem Bild geworden ist, genau so muss er für mich sein!

Und ich hoffe, Martin gefällt er so auch! ;)

16.12.09

Hammse ´ne Nummer? Gegen alle Widerstände - Rotbarsch mit Coppa auf Wirsing-Möhren-Gemüse


Cucina rapida - schnelle Küche für Genießer. Ein Blog-Event von
mankannsessen.de

Ich wohne nicht nur inmitten eines der schönsten landschaftlichen Weinanbaugebiete Deutschlands - dem lieblichen Rheinhessen - sondern auch in der geographischen Mitte zweier Edekamärkte. Mir geht es gut!
Je nachdem, von wo ich gerade Richtung Heimat fahre, besuche ich den Markt in Heidesheim oder Gau-Algesheim, um dort frischen Fisch zu kaufen. In der berühmten rheinhessischen Kleinstadt, in der ich lebe, gibt es kein Fischgeschäft und jedesmal bis nach Mainz zu fahren, tut nicht nur den Beständen nicht gut, sondern auch nicht dem Klima.

Montag also mein Auftritt im Edeka Heidesheim. Die Auslage der Fischtheke ist blitzeblank geputzt und leer. An der verlassen wirkenden  Fleisch/Fischtheke steht eine einsame Verkäuferin und unterhält sich mit einer unsichtbaren Person, die anscheinend hinter den Kulissen werkelt.
Fröhlich: "Guten Morgen! Gibt es heute keinen Fisch?"
Kurz angebunden: "Heute nicht, morgen wieder"
Höflich: "Achso, dann ist hier der Lieferrhythmus anders als in Gau-Algesheim? Dort kommt die deutsche See immer montags, mittwochs und freitags."
Kurz angebunden: "Weiß nicht. Hab´ aber noch was hinten"
Interessiert: "So? Was denn?"
Genervt: "Naja Fisch. Aber von Donnerstag."
Zweifelnd: "Ach, welcher denn? Und ist der denn noch frisch?" Denkblase: Warum liegt der denn dann nicht in der Theke?
Deutliche Unlust: "Weiß ich so nicht. Muss ich mal schauen"
Auftritt einer weiteren Kundin an der Theke. Sie legt ein kleines Zettelchen auf die Glasplatte.
Die Verkäuferin strahlt sie an: "Ahh, Sie haben eine Nummer!"
Die Kundin nickt und blickt triumphierend durch die Leere des Raumes um sich.
Die Verkäuferin wendet sich mir wieder zu: "Hammse ´ne Nummer?"
Ich denke, wasn jetzt? Wieso Nummer? Bin ich beim Arzt? Ist doch gar nichts los hier!
"Äh, nein. Ich habe keine Nummer". Lachend: "Wieso auch, ich war doch eh die Einzige hier"
Verachtungsvoller Blick: "Also hier muss man Nummern ziehen, BEI UNS! Und sie sehen ja, die Dame hat eine. Eindeutig gelogen: Tut mir leid". 
Fassungslos: "Ja aber sie reden doch gerade mit mir!"
"Hammse ´ne Nummer? Ziehnse ´ne Nummer! Dann guck ich für Sie"
Entsetzt und fassungslos: "Ach nee, danke, ich geh dann lieber woanders hin!"

Dienstag in Gau-Algesheim:   
"Hallo Frau AT, schön Sie zu sehen! Was darf es denn heute für Sie sein?"
Geht doch. Ohne einen Zettel zu ziehen, bin ich trotzdem die Nummer Eins!

Ich kaufe Rotbarschfiltet und Coppa. Mit dem bedecke ich die geteilten Filets, die mit Pfeffer und sparsamen Salzeinsatz gewürzt wurden. Noch ein Hauch Piment d´Espelette.

Brate sie zuerst auf der Speckseite und dann auf der Unterseite kurz an.

Setze sie dann auf Wirsing-Möhren-Gemüse, das nur in etwas Sesamöl in der Pfanne bissfest durchgeschwenkt wurde. Pfeffer, Salz, ein Hauch Muskat. Ok, ich gebe zu, ich habs kurz mit Wein abgelöscht und dann ein winziges Tröpfchen Sahne daran gegeben. Aber wirklich nur ein Hauch. Das (er)spart heute den ein oder anderen Kilometer beim Laufen. ;)

Und weil zwar das Einkaufen umständlich, die Zubereitung aber schnell und einfach war,  ist das mein Dezemberbeitrag für die Cucina Rapida.

Noch ganz kurz etwas in eigener Sache: Bei Tobias´  2ten mediterranen Kochevent läuft gerade die Abstimmung. Ich freu mich natürlich, wenn Ihr mir Eure Stimme gebt!

14.12.09

Kabeljau im Mangoldmantel, Safranrisotto und Safransabayon



Die Ansage zuhause ist klar! Bis Weihnachten darf ich nicht deftig kochen. Ausgeschmort! Seufz.
Aber P. hat Recht. Soviel kann ich gar nicht durch die Weinberge rennen und er nicht mit dem Motorrad fahren, um dass unser beider Figuren die Gänse-, Wild-, Enten-, Raclette und andere Essen überleben. Wobei ich ja der Theorie anhänge, dass ich alleine vom Lesen der vielen food-blogs zunehme.
Also muss ich mich in der nächsten Zeit ein bisschen mehr auf Fisch, Kurzgebratenes und Wintersalate verlegen. Dafür muss ich viel in anderen foodblogs stöbern, wobei ich wieder zunehmen werde. Ein Teufelskreis. Aber ich lasse mir nicht vorwerfen, dass ich es nicht versucht hätte:
Mangoldblätter blanchiert.
Kabeljaufilets hineingewickelt.
Ein überaus schlotziges Safran-Risotto gerührt.

200 ml Fischfond, 100 ml Martini bianco auf die Hälfte einreduziert. 2 Eigelb im Wasserbad aufgeschlagen und die Reduktion mit einem Hauch Safran langsam mit der Schlagscheibe des Zauberstabes einmontiert.
Leider hatte am Ende dann die Sabayon die gleiche Farbe wie das Risotto. Dem Geschmack hat das allerdings überhaupt keinen Abruch getan.
Die Mangold-Kabeljau-Päckchen habe ich in Butter von jeder Seite kurz angebraten und dann auf dem Risotto serviert. Das ganze war so köstlich, dass ich das ruhig öfters machen könnte. Allerdings stehen die Buttermengen im Risotto und  die Eigelb in der Sabayone einem ordentlichen Schmorgericht in Kalorien in nichts nach. Aber der Eindruck! Der Eindruck! Viel gesünder und leichter! ;)
Wunderbar saftig-glasig.
Nur leider ganz schön gelb!


11.12.09

Welches Schweinderl hättens denn gern? Schweinenacken in Dunkelbier mit Rosenkohl und Süßkartoffelpüree

Blog-Event LII - Soulfood - Futter für die Seele (Einsendeschluss 15. Januar 2010)

Wie ich schon in den letzten Tagen in Kommentaren bei anderen Bloggern geschrieben habe - ich finde es fast unheimlich, wie wir alle manchmal zu gleichen Zeit den gleichen Appetit auf die gleichen Speisen haben. Und damit meine ich nicht, dass alle zur gleichen Zeit Kürbis kochen (den gibts ja nun nicht das ganze Jahr über) oder in der Weihnachtszeit viele Plätzchen gebacken werden. Aber da mache ich einmal im Jahr Schweinefleisch - und dann sehe ich einen Schweinebraten mit viel Knoblauch bei 1x umrühren bitte und einen chinesisch inspirierten im Küchentanz. Wie schon in meinen Post von der Pute als jüdischem Schwein beschrieben, "unterlag" ich familien-religionsbedingt einige Jahre Speisevorschriften, die den Verzehr von Schweinefleisch strikt untersagten. Und so essen wir es bis heute nur sehr selten, ich selbst eigentlich fast nie, bis auf gelegentliche Grillabende bei Freunden. Interessanterweise habe ich auch das Gefühl, es tut mir gesundheitlich nicht gut - jedenfalls nicht bei häufigerem Verzehr. Da ich an einer chronischen Gelenkerkrankung leide, habe ich für mich persönlich oft direkten Einfluß der verzehrten Lebensmittel auf meinen gesundheitlichen Zustand festgestellt.
Und so wie ich mich blendend fühle wenn ich heilfaste und 3 Wochen gar nichts esse, so "kracht es im Gebälk", wenn ich vermehrt Schweinefleisch zu mir nehme. Aber ich bin ebenso eine strikte Verfechterin der These: "Höre auf Deinen Körper, der weiß, was gut ist". Und so gab ich vor ein paar Tagen dem Verlangen nach einem leckeren Schweinebraten nach. Die Ausläufer der überstandenen "Käsegrippe" quälen uns immer noch, der Hals kratzt, die Näse läuft, wir sind malad. Da wünschte ich mir ein "Winteressen", deftig, zum Knödel-hineintunken-lecker. Nachdem ich ein bisschen herumgestöbert habe und kein Rezept fand, dass mein Kuschel-Essen-Bedürfnis befriedigt hätte, habe ich einfach drauflosgelegt. War gar keine Hexerei.

Ich hatte also 2 schöne Stücke Schweinenacken am Knochen von je knapp unter 1 Kilo.

Die wurden kräftig mit Salz und Pfeffer eingerieben, auf dem Herd anbebraten, und mit Malzbier abgelöscht. Dann kamen 3 Zwiebeln dazu, die mitschmurgeln durften.
Nach 2maligem Ablöschen habe ich den Rest des Malzbieres (insgesamt 0,5 l) komplett aufgegossen und noch eine Flasche Schwarzbier dazugegeben. Nachdem ich die Oberläche der Fleischstücke noch mit leckerem Rübenkraut bestrichen habe, kamen sie mit einem Fleischthermometer gespickt  bei 110°C in den Ofen. Dort ließ ich sie ganz in Ruhe, bis sie eine Kerntemperatur von knapp 80°C hatten. Anschließend durften sie in Alufolie gewickelt noch etwas weiterziehen, während ich den Bratensaft reduziert und mit etwas Salz, Pfeffer und Rübenkraut abgeschmeckt  habe. Die Sauce hat durch das Schwarzbier eine leichte Bitterkeit behalten, ganz im Gegenteil zu meinem Rezept vom Irischen Bierfleisch, bei dem die Sauce noch mit einem Balsamicosud "weicher" wird. Vielleicht liegt es auch daran, dass bei diesem Braten die Schmorzeit mit unter 2 Stunden nicht so lang war, wie beim Bierfleisch und somit die Bitterstoffe nicht ganz verkochten.

Allerdings hatte ich schon am Mittag Süßkartoffeln für ein Püree vorbereitet
  
das ich genauso gemacht habe, wie das Selleriepüree von C. Poletto. Und diese Süße hat die leichte Bitterkeit der dunklen Sauce hervorragend aufgenommen. Dazu gab es noch Blättchen von Rosenkohl, die nur blanchiert und in Butter geschwenkt wurden.
 
Und obwohl es mich am nächsten Tag so sehr in meinen Gliedern gequält und niedergerissen hat, dass ich nicht wusste, ob es nun die berühmte self fulfilling prophecy war oder Zufall oder ein körperliches Alarmsignal und ich mir geschworen habe - so bald nicht wieder... -  meine Seele hat dieser Braten gestreichelt. Und so hat er es dann doch verdient, am Event "Soulfood" teilzunehmen.

10.12.09

Von der Ausnahme - Gâteau Berbelle

Es gibt eine ziemlich eherne Regel in meiner Küche. Es wird nicht gebacken. Jedenfalls nicht von mir. Wenn also jemand von Euch gerne mal... dann stehe ich dem natürlich nicht im Wege. ;)
Ich weiß nicht, woher diese "Abneigung" rührt. Und interessanterweise habe ich lieber gebacken, als ich noch weniger ambitioniert gekocht habe. Ich erkläre es mir damit, dass ich beim Backen keinen Einfluß mehr auf den eigentlichen Prozeß nehmen kann. Wo ich doch das Rühren, Abschmecken, Naschen, Wenden und Begießen auf dem Herd so liebe. Wenn der Teig einmal gerührt ist, in seiner Form ruht und dann in den Ofen geschoben wird - das macht mich ganz nervös. Dieses Warten darauf, ob es auch was geworden ist -  ist der Teig durch? Klebt er am Ende noch? Ist er "schlierig" oder trocken? Saftig? Fällt alles auseinander, wenn ich das "Kunstwerk" aus der Form hebe? Nee nee, das ist nichts für mich. Und ich verneige mich tief vor allen Backkünstlerinnen und -künstlern, die gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit die Blogs mit Weihnachtsgebäck füllen. Meine letzten Kekse habe ich vor etlichen Jahren gebacken, als unsere Tochter noch klein war. Da wurde ausgestochen und mit Zuckerguß bestrichen, dass es eine Freude war. Mit Kindern macht einfach vieles mehr Spaß.
Auch habe ich als Weihnachtsgeschenk für P. mal ein Mahjongspiel "eingebacken". D. h. es wurde mit Backpapier eingeschlagen, dieses rundherum mit Kouvertüre bestrichen, in die dann selbst gebackene Kekse gedrückt wurden. Mit Zuckerguß stand dann noch "Merry Christmas" darauf. Leider gibt es davon nur ein Dia, so dass ich es Euch hier nicht zeigen kann.

Jetzt zur Ausnahme.
Es gibt da einen winzig kleinen Kuchen, der gelingt sogar mir. Und geht so schnell und unkompliziert, dass ich ihn gerne mal als Dessert mache. Eigentlich ist er eine gebackene Mousse, so ähnlich ist er in der Zubereitung. Wie mein Lieblings-Mousse-Rezept stammt auch dieses von Wolfram Siebeck. 
Und als am ersten Advent bei meiner Schwester ein "Geschwister-Adventskaffeetrinken" stattfand und sie selbst den komplizierten Teil übernahm, nämlich für meinen Bruder eine Rotweinkuchen zu backen, der wohl außer Rotwein nicht mehr vieles Andere enthält, was man so geläufig zum Backen benötigt ;) (Allergie! Allergie!) und doch noch am Ende fantastisch geschmeckt hat - was mache dann ich? Den einzigen Kuchen, den zu Backen mich nicht an den Rand eines Nervenzusammenbruchs bringt.Und der besser wird, wenn man ihn noch 2 Tage durchziehen lässt, also habe ich gleich 2 gemacht. Muss sich ja lohnen! ;)

Rezept für eine Gâteau Berbelle für eine 18 cm Form:
  • 100 g feine Schokolade, mindestens 70, besser 80 %
  • 140 g Butter
  • 120 g Zucker
  • 90 g Mehl
  • 1 Msp. Backpulver
  • 3 Eier
  • 3 EL weißer Rum
  • 2 EL Mandeln, Plättchen oder Stifte
  • Salz
  • Sahne zum Bestreichen
Butter und Eier sollten Zimmertemperatur haben. Die Eigelb mit der Butter, dem Rum und dem Zucker schaumig aufschlagen. Die Schokolade schmelzen, in die Eigelb-Butter gießen und gründlich verrühren. Mehl und Backpulver dazugeben und zu einem glatten Teig rühren.
Die Eiweiß mit einer Prise Salz sehr steif schlagen, davon erst 2 EL glatt unter den Teig rühren, den Rest vorsichtig unterheben, möglichst ohne den Schnee zu zerstören.
Eine kleine Springform oder einen Tortenring mit 18 cm Durchmesser ausbuttern und den Teig einfüllen. Bei 180° C auf der mittleren Schiene ca. 15 Minuten backen
dann die Mandeln aufstreuen und weitere 20 Minuten backen lassen.
Auskühlen, in eine Alufolie wickeln und mindestens 24 Stunden durchziehen lassen.
Vor dem Servieren mit leicht angeschlagener Sahne bestreichen.
Mit einem Gläschen Portwein der perfekte Genuß für den 1. Advent! Und es war wieder sooo einfach, vielleicht werde ich mutig und back uns doch noch ein paar Kekse...

03.12.09

DÖF - Deutsch-Österreichische-Freundschaft oder Geflügelsuppe mal anders


Erinnert Ihr Euch  noch an DÖF? Die sind mal im Sauseschritt gedüst und haben von irgendwoher die Liebe mitgebracht. Der Song selbst hieß aber eigentlich "Codo", das war die Abkürzung für "Cosmischer Dolm", was soviel heißt, wie "kosmischer Dummkopf". Gell, das hättet Ihr Österreicher nicht gedacht, wie gut ich meine Hausaufgaben mache. Nachdem ich die Pofesen zu Profesen gemacht habe, muss ich hier auch mal wieder einen vorlegen ;)
Allen, die mitlernen wollen empfehle ich im Übrigen diesen Link. Btw, von diesem Lied existiert auch eine englisch-jiddisch-Version mit dem Titel "the flying schissel", die man sich nicht entgehen lassen sollte.

Eines ihrer Lieder wurde sogar von Stephan Remmler (Trio) produziert, mit dessen Schlagzeuger Peter Behrens ich mal das Vergnügen hatte, eine Pizza zu essen. Aber ich schweife ab... DÖF also. Die Abkürzung für Deutsch Österreichisches Feingefühl. Ich ersetze "Feingefühl" durch "Freundschaft", so wird auch ein Schuh draus...

Freundschaftlicherweise widmet mir Eline eine ihrer Suppen. Die Suppe:  Geflügeleinmachsuppe. Das verpflichtet. Nach ausgiebigem Studium sämtlicher Romane von Mario Puzo weiß ich, was Ehre bedeutet. Also koche ich sie nach. Vor lauter Freude darüber, etwas gewidmet zu bekommen (sind wir alle mal ehrlich, das passiert ja nun nicht jeden Tag! Mir jedenfalls nicht!) habe ich die Rezeptur wohl nur unvollständig überflogen.
Da stand doch noch etwas von Gemüse. Pastinake. Gelbe Rübe. Karotte und Sellerie. Bleeed - wie der Meenzer sagt. Das hier habe ich eingekauft. Us de lameng... nee, heute mal nicht der Wein ;)

Weil man das auf dem Bild nicht so sieht - es waren 4 Keulen und 2 Hühner. Leber, Herzen, Mägen - das kam alles aus dem TK-Vorrat. Wurzelgemüse war am Start und Erbsen TK. Dazu noch Trockenpilze. Die sind eh immer im Haus, man weiß ja nie...
Ich fing also an:
Zerlegte die Hühner. Die begehrten Sot-l´y-laisse pule ich heraus und friere sie ein. Für eine Vorspeise irgendwann. Die Brüste ebenfalls. Der Rest darf einem guten Geflügelfond dienen.

Das Wurzelgemüse kommt nach reichlichem Ablöschen mit Wein noch dazu, ebenfalls eine Handvoll getrocknete Pilze sowie Innereien und dann simmert alles ca. 2 Stunden vor sich hin. Geflügelfond eben. Zu der Zeit realisiere ich noch nicht, dass ich die Hälfte vergessen habe. Während die Suppe auf dem Herd steht, schaue ich bei Eline ins Rezept. Wer liest, ist klar im Vorteil! Da steht:
Ca. 30 Minuten vor Kochende zugeben:
1 Zweig Rosmarin
1 Zweig Thymian
1 Lorbeerblatt
2 grosse, geschälte Karotten (ca. 200 g)
1 gelbe, geschälte Rübe (ca. 100 g)
1 kleine, geschälte Pastinake (ca. 100 g)
ca. 50 g geschälte Sellerieknolle
1 kleine, geschälte Petersilienwurzel (ca. 50 g)
Karotten und Sellerie habe ich nicht mehr. Alles schon in der Brühe! Rübe? Pastinake? P e t e r s i l i e n w u r z e l ? Dann will sie auch noch:
1/2 TL Koriander
1 Macisblüte
3 Gewürznelken
jessas, wie konnte ich das überlesen! Hektisch werfe ich 2 Macisblüten in die Brühe, auf Nelken verzichte ich großzügig, dafür habe ich schon zuvor die Menge der Lorbeerblätter verdoppelt. Koriander kommt dann später.
So simmert es. Achja, erst nach 1,5 Stunden gebe ich die Keulen dazu. So sind sie noch saftig und nicht zu ausgelaugt. Die Haut von den größeren Hühnerteilen entferne ich vorher, damit alles nicht allzu fettig wird.
Dann fische ich die Keulen heraus und lege sie beiseite. Den Rest gebe ich durch ein Sieb. Einmal fürs Grobe. Nochmals fürs Feinere. Und nochmal durch ein Tuch, damit die Trübstoffe weitestgehend verschwinden. Die Fiselarbeit beginnt. Aber das ist nicht so schlimm, ich verfahre nach dem Aschenbrödel-Prinzip - eines ins Töpfchen, eines ins...
Dann bleibe ich beim Rezept.
In einem Topf mit schwerem Boden das Fett erhitzen, Mehl einrühren und goldbraun werden lassen. Mit etwas heisser Suppe aufgiessen, gut rühren und verkochen lassen, bis eine glatte Einbrenn entsteht. Dann restliche Suppe, Gemüse, Fleisch, gehackte, getrocknete Pilze, Obers zugeben. Noch ca. 20 Minuten leicht köcheln lassen. Salzen, würzen, Erbsen und Essig dazu geben.
Ich erhitze die Butter. Gebe das Mehl dazu. Spendiere der Einbrenn einen  wönzigen Schluck Amontillado. Gieße dann mit dem Fond auf. Lasse es einkochen und gebe noch einen Liter Brühe dazu. (Der Rest wird eingefroren) An dieser Stelle entdecke ich, dass erst hier die getrockneten Pilze hineingehören. Egal, sind noch genug vorhanden, also nochmals, kleingehackt mit Schwung ab in die Suppe. Sahne wie angegeben dazu. Kompliment Eline, die Balance zwischen suppiger Sämigkeit und sämiger Suppigkeit ist perfekt.  Ich fange an zu würzen. Etwas Muskat, wie angegeben. Noch ein kleines bisschen weißen Pfeffer. Dann fange ich an zu experimentieren. Mir gefällt Kardamom gut. Etwas Curry.  Eine Gewürzmischung von "Easy Gourmet" namens Exotic Oriental. Darin sind u. a. brauner Kandis, gerösteter Sesam, Ingwer, Koriander, Zimt, Anis, Fenchel und die vergessenen Nelken.
Die Suppe schmeckt herrlich! Jetzt kommen die Erbsen. Und etwas Orangen-Champagneressig. Mir platzt schon fast der Bauch vor lauter Nascherei am Herd! Hoffentlich ist noch genug da, wenn die Lieben nach Hause kommen. Und wie es duftet! Als hätte man Wien in den Orient verlegt.

Aber mir fehlt noch eine Kleinigkeit. So ein Stückchen gebratene Blutwurst wäre nicht schlecht. Ehrlich, je länger ich darüber nachdenke...nein, ich fahre nicht nochmal los. Aber Leber habe ich noch. Die sollte doch laut Eline sowieso hinterher in die Suppe und nicht vorher mitgekocht werden!
Ich erhitze etwas Portwein und sautiere darin die Leber. Hacke sie klein und würze mit Pfeffer und Salz. Dann wickel ich sie in zwei Blätter Filoteig

und bastel mir einen Strudel.

Der kommt in kleinen Stücken auf die Suppe. Die Enden esse ich schon vorher. Und für mich alleine habe ich ihn auch, denn meine Lieben daheim essen keine Innereien. Ich kann fast nicht mehr, so pappsatt bin ich bereits. Aber ein Teller geht noch. *flüster* es waren sogar zwei!

Liebe Eline, diese Suppe ist ´ne Sensation! Zum Nachkochen an alle dringenst empfohlen.
An Guadn!

01.12.09

Monatsrückblick November 2009

Es ist wieder soweit. Zeit zum Rekapitulieren.
Und die Frage zu Beginn: Bin ich girlfried-in-a-coma oder eine strukturierte Person, wie Ellja im Monatsrückblick Oktober vermutete? Erst habe ich angefangen, mir auf vielen kleinen Zettelchen Notizen über Erlebnisse und Kuriositäten zu machen. Diese Zettel aber schieben sich gerne girlfriend-like aus ihren geheimen Geheimplätzen hervor, drängen ins Licht, fliegen durch die Wohnung um dann im Nirwana zu entschwinden. So wird das natürlich nichts. Also richte ich mir strukturiert bei der Tante G. ein Notizbuch ein. Perfekt. Mit eigenen Labels für die Links, die ich abspeichere. Und so brauche ich heute nur das Gespeicherte aufarbeiten. Wie langweilig!
;-)
Kurioses Rezept gefällig? Bitte sehr:
Vor gefühlten 100 Jahren habe ich mich erstmalig mit einem kleinen Frühstückscafé selbständig gemacht. Leider fehlten der Küche dringendst erforderliche 2 cm in der Breite, um sie voll konzessionieren zu können. Das wiederum hatte zur Folge, dass ich dort nicht kochen durfte, was auch die Zubereitung von einfachen Eierspeisen in der Pfanne ausschloß. Dumm gelaufen. Vom zuständigen Aussendienst-Beamten des Gewerbeaufsichtsamtes bekam ich nach 4 cl Kirschwasser in seinem Kaffee einen kuriosen Tip. Ich könne doch die im Frühstücksgeschäft benötigten Rühreier in der Mikrowelle zubereiten,  wäre doch gar kein Problem, niemand könne den Unterschied herausschmecken. Das ging so: Eine Schale mit Butter ausfetten, die verquirlten Eier hineingeben und dann bei 400 Watt auf Start. Nach ca. 2 Minunten hatte man eine Masse erzeugt, die wirklich fast wie ein Rührei aussah. Um aber das Geschmacksproblem zu lösen und meine gerade mühsam aufgebaute Existenz nicht gleich wieder zu vernichten, musste ich zu einem anderen gaststättenrechtlichen  "Schlupfloch" greifen. Hätte ich nur damals schon gelesen, dass es durchaus möglich ist, in 75 Sekunden ein Rührei aus der Espressomaschine zu zaubern! Meinen Gästen wäre in den ersten Tagen viel erspart geblieben!

Natürlich habe ich auch wieder viel gelernt in den vergangenen Tagen. Besonders hervorzuheben sind dabei meine erweiterten Kenntnisse der österreichischen Sprache!
Lieblingswort des Monats Oktober gefällig?
„Der Fotzhobel“. Gelernt bei der Ente. Also meine Mutter hätte mir den Mund mit Seife ausgewaschen bei so einer Ausdrucksweise! Dafür können wir hier in Deutschland uns aber mit dem Wort "Puderzucker" revanchieren! Wobei der Begriff "pudern" auch in Deutschland durchaus doppeldeutig besetzt ist.
Von Eline lernte ich "Profesen". Auch schön, erinnert mich gleich an ersetzte Körperteile. Sind aber, wie sie hier in den Kommentaren erklärt, "Arme Ritter".  Überhaupt Eline - seit Jahren im CK und jetzt mit ihrem Küchentanz der Grundstock der im Rheinhessischen gepflegten deutsch-österreichischen-Freundschaft. Sogar eine ihrer Geflügel-Suppen hat sie mir gewidmet. Die natürlich bereits nachgekocht wurde und hier in den nächsten Tagen eingestellt wird! Bei Ellja lerne ich nun neben österreichisch sogar deutsch! Ihr deutsches Lieblings-Wort "tröge" kannte ich zuvor noch nicht und auch diverse Ausflüge in die deutsche Grammatik brachten mich dem Rätsel nicht näher. Bei der Hedonistin lernte ich "darren" und "talggen kennen und Cherry Blossom erinnerte mich an Männerfreundschaften und Rumakis.

Und was habe ich selber so gemacht im vergangenen Monat? Weniger als im Oktober, stelle ich fest. Zumindest virtuell. Aber alles mit Qualität. Ich habe nachgekocht, an gleich 3 Events teilgenommen, Mamarezepte in Mamatöpfen gekocht, einen Ersatz für Portwein in Saucen gefunden, die Käsegrippe überstanden, Literatur nachgekocht, bin nach Tir Na Nog gereist, habe leider keinen Schatz gefunden und noch vieles mehr.

Meine lustigste Blogentdeckung im Oktober habe ich bei Petra gemacht.
Würste. Nichts als Würste. Hätte man mir gesagt, man könne einen Blog nur mit Wurst bestreiten, ich hätte es sicher nicht geglaubt. Geht aber doch.

Als regelmäßige Leser neu mit dabei sind:
  • Peppinella, deren Familie mindestens genauso verrückt ist, wie meine
  • Kerstin, Olaf und Andreas mit ihrem Olivenöl-Blog (der einzigen Werbung, die ich an dieser Stelle gerne mache)
  • Mareen von kochend-heiß, die ich um ihre lukullische Südhanglage und die Nähe zu Österreich beneide
  •  Barbara, die bei Wind und Wetter draußen essen muss
  • LindaK60, die leider keinen eigenen Blog hat, aber das wird ja vielleicht noch
  • schließlich hat Karin ihre Küchenträume auch wahr werden lassen
  • Rico, der aus Barcelona und Umgebung berichtet
  • Robert mit lamiacucina, der im übrigen auch gerne mal zum babylonischen Sprachgewirr beiträgt ;-) - aber schwitzerdütsch lerne ich später...
Und wieder mein großes Dankeschön an alle, bei denen ich in den letzten 30 Tagen lernen, lachen und genießen durfte. Es war mir ein Fest und ich freue mich auf den Dezember, der lukullische Höhenflüge verspricht. Das Notizbuch ist bereit!