30.10.10

Emily, verzweifelt gesucht! Arthurs Tochter auf der "Chefsache 2010"



Jetzt werde ich doch tatsächlich schon gefragt (von Hesting), wann ich denn endlich mal wieder kochen würde.
;)
Liebe Hesting, ich koche fast jeden Tag. Manchmal vor Wut aber meistens warm. Nur- nicht jede schnelle Küche nach einem langen Tag eignet sich zum Bloggen. Das Essen ist natürlich immer Eins A *gg, aber ich leuchte nicht jedesmal die Küche aus, um zu dieser Jahreszeit anständige Bilder machen zu können.

Und heute? Wieder nix zu essen für Dich, sorry. Aber nicht nur Speisen, auch Geschichten sollte man servieren, solange sie noch warm sind.

Die Chefsache 2010 stand an. War ja wohl klar, da musste ich hin. Leider teuer. € 150,00 die Karte. grmpf...
Aber wie konnte ich mir dieses Programm entgehen lassen?
Réne Redzepi,
...mit Herrn Dollase und dessen wallendem Haupthaar... Ehrlich, da trafen im Interview zwei Welten aufeinander! Aber Dollases Bericht in der aktuellen Effilee ist sehr lesenswert!
Harald Wohlfahrt, Joachim Wissler, Ralf Bos, Heiko Antoniewicz & Darren Teoh Min Guo, Toni Mörwald, Heinz Hanner und viele viele mehr...

Und dann entdeckte ich als einen der Hauptsponsoren Frank Domnick. Der "Macher" meiner Emily. Du erinnerst Dich? Sie war Praktikantin auf Zeit in meiner Küche und hat dabei für allerlei Zerwürfnisse gesorgt.

Und weil  ich sie so doch so vermisse, dachte ich mir, es wäre schön sie dort wiederzutreffen.
Und weil sie es bei mir so gut hatte, habe ich den Frank einfach mal gefragt, ob er mir eine Karte sponsert.
Nach ein bisschen bangen Wartens hat er wirklich noch eine für mich aufgetrieben! Danke Frank! Und jetzt habe ich meinen eigenen Sponsor! Cool!  An der Kasse lag nämlich dann die hier für mich bereit:
Ich war delegiert! Und fühlte mich vor allem sehr priveligiert! 
Und fuhr morgens nach Köln ins E-Werk. Tolle Location, die ich noch von einem Konzert der Jazzkantine kannte.
Und als es dann  langsam losging und ich so herumschlenderte, da sah ich auf einmal Emilys. Aber nicht meine. Sondern die modernen Schwestern. Guck hier, rechts und links auf dem Tisch, da stehen sie:
Aber "meine" war nicht dabei. Also weitergesucht...
neeeeeee, knurrte der Knurrhahn. Hier isse nich!
Ich denk mir, nun hau hier mal nicht so auf die Kacke, Du Blödmann, sonst hau ich Dir mit dem  Rochen eins über! 
Am Stand vom Frischeparadies habe ich erfahren, dass es eine neue Methode gibt, Hummer zu töten. Nicht dass irgendein Koch auf der Welt Probleme hat, ihn ins kochende Wasser zu werfen. Aber erstens kann sich niemand auf Dauer der Diskussion um die verschiedenen Schlachtmethoden verschließen, und  zweitens  sorgt die neue Methode, den Hummer mittels Druckluft in einer kleinen Box innerhalb von Sekundenbruchteilen (ob das so stimmt?) zu töten dafür, dass sich das rohe Fleisch wie von selbst aus der Karkasse löst. So stehen der Köchin neue Methoden der Zubereitung zur Verfügung. Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft wird es Hummer nach diesem Verfahren getötet in den Geschäften geben. Ein Schelm, wer Böses denkt...

Auf der Suche nach Emily stieß ich auf diese seltsamen Gesellen:
Sehen aus wie kleine Melonen, schmecken nach Gurke mit ein wenig Pfeffer hintendran, heißen Pepquinos. Da dieser Name geschützt ist, nehme ich an, Koppert hat ihn erfunden.
Die Venus Vase, eine Becherpflanze aus dem Regenwald in Südostasien. Fleischfressend. Aber zum Servieren eines Aperitifs doch ein "burner"! Vorgemerkt für die nächste Terrassenparty!
Und Emily? Immer noch nix...
Dafür
Austernblätter. Die mag ich nicht. Austern auch nicht. Ich bin mir aber sicher, bei Chezuli mal ein Rezept mit den Blättern gesehen zu haben.
Danke für die Blumen, Ihr Menschen von "Koppert Cress", aber wenn Eure Repräsentantinnen am Stand auch nur annähernd so interessant, entzückend und nett gewesen wären, wie Eure Werbung und Produkte, dann machte es noch viel mehr Spaß, bei Euch einzukaufen. Wetten dass?

Emily, wo bist Du???

Bei Sosa
ergötzen sich alle an einem gefriergetrockneten Granulat, das nach Frankfurter Würstchen schmeckt. Original.
Mir wird übel.
Zum Glück steht gegenüber Ralf Bos mit seinem Stand. Und freut sich echt, dass ich da bin. Keine Sau kennt Astrid Paul, aber bei  Arthurs Tochter sagen alle ohhhh und ahhhh! Schön ist das!
Ich habe vorsorglich auch eine Kopfbedeckung aufgezogen, ohne die (er)kennt man mich ja kaum. :)
 
Dort probiere ich fermentierten Knoblauch.
Der schmeckt nach Lakritze. Erstmal. Aber dann kommt so über´n rechten Backenzahn eine leichte Bitterness von zu lange geschmortem Knoblauch. Fast wie ein Auszluschtern. Ich überlege noch, ob ich das brauche, und stärke mich derweil bei Ralf mit spanischem Schinken.
Und Champus.
Und Wein vom Patrick.
Die "Overtüre" geht nicht in den Verkauf, die wenigen Flaschen im Jahr gehen nur für Freunde drauf. Prost! Ich dezimiere dann mal  den Bestand für die nahe Verwandtschaft und bedauere sehr, dass ich noch fahren muss. Wo ist doch gleich der Wagen geparkt...?
Bei Ralf gibt´s ne saugeile Aufschnittmaschine für den Schinken. Ich traue mich nicht zu fragen, wer die gemacht hat. Stell Dir mal vor, Emily noch nicht gefunden, aber schon wieder auf der Suche nach einem neuem Küchengerät... geht gar nicht!
Hey! Da ist Heiko Antoniewicz! Mit Evert Kornmayer, meinem Verleger! Und Darren Teoh Min Guo! Den Herrn ganz links kenne ich nicht.
Kinner´s, was für´n Tag! Und es ist noch gar nicht Abend!
Ich entdecke den netten Herrn Apitz von WeinWolf, den ich noch von der letzten Weinprobe im Hyatt Mainz kenne. Ein nettes Wiedersehen bei einem Glas Meininger Veltliner.
uuuups, der Herr stimmt, der Wein nicht. :) Das war eine total andere Geschichte mit Grange und so...
Das Leben kann so hart sein...
Jaaaaahaaaa! Is´ ja gut! Ich muss ja selber lachen! :))))
Der war´s:
Demeter zertifiziertes Weingut. Ich frag mal meine Austria-connection: Eline Ellja? Ente? Schon mal was im Glas gehabt? Ich liebe die Weine! Den grünen Veltliner besonders!
Aber ich schweife ab, Emily immer noch nicht gefunden und ich babbel mir hier den (Wein)Wolf....
Wo war ich denn jetzt... lenk mich doch nicht immer ab!
Ich habe weitergesucht.
Unterwegs musste ich Mango mit Olivenöl und zypriotischem Pyramidensalz probieren. Meine Frage, seit wann denn die Zyprioten Pyramiden gebaut hätten, wurde am Messestand  von "hab ich vergessen" humorlos und mit unangemessenem Unverständnis aufgenommen.
Oberlehrerhaft wurde ich aufgefordert, mein doch sicher vorhandenes Maldon Sea Salt auf Pyramiden zu kontrollieren, da gäbe es diese nämlich auch.
Humorlos wie ich bin, habe ich am Stand kommentarlos die Pralinen aus weißer Schokoladenganache mit Olivenöl weggefuttert und bin weitergezogen...
Kleiner Tip am Rande für die Weinjunkies: Schreib mal aus Versehen bei der Schokolade die Ganache falsch als Granache (Rebsorte). Die Seite, die google als erstes ausspuckt ist die von Tierparktoni. Watt? Kennste nich? Seufz... Weisste natürlich nicht, dass Tierparktoni DIN-zertifiziert mittlerweile bei  180°C bloggt.  Guckst Du hier. Und schon wieder schweife ich ab....

Emily ist immer noch nicht aufgetaucht...

Draußen geht derweil das große Grillen los.
Spareribs.
 
Endgeil. Besteck gab es leider zwischenzeitlich nicht mehr. Aber das Versprechen des Grillers/Tranchierers/Kochs, das Fleisch wäre so zart, ich könne es mit dem Löffel essen. Auch  Löffel gab es nicht und so schabte er mir das Fleisch von den Knochen. Die Spareribs aus dem Smoker ein Traum, die Ochsenbrust.... *räusper an Otto Gourmet, von denen das Fleisch stammte, geht  besser/zarter.Wenns denn mal vorher in der Emily... und dann nochmal abgesmoked...Aber man kann nicht alles haben.
Beim Schmausen noch ein unglaublich nettes Gespräch mit Helgo Karrer,
der seit wenigen Tagen Sommelier bei Alexander Herrman isst, ähh, trinkt, ähhhh:  ist. :) Spässle gemacht.
Jedenfalls hat er seinen Weinhandel in Ffm nicht mehr. Auf seinen neuesten Abenteuer bei Herrn Herrmann bin ich gespannt!

Was für ein toller Tag! Danke nochmal an Frank! Und mögen Dir nie die Hüte ausgehen! Den aktuellen  Blumenhut finde ich besonders schön! Vielleicht magst Du hier mal die Geschichte der Hüte erzählen? Ich würde mich freuen!
Und die Emily?
Die habe ich nicht gefunden. Aus einem einfachen Grund: Frank gibt sie nicht her. Emily ist sowas wie ein Museumsstück. Eine Vor-Serie. Sie wird höchstens mal ausgeliehen an so Nervensägen wie mich. Aber zurückgeben müssen wir sie alle. 
Frank versteht meine Fazination nicht so recht. Ich glaube fast, dass ich ihm ein bisschen unheimlich damit bin. Er hat mir jetzt schon mehrmals die Nachfolgerinnen "meiner" Emily angeboten. Die können viel mehr. Temperatur im Inneren messen und so...moderner in der Optik. Nicht so klinisch. Aber ich bastel gerade an einer neuen Küche. Ganz in Weiß (ohne Blumenstrauß) aber mit so einer durchgehenden Arbeitsplatte in Acryl. In weiß natürlich. Ehrlich Frank, da geht so eine Emily mit buntem Display nicht.
Ich will "meine". Ich geb´ nicht auf!
Weisse Bescheid, Frank! :))

 Und vielen Dank noch mal!

23.10.10

"Die Magie der ersten Sätze..." - Versuch einer NachLese...

Überall ist Lese.
In den Weinbergen, in denen ich wohne und in denen der intensive Geruch der in großen Haufen am Boden liegenden  Trauben mir die Sinne beim Joggen vernebelt. Run and be drunked, so to say...

In diesem Blog, in einer von mir nicht für möglich gehaltenen Intensität von Wörtern und Lieblingssätzen.

Danke! Danke! Danke! Für Deine Wörter, für Deine einleitenden Sätze in Deine Lieblingsbücher, für all das Schöne, Komische, Nachdenkliche und Schräge, mit dem Du in Deinem Kommentar den letzten Post begleitet hast!

Viel zu schade wäre er, um gänzlich vergessen zu werden!
Daher veröffentliche ich einen reinen Kommentarpost. In dem ich Deinen Kommentar kommentiere.
Oder Deinen Lieblingssatz veröffentliche. Auf dass er nicht verloren gehe! Nicht mir und auch niemand anderem!
Wenn Du einen Blog oder eine Homepage hast, verlinke ich dorthin.

Ich beginne in der Reihenfolge der Einsendungen...

1. Tin
schrieb:
JAAAAAA! Das Lesestoffproblem kenne ich ... ich habe aus Verzweiflung als Kind Beipackzettel gelesen, wenn ich auf dem Klo saß. Und Hausverbot hatte ich (fast) bei meiner besten Freundin, da habe ich mir nämlich direkt beim Reinkommen ein Taschenbuch aus dem gut gefüllten Regal geschnappt, mich aufs Bett gesetzt und gelesen ... während die Arme doch mit mir spielen wollte. Sorry, Heide ;-) ...

Liebe Tin,
das kenne ich auch! Noch heute lese ich aus Verzweiflung gerne die Inhaltsstoffe der Shampooflaschen durch!

Wolf  schrieb:
Dann ist vielleicht Italo Calvino: "Wenn ein Reisender in einer Winternacht" etwas für Dich. Das Buch besteht eigentlich nur aus Romananfängen. Nicht ganz mein Fall, aber schön erzählt.

Lieber Wolf,
davon habe ich noch nie gehört, aber es klingt wunderbar. Diesen Titel werde ich recherchieren!

Peter schrieb:
Was ist ein Rabulist? 
Ich habe auch schon als kleines Kind Bücher gefressen. Keine hochwertigen Sachen, aber Karl May komplett war schon mal drin oder auch während eines "hochinteressanten" 14tägigen Lehrgangs 72 Perry Rhodan-Romane, aber nur während der Unterrichtszeit.
Mittlerweilen habe ich immer so "Lesephasen", wobei die Spannweite sehr groß, sagen wir von Dean Koontz bis Alfons Schuhbeck. Dabei werde ich auch zum "Quer- bzw. Schnellleser".


Lieber Peter,
den Rabulisten - der bei mir mit dem Stichwort "Rechtsverdreher" am Kühlschrank hing, hat Tanja Dir sicher ausreichend erklärt.
72 Perry Rhodan-Romane! Wow! Wenn Du nicht nur in der Unterrichts- sondern auch in Deiner Freizeit gelesen hättest, wären es sicher noch mehr geworden! ;)
Ich gebe zu, eine sehr kurze, dafür lange lange verheimlichte Phase mit und von "John Sinclair"-Heften gehabt zu haben. Nicht dass ich mir auch nur eines selber gekauft hätte (das ist wie mit dem "Playboy" und der "BILD") Aber auf 72 bin ich nicht gekommen!

Milliways schrieb:
Früher als Kind/Jugendliche war ich ein 1a-Schnell- bzw. Vielleser. Ich habe in den unmöglichsten Situationen gelesen. Beim Gehen, beim Essen (was eigentlich verboten war) und vor allem unter der Dusche. Ich will nicht wissen, wie hoch unsere Wasserrechnung damals war. Mittlerweile bin ich zu einem Langsamleser mutiert. Manchmal muss ich einfach inne halten und das Gelesene mit mir selbst durchdiskutieren ;-).

Ein Lieblingssatz fällt mir spontan nicht ein, aber dieses Jahr habe ich die Stadt der träumenden Bücher für mich entdeckt, da hat's Unmengen von wunderschönen Wörtern, Namen und Anagrammen. Auch jetzt beim

wiederholten Lesen entdecke ich immer wieder Neues.

Danke Milliways,
bitte bitte erkläre mir, wie Du unter der Dusche gelesen hast!!!
Mir ist schon ungezählte Lektüre beim Lesen in die Badewanne gefallen (trotz der zeitweise sehr modernen "Badewannenbrücke"), aber zu Lesefertigkeiten unter der Dusche habe ich es bisher nicht gebracht!

Martin schrieb:
P.S. gleich gibt es Dein "Pistazien-Couscous". Mal schauen ob das was taugt?! :)

Lieber Martin,
das gehört zwar alles nicht hierher, aber inzwischen weiß ich ja, dass es gut war und hoffe auf das komplette Rezept mit der Entenbrust! :)
Und außerdem kannst Du kein "ps" ohne "s" schreiben. Das fehlt also noch... ;)

Soleil rouge schrieb:
Liebe Arthurs Tochter,
(...)
Dein heutiges Thema spricht mich unheimlich an, da mich 1. Sätze selbst total faszinieren!
(...)
Folgende ERSTE SÄTZE haben dazu geführt, dass die Sogwirkung einsetzte und ich diese Bücher mit Freude/Spannung etc.gelesen habe:

1. "Der erste Mord sollte ein Test sein. Ihr Gesellenstück gewissermaßen." (aus FINGERÜBUNGEN v. May B. Lund)

2. "Es gibt Legenden über Orte, die das Böse anziehen. Orte, an denen sich wiederholt Schlimmes zugetragen hat, als hungerten sie nach solchen Ereignissen." (aus TRIGGER v. Wulf Dorn)

3. "Punkt elf Uhr vormittags lassen sämtliche Lehrerinner in sämtlichen Klassenzimmern der McKinley-Grundschule ihre Schüler aufstehen." (aus DIE BUCHSTABENPRINZESSIN v. Myla Goldberg)

4. "Der Tod ist ein kalter Bruder." (aus HERR MOZART WACHT AUF v. Eva Baronsky)



Liebe Soleil,
keines der von Dir genannten Bücher habe ich bisher gelesen, aber Nr. 1 und Nr. 3 stehen jetzt auf meiner Liste. Dankeschön!

Täglich Freude am Kochen schrieb:
Ich habe mich total wieder erkannt. Die Taschenlampe musste ich mir immer wieder erobern.
Meine zwei Lieblingssätze sind (da brauche ich nicht lange nachzudenken)1. Fräulein Smillas Gespür für Schnee, von Peter Hoeg: Es friert, außerordentliche 18 Grad Celsius, und es schneit. In der Sprache, die nicht mehr meine ist, heißt der Schnee quanik, er schichtet sich zu Stapeln, fällt in großen, fast schwerelosen Kristallen und bedeckt die Erde mit einer Schicht aus pulverisiertem, weißem Frost.

2.Die Eleganz des Igels von Muriel Barbery: "Marx verändert mein Weltbild total" erklärt mir heute morgen der kleine Pallières, der mich sonst nie anspricht.
Großmutter packt aus ist ein phantastisches Buch, das andere ist mir unbekannt, aber nicht mehr lange.
Ich hab mich über deinen Post richtig gefreut, danke.


Liebe TFaK:
Ohja! Fräulein Smillas... ist ein ganz wunderbares Buch, leider wurde es nur mehr schlecht als recht verfilmt!
"Die Eleganz des Igels" steht schon lange auf meiner Leseliste, vielleicht liegt es unter dem Weihnachtsbaum... :)
Es freut mich sehr, dass Dir "Großmutter..." ebenso gut gefällt!

Frau Sonntag schrieb:
Herr Sonntag lacht sich immer kaputt, wenn ich die drei Bücher-Geschenke zu Weihnachten spätestens am 27.12. durchhabe und lautstark nach Nachschub verlange.
"Großmama packt aus" konnte ich damals nur zu Hause lesen, da sich die seltsamen Blicke auf diese laut lachende Frau mit dem Buch in der Hand häuften.

1. "Der liebste Platz auf dieser Welt ist mir die Küche." Banana Yoshimoto in Kitchen.

2. "So, also hierher kommen die Leute, um zu leben, ich würde eher meinen, es stürbe sich hier." Rainer Maria Rilke in Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge.


Liebe Frau Sonntag,
ich vergesse nie den 24. April 2000, Ostermontag. Da klappte ich das vortags geschenkte 526-Seiten starke "Hannibal" zu und erklärte: "fertig". P. kannte mich da noch nicht so viele Jahre und begann kurzfristig zu verzweifeln...
Mittlerweile hat er sich an mein Lesetempo gewöhnt... ;)
 ...übrigens war "Hannibal" nicht gut!


Linda schrieb:
Meine Mutter hat sich immer fürchterlich aufgeregt, weil ich beim Lesen nichts mehr von der Außenwelt wahrgenommen habe.

Einen ersten Satz habe ich jetzt nicht parat, aber einen Buchtitel.
"Früh am Morgen beginnt die Nacht". Als ich diesen Titel sah, wußte ich sofort, dass ich dieses Buch lesen muss. Ich glaube es war eines der Bücher, die mich am meisten in der Seele berührt haben. Du hast auch schon darüber berichtet.


Liebe Linda,
wie schön, dass Du dieses Buch erwähnst! Ja, ich habe darüber berichtet. HIER.
Sein "Die Musik der Wale" liebe ich ebenfalls sehr und zur Zeit lese ich gerade von Wally Lamb "Von der Seele geschrieben". Allerdings erst so wenige Seiten, dass ich noch nichts Abschließendes dazu sagen möchte.

Christina schrieb:
Schön, wie schön! Können wir uns nicht irgendwann mal über Bücher unterhalten und dabei drei Flaschen Wein trinken?
Ich kenne beide Bücher, Großmama packt aus war grandios. Irgendwie gibt es so viele gute Bücher, wunderschön fand ich auch Die Eleganz des Igels, den ersten Satz hat Magdi schon zum Besten gegeben. Und sonst ein kleiner erster Abschnitt: "Zuerst die Farben. Dann die Menschen. So sehe ich die Welt normalerweise. Ich versuche es zumindest." Markus Zusak/Die Bücherdiebin
Und was eine schöne Sprache betrifft, so lese ich den Mosebach auch ganz gerne. Der schreibt Telefon noch mit ph und das macht mich irgendwie zufrieden.


Liebe Christina,
das können wir sehr gerne und fast jederzeit! :)
Wir wohnen ja nicht weit auseinander! Aber eine kurze Frage zu den drei Flaschen - meinst Du jede von uns, oder zusammen? ;)
Ich frage nur, wegen Taxi-Vorbestellung und so...
"Telefon" mit ph finde ich ganz großartig, noch schöner als  Foto mit Ph! Sowas macht auch mich zufrieden!

Lamiacucina schrieb:
Aus "Der Sturz" von F. Dürrenmatt:
Nach dem kalten Buffet mit gefüllten Eiern, Schinken, Toast, Kaviar, Schnaps und Champagner, welches im Festsaal das Politische Sekretariat vor der Beratung einzunehmen pflegte, erschien N im Sitzungszimmer als erster.


Lieber Robert,
es wundert mich weder, dass Du hier einen Eidgenossen zitierst, noch dass von Dir ein Satz kommt, der in erster Linie mit Essen und dann erst mit Mord und Totschlag zu tun hat...

Lunchforone schrieb:
War und bin immer noch Vielleser, was daran zu erkennen war das ich als Kind grundsätzlich mit 10 dicken Wälzern meine Mama beim einpacken zur Verzweiflung getrieben habe - oder die hälfte des Buches bereits beim erreichen der italienischen Grenze (man beachte, wir wohnen nahe Stuttgart, los ging es grundsätzlich gegen 4 uhr nach) gelesen war.
Eines meiner Lieblingsbücher aus meiner Kindheit, das immer noch in vorderster Front im Bücherregal steht und als Kind meiner Uroma abgeluchst hab:

Ich glaube, eine Frau kann viel leichter bei einem Mann etwas durchsetzten, wenn sie einen runden Busen hat.
Annemarie Selinko - Desiree


Liebe Tina,
schön, dass ein solcher Lieblingssatz von einer Frau kommt! :)
Das Buch werde ich recherchieren!

Claus hat gesagt:
"jetzt wird´s psychologisch, meine Herren" in "Das Boot" bevor das Boot von zwei Zerstörern so richtig in die Mangel genommen wird - Männerkram halt!

Lieber Claus,
Hand auf´s Herz. Nur gesehen oder den ganzen "Buchheim auch gelesen?
Ich nämlich nicht. Aber vielleicht wäre es als gedruckte Lektüre für mich wirklich zuviel Männerkram...


Gottfried schrieb:
einen ersten Satz habe ich doch auch: „Zugegeben, ich bin Insasse einer Heil- und Pfleganstalt.“ Lässt sich auch ähnlich gut verwenden wie Karl Kraus.

Und das mit den Worten verstehe ich; so schön klingende wie „Allmillmööööö“ die wollen genauso regelmäßig eingeflochten werden, wie der Unterkieferrapper: „Koalitionsvereinbarung“. Und im Frühjahr immer wieder gerne genommen, der beliebte Gaumendrücker, das „Breschtlengsgsälz“.


Lieber Gottfried,
wie schön! Ich kann es nur wiederholen! :)
Und wieder etwas gelernt, hatte ich doch in Erinnerung als ersten Satz etwas Ähnliches wie:
"Ich erblickte das Licht der Welt in Form einer 40Watt Glühbirne".
Allmilmö ist natürlich ein Klassiker des gesprochenen Wortes, Deinen Unterkieferrapper habe ich jetzt einige Male laut vor mir hergesagt, resp. gerappt, und kann Dir nur recht geben. Wobei ich als Folge nun einigen Zeugen und Zeitgenossen gegenüber den ersten Deiner Sätze passenderweise entgegenhalten könnte.
Das "Breschtlengsgsälz" ist mir fremd und bedarf mir als "Preiß" gegenüber weiterer Erklärungen!

Houdini hat gesagt:
Du bist oberhammer!!

Lieber Houdini,
Danke! Was soll ich sonst dazu sagen?! :)) Ausser "prost" vielleicht, Dein aktuelles Profilbild passt gerade so schön dazu...

Tanja schrieb:
Ja, Du bist der Ober-Oberhammer!!
:-)


Liebe Tanja,
zu dieser Steigerung fehlen mir die Worte! :)
Ich danke Dir jedenfalls, dass Du auch meine Ausflüge jenseits des Herdes und des Backofens mit mir unternimmst...

Juliane schrieb:
Ich bin auch ein Bücherwurm, meine Eltern haben es aber hingenommen, dass ich früher bei jeder Gelegenheit gelesen habe und haben gnädig darüber hinweggesehen, wenn ich nachts wieder "heimlich" gelesen habe - ich denke, sie haben sich wiedererkannt ;-)

Ich kann mir aber ehrlich gesagt keine "ersten Sätze" merken, ich weiß nur, welche Bücher mir unglaublich gefallen haben, und da gehören sowohl "Die Bücherdiebin", "Die Eleganz des Igels", "Fräulein Smillas Gespür für Schnee" als auch "Die erstaunliche Geschichte des Max Tivoli" dazu (wobei das ja im Prinzip die gleiche Story wie bei F.Scott Fitzgeralds "Benjamin Button" ist).Schönes Thema!Viele Grüße und schöner Tag noch,
Juliane


Liebe Juliane,
schön, dass Du noch einmal auf die Verwandtschaft von Benjamin Button und Max Tivoli hinweist. Allerdings habe ich von Fitzgerald nur "Der große Gatsby" und "Zärtlich ist die Nacht" gelesen. Insofern kann ich die Ähnlichkeit der Romane nicht beurteilen. Das verwandte Thema ist mir deutlich, aber nicht die darauf beruhende Intention.
Ich hatte vor einiger Zeit einmal die Gelegenheit, mich mit Roger Willemsen bei einem Schluck Wein am Anschluß an eine Lesung über dieses Buch zu unterhalten. Er hatte die gleiche Fazination dafür.
Btw -Herr Willemsen ist ein ganz außergewöhnlicher Gesprächspartner!

Typograph schrieb:
Woraus bemerkenswerter Weise nichts hervorgeht
Über dem Atlantik befand sich ein barometrisches Minimum; es wanderte ostwärts, einem über Rußland lagernden Maximum zu, und verriet noch nicht die Neigung, diesem nördlich auszuweichen. Die Isothermen und Isotheren taten ihre Schuldigkeit. Die Lufttemperatur stand in einem ordnungsgemäßen Verhältnis zur mittleren Jahrestemperatur, zur Temperatur des kältesten wie des wärmsten Monats und zur aperiodischen monatlichen Temperaturschwankung. Der Auf- und Untergang der Sonne, des Mondes, der Lichnvechsel des Mondes, der Venus, des Saturnringes und viele andere bedeutsame Erscheinungen entsprachen ihrer Voraussage in den astronomischen Jahrbüchern. Der Wasserdampf in der Luft hatte seine höchste Spannkraft, und die Feuchtigkeit der Luft war gering. Mit einem Wort, das das Tatsächliche recht gut bezeichnet, wenn es auch etwas altmodisch ist: Es war ein schöner Augusttag des Jahres 1913.


Während ich, bevor Karrer verrückt geworden ist, nur am Mittwoch mit Oehler gegangen bin, gehe ich jetzt, nachdem Karrer verrückt geworden ist, auch am Montag mit Oehler.
@ Thomas Bernhard "Gehen"

Das Buch sollte eigentlich "Eine schießschartengroße Ritze für das Licht" heißen. Aber mein Verleger hat mir diesen Titel schlicht verboten. Er sei zu ordinär.
@ Arnold Stadler "Mein Hund, meine Sau, mein Leben"

Bloß Gärtner.
Ich weiß, daß ich mir mit dem, was ich sage, das züchte, was mir dann blühen wird.
@ O.P. Zier " Der rettende Sprung auf das sinkende Schiff"


Und hier noch ein schönes isländisches Wort
Löggaeslumyndavélunum = Gesetzüberwachungslichtbildmaschine
Das Wort für die Radarkamera (Blitzer) Gesetzüberwachungslichtbildmaschine - wurzelt, wenn man es genau untersucht, in den Wörtern "muns", sich erinnern, und "ljós", Licht. 

Herzlich grüßt der Typograph

Lieber Typograph,
bei solche Sätzen darfst Du sie formatieren, wie Du möchtest!
Den Musil habe ich so lange nicht mehr in der Hand gehabt!
Von Thomas Bernhard wollte ich fast aus dem "Untergeher" zitieren, dachte aber, dass einer der Anfangssätze aus diesem Buch in keinster Weise der Länge der Sätze auf den folgenden Seiten gerecht wird.

Und bitte versprich mir, wenn wir noch einmal in einem Kochkurs beim Zwiebelwürfelschneiden beieinander sitzen, dann unterhalte mich in der tränenden Phase meiner Augen mit diesen prosaischen Kleinoden!

Karin Spritra schrieb:
Eine Stunde bevor er sich erschoß, rief mein bester Freund Philip Stryhorn an, um sich über Daumen zu untrhalten. "Ist dir schon mal aufgefallen, dass du deine Daumen nie saubermachst, wenn du dir die Hände wäschst?"
>>> Ein Kind am Himmel von Jonthan Carroll <<<


Liebe Karin,
wie schön, dass Du den Weg von fb hierher gefunden hast!
Ich habe das Buch nicht gelesen, aber schon fest auf meiner Liste!
Danke für diesen schönen Satz! Ist es der erste aus diesem Buch?

Isi schrieb:
Das ist einer deiner schönsten Posts. Ich habe zwei Lieblings-erste-Sätze. "It is a truth universally acknowledged, that a single man in possession of a good fortune must be in want of a wife" Das kennt jeder, oder? Es ist natürlich Stolz und Vorurteil. 1984 beginnt so "Es war ein strahlend-kalter Apriltag, und die Uhren schlugen dreizehn."

Liebe Isi,
danke! Mir ist es gerade noch einmal kalt den Rücken herunter gelaufen. Ich erinnere mich noch dunkel an die Wucht der Sätze, wenn ihn von hinten die Kugel trifft. Aufgrund des Satzes aus "1984" natürlich, nicht wegen des Buches von Jane Austen, obwohl ich auch dieses sehr liebe! Und Du hast es im Original gelesen?
Das ist mir immer zu anstrengend, bzw. mein Englisch ist zu schlecht, um Romane zu lesen.  Ich bewundere meine Tochter, die mittlerweile wohl sogar auf Englisch träumt. :)

Eline schrieb:
Ich hab als Kind immer mit Taschenlampe unter der Bettdecke nächtelang durchgelesen. Ich kann mir ein Leben ohne Lesen nicht vorstellen.
Und ich bewundere dich, dass du dir erste Sätze merkst. Das kann ich nicht, ich bin so eine oberflächlichee Schnellleserin!


Liebe Eline,
um dass die ersten Sätze bei mir bleiben, muss ich ähnlich verfahren wie mit den Wörtern, die ich sammele. Ich schreibe sie auf, hänge sie mir irgendwo hin und lese sie immer wieder, bis sie bei mir sind.
Nicht alle behalte ich wirklich, aber ich weiß immer, in welchem Buch sie stehen! ;)

Hesting schrieb:
Ich merke mir erste Sätze auch nicht.
Meines Erachtens sagen sie wenig über das Buch aus.
Das soll jetzt keine Kritik an Dir sein, aber eine gewisse Frauenzeitschrift hat mal ein bestimmtes Buch eben mit dessen erstem Satz beworben ... fand ich doof. :|


Liebe Hesting,
es ist wie ich schrieb, manche erste Sätze sind Blender. Sie sagen nicht aus über ein Buch.
Ich persönlich finde ja eher Frauenzeitschriften doof, insofern interessiert mich nicht, was diese schreiben und bewerten. ;)

Christel aus Berlin schrieb:
Wegen meiner schon frühkindlichen Leselust hat meine Mutter nie erfehren, wie schnell ich eigentlich Kartoffeln schälen konnte: Unter dem sonntäglichen Kartoffelkorb, der sich auf meinen Knien befand, lag regelmäßig ein Buch, das ich las, und nur wenn ich Schritte hörte verschwand es wieder in der Versenkung, während die nächste Kartoffel flink geschält in den Topf wanderte. Und das Taschenlampen-Lesen kenne ich natürlich auch.
Etwas o.t.; als wir Anfang der 60iger das erste Telefon bekamen, habe ich auch das Taschenlampen-Telefonieren praktiziert. Unglücklicherweise mit einem Freund außerhalb Berlins. Das ging nur bis zur ersten Telefonrechnung gut, dann gab es ein Schloss an der Wählscheibe. :-(

Herzlichen Dank für deine wunderbaren Blog-Ideen sagt
Christel aus Berlin


Liebe Christel,
im Schein der Wählscheibe zu lesen ist noch wunderbarer, als im selben des Türspaltes!
Kartoffeln schälen und dabei zu lesen ist genauso verrückt, wie das Lesen unter der Dusche, dass Milliways uns noch erklären muss!
:)
Auf diesem Wege möchte ich noch kurz loswerden, dass ich sehr hoffe, bald wieder etwas mehr Zeit und Muße für einen privateren Austausch zu haben! :)
Ganz herzliche Grüße nach Berlin sende ich Dir!!!

Duni schrieb:
Mrs. Dalloway said she would buy the flowers herself

Liebe Duni,
man mag über mich die Nase rümpfen, aber ich gestehe, noch gänzlich Virginia Woolf-jungfräulich zu sein.
Ein Zustand, den zu ändern ich mehr als bereit bin! :)

Ulimengo schrieb:
"Wer fragt, will Geschichten hören..."so lautet die Einleitung zu Christoph Ransmayr "Geständnisse eines Touristen Ein Verhör"...wunderbar euren Geschichten zu lauschen.
Ich schaff es praktisch nicht, ohne ein Buch irgendwohin zu gehen und wenn ich ausnahmsweise keines dabei habe, dann geht es mir wie gestern. Ich warte eine Stunde auf jemanden und hab einmal ausnahmsweise nichts, überhaupt nichts zum Lesen dabei.(oft sind ein Stapel von Zeitungsausschnitten in meiner Tasche, die ich unbedingt lesen muss...) Sobald ich länger als 2 Tage unterwegs bin, hab ich zumindest 2 Bücher dabei..3 Wochen unterwegs? Ich reduziere alles aufs Nötigste, aber verzichte nicht auf meine Bücher. Hab dann auch schon 10 Tage mit dem Zelt in der Wüste verbracht, ohne die wichtigsten Utensilien, die im verlorenen Koffer waren, aber mit 4 Büchern und meinem Fotoapparat...Der 2. Satz im Buch von Ransmyr:.."Wer antwortet, erzählt"...Fühle mich ertappt!
Wunderbarer Bücherpost. Grazie mille


Lieber Ulimengo,
schön, dass Du hier mitliest!
Ich selbst reduziere auf Reisen ebenfalls alles auf das Nötigste, gestehe aber, immer noch zusätzlich zu den Büchern viele viele Taschen für Schuhe mitzuschleppen. :)
Im Urlaub rechne ich pro Buch 2 Tage, für Hin- und Rückflug eines. Du kannst Dir also mein Gepäck für eine 2-wöchige Flugreise ausrechnen. ;)

Ellja schrieb:
Fantastisches Thema!Da fällt mir sofort “Fight Club” ein:
You're not your job. You're not how much money you have in the bank. You're not the car you drive. You're not the contents of your wallet. You're not your fucking khakis. You're the all-singing, all-dancing crap of the world…Oder: The things you own end up owning you…Oder Bert Brecht: “So viele Berichte. So viele Fragen“Insgesamt merke ich mir die schönsten Sätze nicht, obwohl ich es mir immer vornehme… ich müsste beim Lesen der Bücher immer die Stellen markieren, aber das mach ich dann doch auch nicht so oft.
Es gibt wundervolle Sätze. Ergreifende Sätze. Schockierende Sätze. Verrückende Sätze….. steh ich auch total drauf!


Liebe Ellja,
ohne Dich persönlich zu kennen, habe ich mir fast gedacht, dass dies ein Thema für Dich sein könnte. ;)
Fhght Club kenne ich nur als Film und vielleicht sollte ich meine animalischen Triebe einmal beiseite lassen und nicht nur auf den Body von Mr. Pitt achten. ;)
Hast auch Du Bücher, in denen Du markierst, auch einmal durch das Umknicken einer Seitenecke, bei anderen das aber nicht über Dein Buchliebhaberinnen-Herz bringst? Da klebe ich dann höchstens mal einen psot-it. 

Jutta Lorbeerkrone hat gesagt:
Von diesem Post bin ich hingerissen und hellauf begeistert - kann aber nix hinzusteuern.

Liebe Jutta,
das musst Du ja auch gar nicht! Ich freu mich, wenns Dir gefällt!
Dann weißt Du jetzt, wie es mir ständig bei Deinen Rezepten geht! ;)

Toni schrieb:
Auch wenn ich hier vermutlich mit die letzten Sätze schreibe möchte ich doch meinen aktuell und seit langem allerliebsten Lieblingsanfangssatz von meinem Liebslingsautor (wiederhole ich mich?) zitieren: "jetzt ist schon wieder was passiert"Davon gibt's mittlerweile auch meine Lieblingsfilme :o)


Liebe Toni,
um herauszufinden, von welchen Büchern und Filmen Du schreibst, musste ich zugegebenermaßen googlen. 
Dabei habe ich festgestellt, noch nie etwas davon gehört zu haben. Das muss jetzt wohl beendet werden! Also ein weiterer Punkt auf meiner literarischen Nachholliste!

Von einer Freundin, Redakteurin bei ZDFneo, bekam ich im Zusammenhang mit dem vorangegangenen Post eine Tip für den folgenden Link zur Stiftung Lesen.
Ist nunmal nicht so, als hätten der SPIEGEL & ICH als erste die Idee zu diesem Thema gehabt!
Schade eigentlich...

13.10.10

"Die Magie der ersten Sätze..."



...titelte SPIEGEL Kultur im Monat Oktober. 
Und erinnerte mich daran, dass ich zu diesem Thema schon sehr lange etwas schreiben will.
Ich bin eine Sammlerin. Ich sammel z. B. Kinoeintrittskarten. Obwohl das zugegebenermaßen viel weniger Spaß macht, seitdem die Dinger nicht mehr von der gelben oder orangenen dicken Papierrolle kommen. Außerdem verblassen die seelenlosen Computerkassen-Ausdrucke schon nach wenigen Jahren. 
Eine wirklich schön gesammelte Kinokarte sieht so aus:
Da kein weiterer Name vermerkt ist, weiß ich, dass ich diesen Film alleine gesehen habe. Wollte wohl wieder niemand mit...

Ich sammele auch Metrokarten vom Parisbesuch mit meiner Tochter. Oder Zuckertütchen aus dem Café "Kafka" in Prag, gegenüber des jüdischen Friedhofs. Und ich sammel Wörter! Ich liebe nämlich Wörter. Verrückte Wörter. Unbekannte Wörter. Wörter, die sich in wundervoller und mystischer Aneinanderreihung durch begnadete Schreiber zu Sätzen entwickeln, die mich träumen lassen. Oder weinen. Oder lachen!

Als ich ein Kind war, war meine Taschenlampe stets konfiziert. Dem nächtelangen Lesen unter der Bettdecke sollte somit Einhalt geboten werden. Eine Nachttischlampe besaß ich nicht und habe auch nie eine bekommen. So lag ich - im Winter auch frierend - schon als kleines Kind mit meinem jeweiligen Lieblingsbuch an der Zimmertür und hielt immer einen kleinen Ausschnitt der Seite in den schwachen Lichtschein, der unter der Tür in mein Zimmer schimmerte. 
In der Bahnhofsbuchhandlung hatte ich zeitweise Hausverbot, weil die Bücher schließlich noch gekauft werden sollten. Ich brachte es zur Meisterschaft im Schnelllesen, damit ich ein Buch wenigstens zur Hälfte durchhatte, bis man mich erwischte.
In der Schulbücherei versteckte ich Bücher in den hintersten Ecken von Fachgebieten, in denen sie meiner Meinung nach niemand suchen würde - nur damit sie mir nicht vor der Nase ausgeliehen wurden.

Irgendwann, als ich ca. 10 Jahre alt war, gab es plötzlich im Schreibwarenhandel diese kleinen Tramp-Bücher von Pelikan, erinnerst Du Dich?
Sie kosteten DM 1,00,  passten in die Hosentasche, hatten ca. 140 Seiten und somit einen Umfang, der von mir in der großen Pause zu bewältigen war.
In der 6. Klasse gewann ich den Vorlesewettbewerb der Stadt Hannover als Klassen-, dann Schul- und später zweitplazierte Städtesiegerin. Meine Eltern sind bald durchgedreht mit mir. Arthur schimpfte immer:
"Meine Güte, Du liest, wo du gehst und stehst, das ist doch nicht normal!" und nahm mir  die neuesten VDI-Nachrichten aus der Hand.

Wenn ich ein neues Wort höre, das ich nicht kenne, schreibe ich es auf und hänge es mir an den Kühlschrank. Dort wird es so lange täglich gelesen, bis es ganz bei mir angekommen ist. Es gibt Wörter, bei denen dauert das länger, die sind sperriger, widerborstiger. Die wollen nicht bleiben.
Das Wort "Rabulist" hing fast 2 Jahre, einer meiner bisher hartnäckigsten Fälle. 

Und ähnlich wie Wörter sammel ich auch Sätze. Und zwar die ersten. Wenn ich ein Buch aufschlage, dann bekomme ich Herzklopfen vor dem Lesen der ersten Sätze. Das ist so spannend und aufregend. Wohin werden diese Sätze mich bringen? Werden sie der Beginn eines wunderbaren Leseabenteuers sein oder nur der erste Schritt in eine gähnende Langeweile? Das ist die Magie, von der der SPIEGEL schrieb. Ein Satz,  oder auch mehrere, die uns dazu bringen können, ein Buch überhaupt zu lesen. 
Nicht jedes Buch mit einem magischen ersten Satz wird zu meinem neuen Lieblingsbuch. Es gibt erste Sätze, die sind reinste Blender. 
Auch verändern sich manche meiner Lieblingssätze. Manchmal müssen sie Platz machen für neue. Aber es gibt zwei, die halten sich jetzt seit Jahren und die möchte ich Dir heute vorstellen:

1.

"Dass meine Enkeltochter so schwierig ist, hängt vor allem mit Carls geringer Spermiendichte zusammen.  Er hat seine kleinen Männer durch Heldenhaftigkeit ermordet. Darüber später mehr."

Aus:


Und 2. Ein Satz, der mir immer bleiben wird.

"Jeder von uns ist die Liebe im Leben eines anderen.
Das möchte ich schon einmal für den Fall festhalten, dass ich entdeckt werde und diese Seiten nicht zu Ende bringen kann, für den Fall, dass du vor Entsetzen über mein Bekenntnis und das Geschehene alles verbrennst, noch bevor ich dazu komme, dir von Mord und großer Liebe zu berichten."

Aus:
Hast auch Du liebste erste Sätze? Lass sie mich lesen, ich würde mich riesig freuen. Vielleicht bekommt dann einer der meinen mal eine "Wachablösung".

Noch ein kleiner Nachtrag: Auf der Vorspeisenplatte gibt es zur Zeit listenweise Bücher! Das macht Spaß!

Nachtrag am 23.10.2010
Hier gehts weiter zur NachLese

09.10.10

Ein Hahn, mindestens 60 Knoblauchzehen und einige Variationen...



Ist das Wetter nicht herrlich? Mein Außenthermometer zeigt 47,1°. Ich kann nur hoffen, dass es sich hierbei entweder um Fahrenheit handelt, oder das Ding einfach kaputt ist. Ansonsten habe ich wohl ein Problem mit meinen Hormonen...
Hier ist die Formel zum Umrechen, wenn Du der Sache auf den Grund gehen möchtest:
Celsius in Fahrenheit = (( TCelsius × 9 ) / 5 ) + 32         Fahrenheit in Celsius = ( TFahrenheit - 32 ) × 5 / 9

Wenn Du den Post irgendwann im Dezember d. J.  aufrufst, dann macht er wahrscheinlich im Bezug auf die Temperaturangaben keinen Sinn mehr. Im Dezember 2025 aufgrund des Klimawandels vielleicht wieder.
Wie auch immer, heute am Posting-Tag ist das Wetter  h e r r l i c h, der Gatte weilt auf der Veterama in Mannheim (wobei ich nur hoffen kann, dass dort nix herumsteht, was sein Auge erfreut - und damit meine ich KEINE Frau!), auf dem Herd simmern 2 Suppenhühner von Daniel´s Hühnerhof friedlich vor sich hin, im Köchinnenweinglas befindet sich ein guter Tropfen aus der Winzernachbarschaft - kurz gesagt, frau kann schlechter leben!

Und so poste ich heute endlich eines meiner allerliebsten Hühnerrezepte für schönes Wetter. Es besteht aus allem, was ich beim Kochen und Essen liebe:
  1. Heimische erstklassige Ware
  2. Respekt vor dem Tier in Aufzucht und Schlachtung
  3. Liebe in der Zubereitung
  4. Das Einfache sollte wunderbar sein können
Auf den ersten Blick ganz simpel, aber undurchführbar, wenn die Punkte 1 - 4 nicht vorhanden sind! 
Lea Linster hat irgendwann einen ihrer Köche rausgeschmissen, weil er mit den Hühnern nicht sorgfältig umgegangen ist. Sie liebt Hühner! Das habe ich mit ihr gemeinsam. Die Liebe zum Kochen ebenso. Nur in den Fertigkeiten unterscheiden wir uns noch...

Heute morgen hatte ich auf dem Markt ein Gespräch mit Daniel, der mir angeboten hat, seinen Hof einmal in Ruhe zu besuchen, zu fotografieren und auch die Schlachtung der Gänse und Hühner  zu begleiten. Da die Gänse jetzt schlachtreif sind, eine gute Gelegenheit, alles vor Ort zu sehen. Wie es mir dabei gehen wird, darauf bin ich selbst gespannt. Vielleicht wird das hier dann ein reiner Vegetarier-Blog? Wir werden sehen...

Jetzt zeige ich Euch einfach ein paar Varianten, in denen ich so einen tollen Freilandhahn zubereite.

Mal gefüllt mit Rosmarin und Thymian (hier war es allerdings AUSNAHMSWEISE in französisches Maishähnchen)
Gefüllt mit einer halben Zitrone, Lorbeer, den Zehen einer Knoblauchknolle, dem Herz und einem Stückchen Leber (wieder rheinhessischer Freilandhahn)
In jedem Fall immer fest verschnürt.

oder zugebunden (Rheinhessischer Freilandhahn)
 
oder einfach zugesteckt

 Mit Unmengen von frischem Knoblauch und Kräutern

Oder auch einfach mal mit Kartoffeln gleich im Bräter mitgeschmort
Den Bräter immer fest mit Salzteig verschließen und hinterher aufsprengen! Im Ofen bei 180°C schmurgeln lassen. Erfahrungsgemäß ist der Hahn in ca. 90 Minuten durch.  (Je nach Gewicht) Aber bitte beachte, dass so ein freigelaufener Mistkratzer viel muskulöser ist, als seine labbrigen wassergekühlten armen Legebatterie-Verwandten aus dem Supermarkt. D. h., er braucht mehr Zeit als diese. Auch ist sein Fleisch insgesamt fester. Zart aber fest.  Das musst Du berücksichtigen. In der Schmorzeit und auch in der Beurteilung des Geschmackes. Festes Fleisch. Geschmacklich eine Bombe aber nix für Gebissträger.
Auf einer großen Platte anrichten. Bitte keinen Salat dazu oder anderen Kappes. Maximal ein knuspriges Bauernabaguette. Dann werden die Kartoffeln zerdrückt, die weichgebackenen 60 Knoblauchzehen ausgezluschert, und das saftige Fleisch von den Knochen gezogen.
Gefüllter Freilandhahn mit Maronen
Die Herbst-Winter-Variante, gefüllt mit Maronen, Birnen und Majoran.
Als Stubenkükenvariante mit Rosmarin und Blutorange
Verschiedenen Varianten vom Huhn mit viel Knoblauch oder dessen Verwandtschaft aus Frankreich findest Du  frisch aufgelegt bei ca. 180 bpm auf dem Kochplattenteller und  bei den Kochbanausen, die vor Hitze den Topf kaum noch tragen können.

Vor ein paar Tagen hat mich jemand gefragt, was ich für eine Köchin sei. Man sieht sich selbst in den meisten Fällen anders, als die Außenwirkung ahnen lässt. Trotzdem wage ich eine Antwort.

Ich bin eine liebe- und vor allem lustvolle Köchin mit Respekt vor den Produkten, die ich verarbeite.
Ich bin eine Köchin mit wenig Zeit aber um so mehr Spaß.
Ich koche gefühlt unter Campigplatzbedingungen und mache das Beste daraus.
P. sieht das mit den Campingplatzbedingungen anders.
Trotzdem kaufe ich nächste Woche einen unglaublich tollen Induktionsherd von Siemens. *hehe...^^

Mein Anspruch ist, dass mein Geschmack sich in den Himmel erhebt, während die Beine auf dem Boden bleiben. Ich würde sonst auch das Glas Wein verschütten, das ich gerade in der Hand habe...

05.10.10

Voll auf die Backe! Kalbsbäckchen mit Hokkaido-Pastinaken-Stampf, karamellisierte Nashi, Beringer Knights Valley 2005



So! Hast Du Dich ein wenig erholt von der anstrengenden Reise, die Du mit mir unternommen hast?
Vielleicht konntest Du zwischendurch ein kleines Nickerchen im Pornozimmer machen...
Ich bin jedenfalls sonntags so gegen 15.00 h wieder zuhause gewesen und habe nur geschlafen, geschlafen, geschlafen...
Im Traum bin ich mit Pascha durch den Trockeneisnebel gestolpert, habe Unmengen Wodka in mich hineingeschüttet und mir mit sich selbst gefüllte Fische geangelt.

Am Wochenende darauf hat meine Schwester geheiratet und vor ein paar Tagen noch Arthur seinen Geburtstag gefeiert. Am Sonntag bin ich zu einer Geschäftseröffnung eingeladen, für die buddhistische Mönche zur Einsegnung kommen. Mir wird es nie langweilig und von dieser Einsegnung werde ich sicher berichten. 

Mein Drang nach Ruhe und Besinnlichkeit wurde immer größer. Und wie kann ich den am besten befriedigen?
Richtig! Du kennst mich schon ganz schön gut! Mit einem Schmorgericht! Das hat für mich so etwas Meditatives. Vielleicht liegt das auch nur am Wein, den ich währenddessen trinke. Über Stunden. Backen lassen sich vortrefflich laaaaaaange schmoren.
Nach Ochsenbacken, Schweinebäckchen und Seeteufelbäckchen waren dieses mal die vom Kalb an der Reihe. Das Rezept ist wieder Marke Eigenbau, also praktisch während des Kochens entstanden. Aber ich finde, bei kaum einem Gericht steht die unkomplizierte Zubereitung so diametral dem fantastischen Ergebnis gegenüber. Daher mache ich gar nicht viele Worte: 
 Hmmmmmmmm................








Es waren 2,3 kg Bäckchen, von denen wir 2 Tage zu dritt gegessen haben. Das ist eines davon.
Gaaaaaanz langsam habe ich sie in Butter mit etwas Olivenöl angebraten. Nacheinander. Die bereits angebratenen währendessen bei 60° C im Ofen warmgehalten. Während des Anbratens gesalzen und gepfeffert.
Dann fiel mir ein, dass ich noch Kalbsfüße im TK hatte. Flugs wurde einer aufgetaut und für eine NOCH traumhaftere Sauce mitgebraten.
Das Wurzelgemüse und 2 Lorbeerblätter mit etwas Tomatenketchup im Fett der Bäckchen angebraten.
Die Bäckchen wieder dazu gegeben und mit einem ordentlichen Schluck Cognac flambiert. Eline, es war dieses mal kein XO. Ein einfacher VSOP musste reichen. ;)
Mit einer Flasche Monastrell aufgegossen und noch ca. 1,2 L Kalbsfond dazu. Ein Spritzer helle Sojasauce.
Einen  kleinen Hokkaido aufgeschnitten, in Butter und weißem Portwein zerfallen lassen. Etwas Kalbsfond dazugegeben und ganz grob mit dem Zauberstab zerkleinert. Pfeffer, Salz, etwas Muskat.
Ich verwende zum Kochen immer den weißen Port von Niepoort, der schmeckt mir einfach am besten. 

Dann wurden ca. 5 Pastinakenwurzeln geschält und in wenig Wasser weich gekocht. Frische Sahne, ein Stück Süßrahmbutter dazu und grob zerstampft. Pfeffer und Salz. Ganz grob unter den Hokkaido gehoben, so dass es keine komplette Vermischung gab.
Währendessen schmorten die Bäckchen bei ca. 90°C im Ofen vor sich hin. Nach 3,5 Stunden waren sie butter-butterweich, so dass Du das Fleisch mit dem Löffel hättest zerteilen können.
Die Sauce durch ein Küchentuch gegossen und auf ca. die Hälfte langsam einreduziert. Dabei wurde sie sämig aber nicht so dick wie bei den Ochsenbacken, die bei mir in mehr Rot- und vor allem Portwein schmoren.
Muscovadozucker in einer Pfanne auf kleiner Hitze schmelzen lassen, etwas Fond dazu und die geschälten Nashischeiben dazugegeben. Von beiden Seiten im Karamell ziehen lassen. Habe ich schon einmal gesagt, dass ich Nashis liebe? Ich dachte früher immer, sie seien eine Kreuzung aus Apfel und Birne, heute weiß ich, dass es sich bei ihnen um eine japanische Birnenart handelt. Sie habe eine angenehme Mischen von Süße und leichter Säure und erinnern mich in Biss und "mouthfeeling" an Wasserkastanien. Ein Raclette ohne Nashis ist für mich kaum vorstellbar. Ich liebe es, sie mit Kartoffeln und dem fetten Käse zu übergießen. Hier waren sie mit ihrer feinen Säure ein idealer Partner für den leicht süßen Hokkaido-Pastinaken-Stampf.
von links nach rechts: Köchinnenwein, Kochwein, Begleitwein zum Essen


Noch etwas zu den Weinen:
Der Köchinnenwein (Grauburgunder 2007, halbtrocken, Spätlese) ist von Huf, einem kleinen Weingut, ca. 250 m Luftlinie von unserer Haustür entfern, das seine 9 ha in der mittlerweile 3. Generation  nach EcoVin-Richtlinien bewirtschaftet. Neben den guten Weinen kaufen wir dort von "Mutter Huf auch das beste Hollundergelee der Welt. € 6,30/Fl.

Der Kochwein, Toscar, ein Monastrell von Salvador Poveda aus Monòvar, DOC Alicante, Jahrgang 2007 hat so richtig Bumms mit seinen  bis zu 15 %  (jahrgangsabhängig) und ist mein bevorzugter Kochwein, wenn ich sehr gehaltvolle Saucen erzeugen möchte. Für die Ochsenbacken verwende ich meistens 2 Flaschen, hier nur eine, das bekommt dann auch P. mit seiner wachsenden Histaminunverträglichkeit besser. Wenn ich nicht gerade morgens um 11.00 anfange zu kochen, darf er mich auch gerne mit ein oder zwei Gläschen als Köchinnenwein begleiten. Er schmeckt herrlich nach tiefschwarzen Johannisbeeren und Pflaume, dazu hat er deutliche Noten von schwarzem Pfeffer, was ich sehr liebe. Je nach Bezugsquelle kostet er zwischen € 5,50 und bis zu 8,00 (bei Karstadt), das ist aber schon Wucher. Laut Weingut sind die Trauben handverlesen, bedeutet das aber auch handGElesen? Bei dem Preis schon kaum noch vorstellbar.
Nicht oft bekommt man soviel Wein fürs Geld und das können die Spanier meines Erachtens nach besonders gut. Einer meiner Lieblingspiraten, wenn ich jemanden in einer Weinprobe, bei der es um das beliebte Thema geht "was wärest Du bereit, für diesen Wein zu bezahlen?", nett auf´s Kreuz legen möchte. :)

Der Begleitwein zum Essen:
BERINGER Knights Valley, Cabernet Sauvignon, 2005, Napa Valley, Kalifornien.
Beringer erzeugt bereits  seit 1876 Weine und gehörte somit zu den Pionieren des Weinbaues in Kalifornien. Gekauft habe ich die Kiste vor ca. 3 Jahren und pro Jahr wohl 2 Flaschen getrunken. Eine ist jetzt noch da. Er ist in dieser Zeit immer weicher geworden, meiner Meinung nach aber jetzt auf dem Höhepunkt angelangt. Fast spüre ich bereits die Ankündigung des "Wegknickens" nach hinten. Das ist ein Gefühl, als würde mir nach einem langen Lauf die Puste ausgehen. Wenn mich ein Hund anfallen würde, könnte ich nochmal alle Kräfte mobilisieren, aber eigentlich werde ich langsam müde. Also bald austrinken! Das fällt nicht schwer, da ich es hier mit einer kleinen Fruchtbombe zu tun habe, die aber abseits aller Marmeladigkeit daherkommt. Es ist vielmehr ein Korb voll Düften von Kirschen und schwarzen Beeren die er im Gepäck hat. Am Gaumen dann feine Würznoten, fast ein Hauch Rosmarin und Thymian, etwas Vanille vom Holz. 
Laut Händleraussage werden kleine, variierende Mengen von Malbec und/oder Cabernet Franc dazugegeben, was ihm leichte Blumennoten verleiht. 

Ein Wein zum Augenschließen, Genießen und Träumen. Intensiver, langer Abgang.
Ca. € 25,00/Fl.

Lass Dir alles sehr gut schmecken!

Update am 06.10.2010
Fast vergessen, Petra von Chili und Ciabatta ist eine ebenso große Anhängerei der Bäckchenzubereitung. Sie umhüllt das Fleisch manchmal sogar mit einem Kartoffelmantel und macht Klöße daraus.