31.07.10

Aus gegebenem Anlaß - Coq au Kirsch, Klappe: die Zweite


Die gegebenen Anlässe zur eigenen Reproduktion:

  1. Ein eigener dämlicher Fehler im Ursprungstext - typischer Fall von schlampig bis gar nicht recherchiert.
  2. Milliways süße Kirschsuppe und mein Kommentar
  3. Die von ihr selbst herbeigeführte Diskreditierung einer beschriebenen Person
  4. Event des Gärtnerblogs
  5. Etwas Wehmut
Ganz von oben herab

Zu 1.
Natürlich ist Britta von Lojewski mitnichten der Versprecher mit Schalke zuzuschreiben. Das war Carmen Thomas und zwar schon 1973, lange vor dem "Kochduell".

Zu 2.
Milliways postet eine Kirschsuppe, die ganz bezaubernd aussieht, aber etwas zu süß geraten ist. Beim Lesen und meinem Kommentar, es vielleicht mal mit etwas Hühnerbrühe und Koriander "deftiger" aufzubereiten, fiel mir ein, da war doch mal was...

Zu 3.
Habe ich ihn nicht sympathisch beschrieben, den Herrn Sante di Santis? Hat er mir nicht immer Spaß gemacht?
Beim Fressack hat er dann aber zugeschlagen. Ein kleiner Spielverderber und Kein-Spaß-Versteher ist er wohl. Oder hatte er  nur einen schlechen Tag? Ich weiß es nicht. Von Fleischporen zu faseln, Hobbyköche, die mit viel Liebe und noch mehr Anspruch einer ihrer Lieblingsbeschäftigungen nachgehen abzuwatsch´n, das ist kein gutes Tennis! 
Grmpfff, und deshalb muss ich hier festhalten, dass er mir jetzt nicht mehr so nett und lustig erscheint, wie zuvor. Für einen großen Stern am Kochfirnament habe ich ihn nie gehalten, aber sein Unterhaltungswert war schon mal ungleich höher. 

Hier ein Auszug aus dem Kommentar, den Herr Santis bei Herrn Fressack hinterlassen hat:

"An eurer Stelle würde ich als erstes kochen lernen"

Und:

"Der Unterschied zwischen einem der lesen kann und einem Koch der kochen kann, ist sehr groß. Ihr könnt nur lesen. Kochen überlasst ihr den Profis, ihr Laien!"

Nur damit Du weißt, wovon ich spreche... Klingt nicht nett, oder? Ist auch sicher nicht nett gemeint!
Sei´s drum...

Zu 4.
Garten-Koch-Event Juli: Kirschen [31.07.2010] 

Zu 5.
Auf meiner imaginären und auch der echten Nachkochliste hier im Blog habe ich schon lange "Die Wade von Claus". Also natürlich nicht Claus´ Wade, Himmel! Und außerdem habe ich am letzen Wochenende gar keine Wade bekommen. Auch nicht vom Rind. Dessen Namen ich sowieso nicht gewußt hätte. 
Und dann wären  eh wieder die Diskussionen losgegangen mit den 180°lern, welche Wade denn, eine linke oder eine rechte, war sie von hinten oder von vorne... Da habe ich gleich eine Brust genommen. Von vorne! Nur eine! Die aus der Mitte! 
Und weils keine Wade war, habe ich den 2 Flaschen Chianti auch noch ´ne Möhre, etwas Sellerie und ein Lorbeerblatt  hinterhergeworfen.
2,5 kg Rinderbrust

Nur ´n bissken Gemüse...

War auch nach 6 Stunden schon ein Gedicht!
 Obwohl ich ja sonst eher für die 24 Stunden-Varianten bin:
Klick hier zum Rezept
Achso, die Wehmut. Hättest Du noch daran gedacht? :)
P. kann das alles nicht mehr essen. Eine sich in den letzten Jahren, Monaten und Wochen bis zum "nicht mehr auszuhalten" Grad entwickelte Histaminunverträglichkeit macht mir diese wunderbaren Schmorgerichte mit Rotwein schier unmöglich. Also quasi als Reminsizens für P.:

Coq au Kirsch

Es steht zwar alles schonmal geschrieben, aber für die, die sich nicht die Mühe machen möchten, nochmal in den anderen Post zu klicken:
  • 4 Hähnchenkeulen
  • Kartoffeln
  • 500 g grobes Meersalz
  • 500 g Stangenbohnen
  • Frische Kirschen vom Rheinhessischen Winzer, der zufällig auch noch ein paar alte Kirschbäume herumstehen hat. Ersatzweise 1 Glas Bio-Sauerkirschen. Bei frischen Kirschen noch zusätzlich etwas 250 ml Kirschsaft
  • ein guter Schluck Rotwein
  • etwas Kirsch-Koriander-Likör
  • ca. 150 ml Rotwein
  • 1 Schalotte
  • frisches Bohnenkraut und - in Ermangelung von Rosmarin - frischer Thymian aus dem eigenen Kräutergarten
  • Harissa-Gewürzmischung aus der Mühle
  • eiskalte Butter
Kartoffeln waschen und in einer ofenfesten Form auf das Meersalz betten. Mit Olivenöl begießen, etwas Fleur de Sel aufstreuen, mit Kräutern bestücken und ca. 60 Minunten bei 180°C in den Ofen schieben.
Die Hähnchenkeulen an den Gelenken in 3 Stücke teilen, die Haut "über die Ohren ziehen". Haut an Geflügel ist nur lecker, wenn sie knusprig gebraten ist, in Schmorgerichten ist sie ein labbriger Fettträger. Dann in Butter langsam und sanft anbraten. Das muss vorsichtig geschehen, denn wenn die Butter verbrennt, kann der Bratenansatz weggeschüttet werden, und dauert schonmal locker 15 Minuten. Während des Bratens pfeffern und salzen.
Die Fleischteile aus dem Schmortopf nehmen, kurz unter Alufolie warmhalten, den Bratensatz mit Mehl abstäuben, etwas angehen lassen und dann den Rotwein angießen. Ordentlicher Schluck! Einkochen lassen. Dann ca. die Hälfte des Kirschsaftes dazugeben, Hitze runterschalten und die Hähnchenteile zurück in den Topf legen. Ca. 30 Minuten sanft schmoren lassen, zwischendurch mit der Harissa-Mischung würzen.
Die Bohnen putzen, in Stücke schneiden und blanchieren. Mit der Schalotte und Butter in einer Pfanne knackig angehen lassen. Auf Knoblauch, der für mich sonst an Bohnen ein unverzichtbarer Bestandteil ist, habe ich hier aufgrund der verschiedenen Geschmackskomponenten bewusst verzichtet.

Am Ende der Schmorzeit die Hähnchenstücke aus dem Sud nehmen und diesen um ca. die Hälfte einreduzieren lassen, einen Schluck Kirsch-Koriander-Likör spendieren und mit eiskalter Butter binden. Dann die Kirschen zur Sauce geben und die Hähnchenteile hineinlegen.

Der Wein zum Kochen, während des Kochens und zum Essen:
Ursprung
2007, QbA
Markus Schneider, Pfalz
Eine fruchtige Cuvee aus CabSauv., Merlot und Portugieser aus den Lagen des Dürkheimer Feuerberges. Dort befindet sich der Ursprung des Weinanbaus in der Pfalz.

Und wer sagt hier, ich schweife ab???

Den Ursprungspost findest Du hier: Coq au Kirsch, Klappe: die Erste

24.07.10

Ein (Geburts)Tag am Meer - oder auch: Wie man nichts zu essen bekommt...



"Mein Haus, mein Auto, mein Pferd, mein Boot...."

Kennst Du, oder? 
Bei uns geht der so: 
Mein Auto. Mein Auto. Mein Auto. Mein Auto. Mein nächstes Auto. Aber: Flüstermodus an: Alles nur ganz alte Schüsseln, ehrlich!
Dann kommt:
Mein Fahrrad. 
Mein Motorrad.
Mein Boot Traum:
Runder Geburtstag hin oder her - was willst Du so einem Mann P. noch schenken?
Da fiel mir ein, dass die Grundvoraussetzung zur Erfüllung des Traumes noch nicht gegeben ist. 
Der Bootsführerschein! Bei Costa Maritim in Wiesbaden wurde also flugs das Ausbildungspaket gebucht, samt Broschüren mit anhängenden Seilen zum vorherigen Üben von ca. 200 verschiedenen Knoten. 

Aber wo überreicht Frau so ein Geschenk möglichst stilvoll? Richtig! Am Wasser. Nun haben wir den Rhein um die Ecke, der zieht also in so einem speziellen Fall nicht die "Worscht vom Teller" (wie der Rhoihesse sagt).
Aber da gibt es noch unsere Lieblingspension in Zandvoort.  Und mit
Lieblingszimmer
P.s Lieblingsfrühstück
Lieblingsfritten
Lieblingsfischwagen
Lieblingsspatz
Lieblingsschuhladen
Lieblingsstrandbar - zur DIR komme ich noch!
(Ehemaliges!) Lieblingsrestaurant
Sag selbst, die Grundvoraussetzungen stimmen!
Sechs Wochen vor Anreise habe ich das Zimmer und einen Tisch auf der Terrasse des "Albatros" reserviert.
Die Zimmerreservierung wurde schnell bestätigt, zusätzlich ist Marcel, der Inhaber, noch durch halb Holland gereist, um mir eine Flasche Ruinart zu besorgen. Danke nochmal, Marcel!

Der (mein) Plan sah so aus:
  • Irgendwann auf der Autobahn ein Jubelschrei bei Auftauchen der ersten Wegweiser.
  • Ankuft am frühen Mittag.
  • Fischessen am Strand.
  • Sonne genießen.
  • Jede Menge Chardonnay in der Strandbar.
  • Ausruhen.
  • Abends lange und genußvoll essen und trinken.
  • Mitternacht am Strand mit Champagner, Wunderkerzen und dem in einem Fischernetz verpackten, mit Seesternen usw. dekoriertem Geschenk.
  • Nacktbaden.
  • Lachen, lieben, heimschwanken, schlafen.
  • Frühstücken.
  • Nach Hause fahren. 
Nach 8 Tagen hatte ich vom Restaurant noch keine Nachricht. Ich wollte nicht nur den Tisch reservieren, sondern auch gerne ein Menü mit ihnen besprechen, dazu begleitende Weine. Sollte  alles besonders schön werden. Und was haben wir dort schon geschlemmt, kannst Du bei Interesse hier nachlesen.
Also schickte ich erneut eine mail. Die wurde dann mit dem Versprechen beantwortet, anläßlich des Geburtstages einen besonders schönen Tisch auf der Terrasse zu reservieren. 
Die Idee mit dem Menü ließ ich sausen, das auf die Entfernung über zwei Sprachen zu organisieren, erschien mir als nicht sicher genug. 

Am Dienstagmorgen stieg also P. als Beifahrer ins Auto, ohne zu wissen, wo es hingehen würde. Er hatte lediglich die Ansage bekommen, sich 2 Tage frei zu nehmen. Als das erste mal "Venlo" auf den Autobahnschildern stand, konnte er sich die grobe Richtung denken, schwankte aber noch zwischen Domburg und Zandvoort. Richtung Amsterdam wusste er dann Bescheid, und die Freude kannst Du Dir kaum vorstellen. Allein für dieses Gesicht hat sich die Reise schon gelohnt! Punkt 1. plangerecht.
Der erste Weg führte wie immer zum Strand
Lieblingsmöve :)
und dann zu der Frage, ob wir abends nicht essen gehen wollten. Ich fing an zu grinsen. P. grinste zurück.  Ob wir vielleicht ins "Albatros" gehen könnten. Ich grinste noch mehr. Da ahnte er etwas, fragte aber auch gleich, ob wir dann nicht resrvieren sollten. Ich grinste noch mehr. Aber dann fragte er doch tatsächlich, für welche Uhrzeit ich reserviert habe. Mir brauch der Schweiß aus. 19.30 h? 19.00 h? Ich war nicht mehr sicher. 
P. grinste wieder. War aber nicht schlimm, wir konnten ja mal vorbeigehen. Gesagt, getan. 

15.00 - Erster Auftritt im Restaurant
Richard, der Chef ist selber da. Ich erwähne die Reservierung und die Unsicherheit bezüglich der Uhrzeit. Er schlägt das Reservierungsbuch auf:
Nichts. 
Also schon. Aber nichts zu meinem Namen. 
Er sagt, das mache nichts (find ich schon, aber so what), wann wir denn kommen wollen würden.
Kurze Absprache, 20.30 h.
Gerne, Richard trägt uns ein. Ich zeige ihm noch unseren Lieblingstisch und er verspricht, sein Möglichstes zu tun.
Das war mal...
20.25 h - zweiter Auftritt im Restaurant
Die Terrasse ist voll. Eine der Kellnerinnen begrüßt uns, ich erzähle von der Reservierung. Ein Buch liegt nicht dort, in das sie schauen könnte. Sie bittet uns, Innen kurz Platz zu nehmen, sie werde unseren Tisch gleich richten. 
Ich will nicht Platz nehmen. Ich schaue mir die Terrasse genauer an. Voll ist voll. Vom Lieblingstisch mal ganz zu schweigen. Keinerlei Aufbruchstimmung nirgens. 
P. und ich schauen uns an: rätselnd.
Ich frage mich, wie das wohl gelöst werden würde.
Hektische Kellner tragen Teller an uns vorbei. 
Ich will immer noch nicht sitzen und frage mich, warum uns nicht wenigstens etwas zu Trinken angeboten wird.
Nach 5 Minuten läuft die Kellnerin an uns vorbei mit einem Kunstoff-Klapptisch unter dem Arm, den sie auf der Terrasse schon im Bereich des Bürgersteiges anbaut. Der Tisch ist ca. 5 cm niedriger als die anderen. 
Ich bekomme Angst. Ich wollte doch wieder so. Schön halt. 
Ich gehe raus und frage, ob das etwa unser Tisch werden solle, wir würden nicht auf dem Bürgersteig sitzen. (Erst recht nicht wie die Affen)
Nein, nein, sei er nicht. Warum bereitet sie ihn vor?- frage ich nicht. 

P. und ich schauen uns an: verzweifelt. Ich möchte  auf der Stelle gehen, aber jetzt hat er sich so auf das hier gefreut, das kann ich  nicht machen. 
Er möchte  auf der Stelle gehen, aber jetzt habe ich doch alles so schön vorbereitet, er will mich nicht enttäuschen. 
P. schaut auf die Uhr. 20:40 h. Er sagt: Noch 5 Minuten.
Die Kellnerin rast wieder hinein, räumt hektisch einen eingedeckten Tisch im Restaurant ab, holt sich einen Kollegen und trägt den Tisch mit dessen Hilfe hinaus. Auf den Bürgersteig.
P. und ich gehen. Leise. Traurig.

Entschließen uns zum erneuten Besuch unserer Lieblingsstrandbar. Essen kann man da zumindest tagsüber ganz gut, die Abendkarte klang schon immer nett, die Weinauswahl erträglich.
Ein wenig Sorge hatte ich schon, so ohne Reservierung. 
20 Minuten zu Fuß, nach 5 nehme ich die Schuhe in die Hand. Auf dem Weg entdecken wir ein neues kleines Restaurant, das wir uns vornehmen, beim nächsten Mal zu testen.

21.10 h - Auftritt in der "Bar Zoud"
Wir ergattern einen Tisch ohne "Reserviert"-Schild auf der großzügigen Terrasse. Sind erleichtert, lachen. Nehmen uns in den Arm und vergewissern uns gegenseitig, wie wenig schlimm das doch alles wäre. Dabei kreuzen wir beide unsere Finger hinter dem Rücken.
Die Kellnerin kommt, wir bitten um die Speisekarte. 
"Die Küche hat zu." ist die freundliche Antwort.
Ich verstehe nicht. Was heißt das, die Küche hat zu?
"Zu viele Menschen."
Das glaube ich jetzt nicht. Wie kann so etwas an einem solchen Abend den zwei gleichen Personen passieren? Haben wir unser gutes Karma in Deutschland gelassen?
Ich lache, damit ich nicht weinen muss. Wir gehen.
Unterwegs ein Blick über´s Telefon in die Internetweiten der Restaurantkritiken in Zandvoort. Lächerlich!
Wir lassen uns treiben. Schlendern zurück in die Ortsmitte. Ich wieder barfuß. Meine Schuhe bringen mich um. 

Mehr oder weniger verzweifelt gehen wir in das kleine, französisch anmutende Restaurant, das wir vorhin entdeckt haben. Rote Plüschsessel, hochglanz polierte Nussbaumtische, eingedeckt, schöne Weingläser, tolle Theke mit frischen Fischen auf Eis.
Wir lassen uns sprichwörtlich fallen und vor lauter Erschöpfung und Enttäuschung stellen wir uns nicht die Frage, warum dies das einzige Restaurant in ganz Zandvoort ist, das nur 3 Tische belegt hat. Ordern eine große Flasche Wasser und die Karte. 
Ich weiß. Sage nichts. Die Karte hat die Abmessung eines Tischsets und ist laminiert. Darauf gebackener Fisch in allen Variantionen. Wir haben das Gefühl, in einer Edel-Pommes-Bude gelandet zu sein. Das Wasser kommt auf den Tisch, ohne das auch nur der Verschluß aufgedreht wäre. Wir wollen es gar nicht eingeschenkt haben, aber wir wären für Kleinigkeiten so dankbar. 
Zahlen und Gehen ist Eines. Auf die fast verzweifelt klingende Nachfrage der Chefin, was denn nicht stimmen würde, sagen wir müde aber immer noch freundlich, dass alles ganz wunderbar wäre, wir würden nur gerne etwas exklusiver und so...

Gegenüber vom "Albatros" gibt es das "Café Neuf". Dort nimmt P. gerne sein Zandvoorter Frühstück zu sich (s. o.), oder mal den Nachmittagskaffee, auch mal einen Salat, aber dort so richtig essen? In mehreren Gängen?
Aber dann schauen wir  auf die ausgehängte Karte. Surf & Turf! Yippieh!
Hinein!
Wir lassen uns tief in die Couch auf der Terrasse fallen. Bestellen Vorspeisen und zweimal Surf & Turf. Sagen uns, dass alles gut wird. Das es so sein sollte. Machen dem Albatros gegenüber lange Nasen. Rufen "Shame on you"! Schwören nie mehr wieder dort hinzugehen und wenn Sie uns die geliebte Königskrabbe .... nee, das kann ich nicht wiederholen!
Die Weinkarte ist ein Witz für das, was wir vorhaben. Wir machen aus der Not eine Tugend und bestellen Torres.
Der einzige, der annähernd zum "Surf & Turf" passen würde, die Vorspeisen abdecken könnte und dann auch noch P. schmeckt.
Der Kellner kommt mit dem Wein und einer schlechten Nachricht. Surf & Turf ist aus.
Was soll man da sagen?
Mir fällt der Kopf auf die Tischplatte. P. sagt, das würde gar nicht stimmen, ich hätte die Contenance bewahrt. Das glaube ich ihm nicht.
Wir können und wollen nicht mehr woanders hingehen. Wir bleiben wo wir sind und bestellen um.
Das Essen ist mäßig, allerdings das Vitello Tonnato von P. wirklich gut.
Ich bestelle kleine Seezungen in Butter gebraten und bitte statt der Fritten um Risotto.
Bekomme ein Schwertfischsteak mit Risotto, lasse es zurückgehen und esse P. die gratinierten Jakobsmuscheln weg. Während das Risotto kalt wird. Dann kommen meine Seezungen, die sind mit Gräten und paniert, das Risotto ist totgekochter Reis, aber das ist egal, es ist eh kalt.
Das Sushi ist ok, aber die Wasabipaste hat Farbe, Konsistenz und Geschmack von "Slime".
Es wird dunkler und dunkler, die Bilder immer schlechter. Die Hauptspeise fällt daher hier aus. 
Nach 3 Flachen Torres sind wir entspannter. Um kurz vor 12 rase ich rein,  währendessen P., mich im "Ladies-Room" wähnend,  Sekt bestellt. Auf meine Bitte nach "Happy Birthday" von Steve Wonder verspricht mir Henri, der Manager, um 12 die Musik auszumachen und mit allen selber zu singen. Was soll denn noch schiefgehen heute? Ich lasse ihn machen.  
Punkt 12.00 h.  Henri kommt auf die Terrasse! Brüllt laut in die Runde.
Ich verstehe nur "P." und "Geburtstag" und "Vierzig". Und ich schwöre- alle Gäste singen! Es ist eine Kakophonie! Als würde ganz Zandvoort mit uns feiern! G R OS S A R T I G ! Alle lachen und prosten uns zu! Noch minutenlang klingen  Gläser und Gesänge nach.
Herni und ich fallen uns in die Arme.
P. und ich bleiben bis 1.30 h. Lachend und beschwingt geht´s in die Pension. Bizzelwasser holen. Die Tüte mit Geschenk und Equipment.
Ab an den Strand.
Wir füllen unsere Gläser.
Ich stecke die Riesenwunderkerzen in den Sand und zünde einen Lichtkreis. Wir fallen uns erst in die Arme und dann in den Sand.
Lachen! Freuen uns unseres Lebens, unserer Zweisamkeit und unserer Liebe.
P. packt sein Geschenk aus. Ist sprachlos. Voller Freude. Reisst sich die Sachen vom Leib und springt in die Fluten. Nackt im Mondlicht.  Punkt  10 der Liste! Ich falle vor Müdigkeit um und bette mein Haupt in den Sand. 
Und jetzt stell Dir mal vor, alles wäre so gewesen, wie erträumt. Was hätte ich Dir dann hier erzählen sollen?

18.07.10

Junge, Junge, nochmal davongekommen... Tomaten-Basilikum-Huhn auf Spaghettini

Ehrlich! Glück gehabt, oder? Stell Dir mal vor, ich hätte hier vor laufender Kamera sozusagen einen Uruguayaner zerhacken müssen!!!

Prinzipiell hätte das gut in mein Vorhaben von der Teilnahme am Event für "Kulinarisches aus Film und Literatur" gepasst. Ich dachte da an einen Post im Zusammenhang mit Peter Greenaway´s "Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber", Thomas Harris´ "Hannibal" und dem Buch "Ich fraß die weiße Chinesin" von Duca di Centigloria. Weißt Du, bei soviel Menschenfleisch im heimischen Kochtopf wäre es darauf auch nicht mehr angekommen.

Das Event habe ich verpasst, schade, wollte ich doch ein lange besprochenes Rezept für Nierchen einreichen. Klar, dass ich keinen Menschen verspeise, was denkst Du denn- aber ein wenig wohliger Grusel könnte vielleicht im Zusammenhang mit den o. g. Geschichten erzeugt werden, wenn Innereien auf den Tisch kommen. Das Event selbst ist mir eines der Liebsten seit langem gewesen. Du weißt als regelmäßige Leserin/regelmäßiger Leser wie cineastisch ich geprägt bin. Und auch wenn ich es aus Zeitgründen nicht geschafft habe, daran teilzunehmen, darf ich doch an dieser Stelle auf meine Rubrik "Literaturkochen" aufmerksam machen. Besonders am Herzen liegt mir dabei der Post über die Kalbsrouladen aus dem Hause Tom Ripley´s, eines meiner Lieblingsschurken in der Literatur.

Nungut, heute also kein Menschenfleisch, aus Zeitgründen kein Event, überhaupt gibt es bei mir in den letztenWochen immer nur "schnell schnell" und "zack zack" und "komm, wir gehen essen". Geplant zu bloggen  waren außer den Nierchen noch
"Lachsfilet auf der Haut gebraten/Maldon Sea Salt/Kombualge/Mohn/Spaghettini/Ruccola/Pinienkerne"
Von Auswahl meiner Gerichte
oder Fenchelrisotto mit Salsiccia und Lakritzhauch

Von Auswahl meiner Gerichte
und einige andere mehr...
Dann kam mir mal wieder fb dazwischen. Wie wir mittlerweile wissen, nicht wie von Milliways erst vermutet, der "Verschreiber" für DG = Dachgeschoss, sondern dieses Ding, das alles weiß, was Du ihm erlaubst zu wissen. Und nachdem ich dieses Bild
eingestellt hatte ging es los. Alle viele wollten das Rezept. Pronto. Nagut, sollt Ihr haben. Die Spanferkelbrust, das perfekte Frühstück, von mir entdeckte Verspätungsentschuldigungen unserer Tochter für die Schule, all das muss warten für das perfekte Sommer-Geflügel-Essen.

Du brauchst einen ehemals glücklichen Mistkratzer. Nimm kein unglückliches Huhn, das Essen wird Dir nicht schmecken! (ich weiß auch, dass ich mich wiederhole!)
Den stopfst Du  ordentlich voll mit Knoblauch und frischem Basilikum
und reibst ihn ordentlich mit Pfeffer und Salz ein.
Dann brätst Du sehr sanft in etwas Olivenöl ca. 100 g getrocknete Tomaten in einem Bräter an, in den später auch das Huhn passt. Nimmst die Tomaten heraus, gibst das Huhn hinein und brutzelst es in dem ausgetretenen Saft der Tomaten und dem Olivenöl vorsichtig knusprig an. Das braucht Zeit, Du musst das Huhn dabei in Ruhe auf alle Seiten drehen, d. h. auch in der Seitenlage im Topf abstützen.
Gib die Tomaten wieder hinzu, lösche alles mit ca. 200 ml trockenem Weißwein ab (Grauburgunder eignet sich gut, nimm keinen Riesling) und gieße mit Geflügelbrühe auf, bis alles zu 2/3 bedeckt ist.
Dann gibst Du eine Menge (mindestestens 12) gelbe Tomaten hinzu, legst den Deckel auf und lässt alles bei ganz kleiner Hitze ca. 40 Minuten schmoren.
Nimm das Huhn und die Tomaten heraus, lass alles  etwas abkühlen.
Etwaige Basilikumblätter, die aus dem Inneren entwichen sind, werden ebenfalls herausgefischt.
Dann pürrierst Du alles durch. Das ergibt eine herrliche, leicht säuerliche Brühe. Diese streichst Du durch ein Sieb und lässt sie auf ca. die Hälfte einkochen. Jetzt kannst Du würzen. Mit etwas Sahne verfeinern. Eventuell mit Pfeilwurzmehl binden. Die  getrockneten roten Tomaten wieder hinzugeben.
Das Hühnchen von den Knochen fieseln und in groben Stücken in die  Sauce geben.
Gib eine Prise Zucker dazu.
Dann entledigst Du eine weitere Basilikumpflanze ihrer Blätter, hackst diese klein und hebst sie vor dem Servieren unter die Sauce.
Dazu gibt´s Spaghettini.

Pinienkerne, leicht angeröstet, passen sicher auch. Und nein, ich würde keinen Parmesan dazu geben! Wichtig ist, die Metamorphose von rheinhessischem Mistkratzer zu italienischem Sonnenhuhn zu vollbringen. Dazu braucht es etwas Feingefühl um der Sauce die Säure zu nehmen  und den mediterran-sorglosen Umgang mit Basilikum und Wein.
Ein leicht kühler Chianti im Glas, Sonnenschirm auf der Terrasse, Oleanderblütenduft in der Nase - Herz, was willst Du mehr!

08.07.10

Eine muss es ja machen! Zerhackter Spanier - Huhn mit Bohnen und Chorizo



Schade, oder? Hast Du es gesehen gestern? Mitgefiebert und mitgebangt?
Allerdings war es auch in weiten Strecken ein sehr unfaires Spiel! Schließlich waren die Spanier mindestens mit 15 Mann auf dem Platz! Ich weiß nicht, wie der Schiri denen das durchgehen lassen konnte!

Ich selber war mit zarten 6 Jahren das erste mal in Spanien, da war Lloret de Mar noch ein verschlafenes Küstenstädtchen und meine Eltern sind mit mir zum Campen hingefahren. Während mein Vater die Heringe in den Boden schlug und meine Mutter sich auf 4 Wochen Urlaub einrichtete, der, O-Ton: "ist, wie 4 Wochen zuhause, nur unter erschwerten Bedingungen", stromerte ich über den Platz um neue Freundschaften zu schließen. 

Woran ich mich nicht mehr erinnere, was aber Arthur immer wieder kolportiert, ist, dass ich nach ca. 30 Minuten weinend zum Zelt zurückkam. Nachdem meine Eltern mich beruhigt hatten, habe ich unter Schluchzen geklagt, dass mich keiner verstehe. Das ist streckenweise natürlich heute noch so. Nur fange ich deswegen nicht mehr an zu weinen. Man gewöhnt sich im Laufe der Jahre an so vieles.
Bis zu diesem Zeitpunkt damals wusste ich jedenfalls noch nichts von der babylonischen Spachenverwirrung. Nachdem mir von meinen Eltern erklärt wurde, dass mich dort keiner ärgern wollte, dass man mich aus ganz pragmatischen Gründen heraus nur verbal nicht verstand, war alles wieder gut. Ich düste los, um mich mit Händen und Füßen zu verständigen. Herrliche Ferien wurden das! In der 9. Klasse habe ich Spanisch als dritte Fremdsprache dazugewählt, die Verbundenheit ist also immer geblieben. Leider habe ich von den Sprachkenntnissen einiges vergessen, so dass sich an meiner Verständigungsfähigkeit bis heute nicht viel geändert hat. Hände und Füße sind immer noch meine bevorzugten  benötigten Kommunikationsmittel bei spanischsprechenden Mitmenschen.

Aber jetzt ist erstmal Schluß mit der Sympathie. Alles hat seine Grenzen! Ich würde auch gewisse Octopusse essen, wenn ich sie denn mögen würde. Obwohl- wenn es der Sache dient, esse ich auch so einen Gummipaul. Zum Glück nehmen mir das andere aber ab. Ich kann mich auch echt nicht um alles kümmern!

Ich zerhacke also etwas Spanisches. Da kein Fußballspieler zur Hand, eine Wurst. Eine feurige Chorizo. 
Diese wird in etwas Olivenöl ausgelassen, unter Zugabe von Tomatenmark angeröstet und mit einem Schuß Osborne abgelöscht. Das lasse ich einkochen, nehme den wimmernden Spanier heraus und stelle ihn warm. Im ausgelassenen Fett brate ich ein zerteiltes Huhn von allen Seiten goldgelb an, dabei kommt Pul biber zu großzügigem Einsatz. Wenn alles schön angeröstet ist, kommt die Brust vom Huhn heraus, der immer noch heulende und jetzt auch schwitzende Spanier wieder hinein und eine Ladung weiße Bohnen obenauf.
 
Dazu muss ich folgendes sagen: Eigentlich sollten es in diesem Fall große weiße Bohnen sein. Eigentlich sollten sie getrocknet und eingeweicht werden. Uneigentlich ist dafür nicht immer Zeit und neben Kichererbsen gehören weiße Bohnen in Dosen zu meinen Standardvorräten für die schnelle Küche. 

Mit Geflügelfond aufgegossen schmort alles ein wenig vor sich hin. Dann kommt das Bruststück wieder dazu und darf im Sud feurig und saftig werden.
Am Schluß wird mit Paprika, Pfeffer, Salz und Ysop abgeschmeckt.
Von Auswahl meiner Gerichte

Und je heißer der Spanier das Wetter, desto schärfer sollte der Eintopf werden. Lass es raus. Schwitze und stöhne. Nimm Dir noch ´n Glas Wein. Freu Dich auf das Spiel um den 3. Platz. 
Bis dahin kannst Du noch hier bei "Valentinas Kochbuch" ein neues Interview mit mir lesen - falls Du noch nicht genug von mir hast. ;) 

Weitere Rezepte mit Chorizo findest Du hier:
Von Auswahl meiner Gerichte
 
oder
Von Auswahl meiner Gerichte

oder
Von Auswahl meiner Gerichte

05.07.10

Für Susanne! Überwachung total - Hühnerflügel mit Muscovado-Leber in Panko auf Rucola und Austernpilzen


Seit einiger Zeit kann ich bei Petra vom Kaffeeklatsch keine Kommentare mehr hinterlassen. Das Gleiche geschah bei Martin von der Kochessenz und Franz von einfach köstlich.
Das Phänomen trat in allen genannten Blogs am gleichen Tag auf.
Seltsam, oder?
Bist Du Blogger? Hast Du so einen kleinen Zähler in Deinem Blog versteckt, auf dem Du genau sehen kannst, wer Dich besucht?
Ich habe den. Ist auch gar nicht versteckt, den kann hier jeder sehen. Es gibt Blogger, die machen ihre Zähler unsichtbar, warum auch immer. 
Interessant ist, WER sich so zu Dir verirrt. Wer immer mal wieder bei mir zu Besuch kommt ist der CIA. Ohne Quatsch. Das war schon so vor meinem Post, in dem ich die westlichen und östlichen Geheimdienste verballhornt habe. Hier.
Und nachdem jetzt meine Kommentarfähigkeit eingeschränkt war, verstieg sich P. direkt auf die Idee, wir würden überwacht. Von wem auch immer. CIA. FBI. Die ja mal zuerst, oder?

Er glaubt, sie belauern mich, bis ich eines Tages in Osama sein Laden einkaufe und nicht mehr beim Gewürz-Müller. Und dann? Dann kommt google und verhaftet mich. Aufgezeichnet von streetview vor den Augen der Nachbarn. Über Satellit mit Google-Earth auch im pakistanischen Hinterhügelland in Osamas Höhle zu verfolgen. Der lacht sich derweil aufgrund der Zeitverschiebung schon mal in den Schlaf. Dann kommen chrome und buzz, vertweeten mich, bei facebook gibt es blöde Kommentare an meiner Pinnwand und die ersten meiner Freunde streichen mich von der Liste. Macht nix, dann muss ich auch keine Anfragen mehr ertragen, ob ich helfe, Äcker zu pflügen oder Fische zu adoptieren. Hat also alles seinen Vorteil. 

Aber der Sushi-Lieferant weiß auf einmal, dass ich hot spicy thun besonders mag. Das macht mich kurz stutzig. Wer hat ihm das jetzt erzählt? Achso, habe ich selber geschrieben in irgendeinem Blog oder Komentar. Schön blöd von mir. Huhu Mossad - wisst Ihr schon? Ich stehe auf koschere Speisevorschriften und mag Bagels. Oder ist das getürkt (hehe), dass die Bagels von den Juden erfunden wurden? Vielleicht ist das so ein lukullisch-geheimdienstliches Paradestück von Euch. So wie das blöde Chop-Suey in China keine Sau kennt.

Wenn Du P. fragst -ganz üble Machenschaften sind das! Warum die aber jetzt gerade mich beobachten? Hast Du eine Idee? Vielleicht gibt es so Schlagworte, die immer wieder herausgefiltert werden. Das Wort "Verbrechen" taucht hier in nur 3 Posts auf, für "Terroristin", "Spionage" und "Banküberfall" gibt es hier im Blog keine Verlinkung. Bis jetzt. ;) Spätestens wenn dieser Post erschienen ist, ist das alles anders. Dann rattere ich mit Getöse durch die Suchmaschinen, die werden ihre helle Freude an mir haben! Mit Osama! Und sein Laden. Bin. Nur so zum Spaß! 
Und jetzt schreibe ich noch was dazu. Die flippen völlig aus, wart´s ab.  
Russen. Satellit. Chinesische Mauer. Korea. Wall Street. Crash. Tobin-Tax, Sarah Palin, ach quatsch, Wagenknecht. Wenn schon, denn schon.  
GYSI! 
Also, der Blog hier ist versaut. Wenn Du also noch ein paar wirklich schlimme Wörter für Geheimdienstsuchmaschinen hast - hier kannst Du sie loswerden!

Martin und Franz konnten das Problem übrigens lösen. Petra noch nicht, ich hoffe aber drauf. Liegt alles an Strato. Strato wer?
Und warum das hier alles für Susanne? Die hat gewonnen! Hier! Mit wessen Hilfe, darüber möchte ich an dieser Stelle nicht nachdenken. Wer weiß, wo sie  auf einmal herkommt. Aber da der Kochplattenteller auf Huhn steht, gibts jetzt auch noch was vom selben.

Genaugenommen gab´s das ja schon gegen Ghana, daher die afrikanische Gewürzaffinität.
Hähnchenflügel gewürzt hiermit:
Im Bratensatz der Hühnerflügel (die derweil im Ofen warm stehen) die Austernpilze durchschwenken, in einer weiterern Pfanne die in Panko gewälzte Geflügelleber rosa braten, salzen, pfeffern und mit Muscovado-Zucker aromatisieren. Alles zusammen auf dem Rucola anrichten.
Und zum Schluss noch ein Wort hinterher. Falls das alles da oben nicht gereicht hat.
KOMMUNISMUS. IN GROSSBUCHSTABEN!
So Jungs, macht was draus, ich warte!