Erinnert Ihr Euch noch an DÖF? Die sind mal im Sauseschritt gedüst und haben von irgendwoher die Liebe mitgebracht. Der Song selbst hieß aber eigentlich "Codo", das war die Abkürzung für "Cosmischer Dolm", was soviel heißt, wie "kosmischer Dummkopf". Gell, das hättet Ihr Österreicher nicht gedacht, wie gut ich meine Hausaufgaben mache. Nachdem ich die Pofesen zu Profesen gemacht habe, muss ich hier auch mal wieder einen vorlegen ;)
Allen, die mitlernen wollen empfehle ich im Übrigen diesen
Link. Btw, von diesem Lied existiert auch eine englisch-jiddisch-Version mit dem Titel
"the flying schissel", die man sich nicht entgehen lassen sollte.
Eines ihrer Lieder wurde sogar von Stephan Remmler (Trio) produziert, mit dessen Schlagzeuger Peter Behrens ich mal das Vergnügen hatte, eine Pizza zu essen. Aber ich schweife ab... DÖF also. Die Abkürzung für Deutsch Österreichisches Feingefühl. Ich ersetze "Feingefühl" durch "Freundschaft", so wird auch ein Schuh draus...
Freundschaftlicherweise widmet mir Eline eine ihrer Suppen.
Die Suppe:
Geflügeleinmachsuppe. Das verpflichtet. Nach ausgiebigem Studium sämtlicher Romane von Mario Puzo weiß ich, was Ehre bedeutet. Also koche ich sie nach. Vor lauter Freude darüber, etwas gewidmet zu bekommen (sind wir alle mal ehrlich, das passiert ja nun nicht jeden Tag!
Mir jedenfalls nicht!) habe ich die Rezeptur wohl nur unvollständig überflogen.
Da stand doch noch etwas von Gemüse.
Pastinake.
Gelbe Rübe. Karotte und Sellerie. Bleeed - wie der Meenzer sagt. Das hier habe ich eingekauft. Us de lameng... nee, heute mal nicht der Wein ;)
Weil man das auf dem Bild nicht so sieht - es waren 4 Keulen und 2 Hühner. Leber, Herzen, Mägen - das kam alles aus dem TK-Vorrat. Wurzelgemüse war am Start und Erbsen TK. Dazu noch Trockenpilze. Die sind eh immer im Haus, man weiß ja nie...
Ich fing also an:
Zerlegte die Hühner. Die begehrten Sot-l´y-laisse pule ich heraus und friere sie ein. Für eine Vorspeise irgendwann. Die Brüste ebenfalls. Der Rest darf einem guten Geflügelfond dienen.
Das Wurzelgemüse kommt nach reichlichem Ablöschen mit Wein noch dazu, ebenfalls eine Handvoll getrocknete Pilze sowie Innereien und dann simmert alles ca. 2 Stunden vor sich hin. Geflügelfond eben. Zu der Zeit realisiere ich noch nicht, dass ich die Hälfte vergessen habe. Während die Suppe auf dem Herd steht, schaue ich bei Eline ins Rezept. Wer liest, ist klar im Vorteil! Da steht:
Ca. 30 Minuten vor Kochende zugeben:
1 Zweig Rosmarin
1 Zweig Thymian
1 Lorbeerblatt
2 grosse, geschälte Karotten (ca. 200 g)
1 gelbe, geschälte Rübe (ca. 100 g)
1 kleine, geschälte Pastinake (ca. 100 g)
ca. 50 g geschälte Sellerieknolle
1 kleine, geschälte Petersilienwurzel (ca. 50 g)
Karotten und Sellerie habe ich nicht mehr. Alles schon in der Brühe! Rübe? Pastinake? P e t e r s i l i e n w u r z e l ? Dann will sie auch noch:
1/2 TL Koriander
1 Macisblüte
3 Gewürznelken
jessas, wie konnte ich das überlesen! Hektisch werfe ich 2 Macisblüten in die Brühe, auf Nelken verzichte ich großzügig, dafür habe ich schon zuvor die Menge der Lorbeerblätter verdoppelt. Koriander kommt dann später.
So simmert es. Achja, erst nach 1,5 Stunden gebe ich die Keulen dazu. So sind sie noch saftig und nicht zu ausgelaugt. Die Haut von den größeren Hühnerteilen entferne ich vorher, damit alles nicht allzu fettig wird.
Dann fische ich die Keulen heraus und lege sie beiseite. Den Rest gebe ich durch ein Sieb. Einmal fürs Grobe. Nochmals fürs Feinere. Und nochmal durch ein Tuch, damit die Trübstoffe weitestgehend verschwinden. Die Fiselarbeit beginnt. Aber das ist nicht so schlimm, ich verfahre nach dem Aschenbrödel-Prinzip - eines ins Töpfchen, eines ins...
Dann bleibe ich beim Rezept.
In einem Topf mit schwerem Boden das Fett erhitzen, Mehl einrühren und goldbraun werden lassen. Mit etwas heisser Suppe aufgiessen, gut rühren und verkochen lassen, bis eine glatte Einbrenn entsteht. Dann restliche Suppe, Gemüse, Fleisch, gehackte, getrocknete Pilze, Obers zugeben. Noch ca. 20 Minuten leicht köcheln lassen. Salzen, würzen, Erbsen und Essig dazu geben.
Ich erhitze die Butter. Gebe das Mehl dazu. Spendiere der Einbrenn einen wönzigen Schluck Amontillado. Gieße dann mit dem Fond auf. Lasse es einkochen und gebe noch einen Liter Brühe dazu. (Der Rest wird eingefroren) An dieser Stelle entdecke ich, dass erst hier die getrockneten Pilze hineingehören. Egal, sind noch genug vorhanden, also nochmals, kleingehackt mit Schwung ab in die Suppe. Sahne wie angegeben dazu. Kompliment Eline, die Balance zwischen suppiger Sämigkeit und sämiger Suppigkeit ist perfekt. Ich fange an zu würzen. Etwas Muskat, wie angegeben. Noch ein kleines bisschen weißen Pfeffer. Dann fange ich an zu experimentieren. Mir gefällt Kardamom gut. Etwas Curry. Eine Gewürzmischung von "Easy Gourmet" namens Exotic Oriental. Darin sind u. a. brauner Kandis, gerösteter Sesam, Ingwer, Koriander, Zimt, Anis, Fenchel und die vergessenen Nelken.
Die Suppe schmeckt herrlich! Jetzt kommen die Erbsen. Und etwas Orangen-Champagneressig. Mir platzt schon fast der Bauch vor lauter Nascherei am Herd! Hoffentlich ist noch genug da, wenn die Lieben nach Hause kommen. Und wie es duftet! Als hätte man Wien in den Orient verlegt.
Aber mir fehlt noch eine Kleinigkeit. So ein Stückchen gebratene Blutwurst wäre nicht schlecht. Ehrlich, je länger ich darüber nachdenke...nein, ich fahre nicht nochmal los. Aber Leber habe ich noch. Die sollte doch laut Eline sowieso hinterher in die Suppe und nicht vorher mitgekocht werden!
Ich erhitze etwas Portwein und sautiere darin die Leber. Hacke sie klein und würze mit Pfeffer und Salz. Dann wickel ich sie in zwei Blätter Filoteig
und bastel mir einen Strudel.
Der kommt in kleinen Stücken auf die Suppe. Die Enden esse ich schon vorher. Und für mich alleine habe ich ihn auch, denn meine Lieben daheim essen keine Innereien. Ich kann fast nicht mehr, so pappsatt bin ich bereits. Aber ein Teller geht noch. *flüster* es waren sogar zwei!
Liebe Eline, diese Suppe ist ´ne Sensation! Zum Nachkochen an alle dringenst empfohlen.
An Guadn!