31.01.11

Umami - Seeteufelbäckchen im Schweinenetz, Wirsing, Safransauce


Kikunae Ikeda (nicht verwandt oder verschwägert mit Ikea) untersuchte Anfang des 20. Jahrhunderts einen besonderen Geschmack, bzw. dessen Fülle, die er Fleisch, Tomaten und reifen Käsesorten gleichermaßen zuordnete.
Er fand heraus, dass diese besondere Geschmacksfülle durch eine Aminosäure hervorgerufen wird, die Glutaminsäure, umgangssprachlich Glutamat. Interessanterweise finden sich die höchsten natürlichen Glutamatkonzentrationen in der menschlichen Muttermilch, aber auch in Tomaten. Man vermutet, dass dieser angenehme Geschmackszustand der Aufnahme von Proteinen dient, wobei ich mir bezüglich eines besonders hohen Proteingehaltes von Tomaten nicht sicher bin. 

Vijay Sapre, Herausgeber der effilee, ist in seiner Geschichte "Lecker ist auch nur ein weißes Pulver" dem Wesen und Geschmack von Umami nachgegangen. Er übersetzt dort den Begriff "umami" mit lecker. Ich persönlich erkläre es mir und anderen immer mit dem Wort "fleischig-füllig". 

Wohl jeder der kocht kennt das:
Das Gericht ist eigentlich fertig, aber da fehlt etwas. Diese winzige Kleinigkeit für das allumfassende Wohlgefühl im Mund. Dieses Runde. Die Fülle. Manche greifen dann zu Glutamat in seiner reinsten Pulverform. Und wer wie ich einmal einen Kochkurs für chinesische Küche belegt hat, weiß, was sorgloser Umgang mit Glutamat bedeutet. Ich rette mich in diesen Fällen meistens mit demi-glace, diesen kleinen Geschmacksglutamatbomben aus meiner eigenen Herstellung.

Angestoßen durch die Kommentare in meinem Post vom Damwild im Schweinenetz und  meinem Dafüreintreten, dieses Netz für die Zubereitung von Fisch zu verwenden, habe ich wie versprochen das Experiment mit den Seeteufelbäckchen im Schweinenetz durchgeführt.

Im Gegensatz  zu den Bedenken anderer finde ich den Geschmack, den ein geschmolzenes Schweinenetz am Kochgut hinterläßt keinesfalls "schweinisch". Für mich bleibt dort Umami, die vielbeschworene Geschmacksfülle zurück. Meine bisherigen Versuche beschränkten sich auf Heilbutt, das habe ich vor Jahren bei Tim Mälzer gelesen und mit großem Geschmackserfolg nachgekocht.
Von 9 Seeteufelbäckchen wickelte ich aber nur meine drei ins Netz- sicher ist sicher. 
Dabei habe ich Teile vom Netz verwendet, in denen die "Nähte" besonders fein waren.
Begleitet wurden die Bäckchen mit und ohne doppelten Boden von Wirsing, der dieses mal auch von mir besonders fein geschnitten wurde, sowie einer Umami-Safransauce.
Für diese wurden 500 ml heller Kalbsfond aus dem TK geholt und
mit 50 ml Noilly Prat versehen. Über ca. 40 Minuten hinweg habe ich die Flüssigkeit langsam auf ca. 250 ml reduziert. Unter weiterer ständiger Reduzierung kamen 200 g Rahm dazu, sowie Safranfäden. 2 Mal die Menge auf dem Löffel. (ca. 0,4 g).
Am Ende blieben 3 Saucenportionen über, also von der Ausgangsmenge betrachtet nicht viel. Aber so intensiv, dass wir am Ende die Sauce mit den Fingern vom Teller geschleckt haben. 

Zurück zu den Bäckchen:
Ich habe etwas Butterschmalz sehr heiß werden lassen und die mit Pfeffer und Salz gewürzten 3 Netz-Bäckchen unter schnellem Wenden in der Pfanne angebraten. Herausgenommen (einen Tacken zu spät, wie sich herausstellte) und im Ofen warmgehalten. Dann die anderen Bäckchen angebraten.
Mit dem sautiertem Wirsing angerichtet.
Fazit?
Die zeitliche Abstimmung zwischen Bäckchen mit Netz und Bäckchen ohne Netz war suboptimal. Die Netz-Bäckchen waren nicht mehr glasig, da ihre Wartezeit auf die Kollegen wohl etwas zu lang war. Das passiert mir nicht noch einmal, denn die Trennung wird es nicht mehr geben. Wir waren uns alle einig, dass die Bäckchen mit Netz denen ohne geschmacklich weit voraus waren. Sie haben immer noch ganz deutlich nach Seeteufelbäckchen geschmeckt und doch fülliger. Fleischiger, soweit man das bei Fisch sagen kann. Umami eben.
Etwas war noch seltsam, unabhängig von der Zubereitungsmethode. 3 der Bäckchen hatten so etwas Sehniges, eher wie ganz feste Gallertmasse, das unmöglich war zu essen. Fast wie die dicke Fettsehne vom Rumpsteak. Im rohen Zustand war das nicht ersichtlich. Komisch, das hatte ich noch nie. Kennst Du das? Interessanterweise war keines der Bäckchen mit Netz davon betroffen. ;)

27.01.11

Ich mach mal Skraison!



Es ist ähnlich verwirrend wie bei den Waldbewohnern
Ein Kabeljau ist ein Dorsch, aber ein Dorsch kein Kabeljau. Was für ein Dorsch ist der Dorsch? Ist der Dorsch ein Köhlerfisch? Oder ein Alaska-Seelachs? Etwa ein Schellfisch? Oder doch ein Franzosendorsch? Gar eine Quappe?
Alles richtig, irgendwie!

Alle obengenannten sind Dorsche. Und ein junger Kabeljau vor der Geschlechtsreife ist ein Dorsch. Und in der Ostsee ist der Kabeljau immer ein Dorsch, egal wie reif sein Geschlecht ist. Auf dem Darß, wo wir so gerne Urlaub machen, steht hinter jedem Sanddornbusch ein Räucherofen mit dazugehöriger Bude. Dort gibt es geräucherten Dorsch. Den gibt es dort überhaupt nur geräuchert. Frisch gibts nur den Zander. Aus dem Bodden. Aber ich stifte für heute schon genug Verwirrung. Der Zander aus dem Bodden ist ja wieder was gaaaanz anderes!

Glaub mal nicht, ich wäre schon fertig! Bleiben wir mal beim Dorsch. Und beim Kabeljau. Jetzt schauen wir nach Norden. Das andere Norden. Hast Du´s? Gut. Also der Norweger an sich freut sich dieser Tage ganz besonders über den Kabeljau, der vor seiner Haustür herumschwimmt. Der kommt aus der Barentssee und die ist so kalt, ich sags Dir, da würdest Du auch wegwandern wollen. Vor allem ist die Barentssee zu kalt, um dort eine Familie zu gründen. Stell Dir mal vor, Du müsstest in dieser Kälte des eisigen Polarmeeres Deinen Nachwuchs zur Welt bringen. Auch wenn Du persönlich schon den neumodischen Schnickschnack einer Wassergeburt hinter Dich gebracht hast, war die Umgebung sicher angenehmer temperiert, oder?
Lofoten bei wikipedia
Und darum schwimmt der Dorsch Kabeljau in Richtung der Lofoten. Das ist eine wilde Inselgruppe von ca. 80 Mini-Inseln und 24.000 Einwohnern. Der Name bedeutet "Luchsfuß", was von dem alten norwegischen Wort "Ló" stammt und "foten" für Fuß, der ursprüngliche Name der Insel Vestvågøy. Einige andere Inseln heißen Hinnøy, Skrova, Gimsøy, Flakstadøy, Moskenesøy, Værøy und Røst. Sprich die mal nach einigen Gläsern Aquavit laut, schnell und fehlerfrei nach! Auf den Lofoten ist es um diese Jahreszeit so um die 9° C warm. Das ist wärmer als hier bei mir in Rheinhessen aber auch ein Weg von vielen vielen vielen hundert Kilometern.  Von Murmansk bis nach Vestvågøy sind es ca. 1000 km auf dem Landweg. Nicht, dass google  maps da überhaupt eine Route vorschlagen würde, das ist so pi mal Butterbrot nach Karte. Und wenn Du Dir das  darauf mal anschaust, wird Dir bewußt, dass der Kabeljau einen noch viel weiteren Weg hat, denn der muss ja aussen rum schwimmen. 

Was sich unter Kabeljaus noch nicht herumgesprochen hat, ist der hungrige Norweger. Der steht nämlich auf seinen  Lofötchen und wartet schon auf den Fisch, den er Skrei nennt. Das ist norwegisch für Wanderer.
Zwischen Februar und April wandert der Skrei also zu den Lofoten um zu laichen. Die kleinen Skrei-Babys fühlen sich pudel sehr wohl im wärmenden Wasser und lassen sich dann ganz gemütlich von der Strömung in die Barentssee zurücktreiben. Dort bleiben sie ein paar Jährchen, bis zur Geschlechtsreife - also noch als Dorsch und schwimmen dann wie ihre Eltern zu den Lofoten um von dort nach der Laiche als Kabeljau zurückzukehren. Wenn- ja wenn sie nicht gefangen werden. Und am Ende dieser Geschichte im Hause von Arthurs Tochter landen. Zumindest in Teilen.
Eigentlich haben es sich die Norweger auch einfach gemacht mit dem Namen. Denn dem Skrei ist es egal, ob er nun ein Dorsch oder ein Kabeljau war und die Norweger können ja nicht wissen, ob sie den Fisch gerade auf dem Hin- oder auf dem Rückweg erwischen. 

Den Ofen auf 60°C aufwärmen, eine Platte hineinstellen und in einer Pfanne Butterschmalz zergehen lassen. Den Skrei auf der Haut anbraten, ca. 4 Minuten bei 3/4 Hitze. Die Unterseite dabei salzen und pfeffern.  Die Oberseite bekommt vor dem Servieren nur ein wenig Maldon smoked sea salt. Dann wenden. Ca. 1 Minute auf der Unterseite braten, anschließend auf der vorgewärmten Platte bei 60° im Ofen zwischenlagern. Den Fischsud mit einem Schuß Noilly Prat ablöschen, 2 Lorbeerblätter dazugeben. Kurz einkochen lassen, wenn vorhanden etwas Fischfond dazugeben, Sahne, einreduzieren. Salzen und pfeffern. Das geht alles sehr schnell, keine 5 Minuten. Daher nehme ich 2 Lorbeerblätter, damit ich mehr Aroma in kürzerer Zeit erhalte. 

Parallel dazu habe ich ein Risotto mit Mangold zubereitet. Zur Risottozubereitung gebe ich Dir hier ein paar Tips. Der Mangold wurde hier kleingeschnitten, mit einer Prise Natron blanchiert und zum Schluß unter das Risotto gehoben.  
 Bei Fisch ist für schöne Bilder keine Zeit, den will ich heiß und noch fast glasig genießen.
Und perfekt glasig war er!
Die knusprige Haut unbedingt mitessen! 

Noch ein anderes tolles Rezept für Skrei im Blog findest Du hier. 
Confierter Skrei auf Blattspinat, orientalisch gewürzt, mit Granatapfelkernen

Skrei auf der Haut gebraten, Vitelottenpüree, Sauce au vin blanc mit Tonkabohne

Jetzt plane ich für den Skrei erstmal einen Weg von der Barentssee in den Rhein. Der ist nämlich noch ein bisschen wärmer! Ehrlich, ich werde mich guuuuut um ihn kümmern!

Noch mehr Skrei gibt es bei Chili & Chiabatta.

25.01.11

Schrumpfkopf. Mach wenig aus viel!



Ich bin ein bisschen angezickt. Die letzten Tage waren nicht einfach. 
Es ging los mit diesem Award-Wahnsinn, den ich keinesfalls verlinke, weil ich froh bin, dass der Spuk jetzt endlich ein Ende hat. Dieses Ringelpitz-Reihum, das irgendwann anfing den guten Sinn und Zweck der Aktion völlig ad absurdum zu führen. 

In diesem Zusammenhang wurde pausenlos in Links auf meinen Blog verwiesen, den man gerne lese, aber der natürlich keinen Award erhalten könne, da er das Ausschlußkriterium von 3000 Lesern pro Tag und mehr erfülle. Das ist erstens gemein und zweitens ungerecht, weils nämlich gar nicht stimmt. Es sind vieeeeel mehr! Meine Leserzahl geht sowas von durch die Decke, ich schwör, bei google haben sie mir schon gekündigt, weil sie die Zahlen gar nicht mehr erfassen können. Ab 1 Million Leser täglich gibt´s von denen einen eigenen Zählserver, den ich jetzt teuer bezahlen muss. 

So, das war das eine. Die andere Sache fing an mit Petra von Chili & Chiabatta und der Süddeutschen.
Petra wurde in besagtem Artikel völlig verdient ausführlichst erwähnt. Aaaaaaber - gleichzeitig wurde im Artikel nochmal darauf hingewiesen, man lese ihren Blog so gerne, weil er im Gegensatz zu manchen anderen sich vornehmlich um das Essen kümmere und nicht so geschwätzig daherkäme. Geschwätzig, soso. 
Dann der Claus. Der bringt die halbe Bloggerwelt gegen mich auf, weil ich ihn ANGEBLICH irgendwas nicht kochen lassen würde, was er gerne wolle. Gleichzeitig meint er, mit nur einem meiner Beiträge könne man locker eine ganze Illustrierte füllen. Eline haut umgehend in die gleiche Kerbe und meint, zum Lesen meiner Beiträge müsse sie sich einen halben Tag freinehmen. Das kann einem die gute Laune schonmal vertreiben.

Das ist (mal wieder) erstens gemein und zweitens ungerecht, weils nämlich gar nicht stimmt.
"Kasse Dich furz" und "Ich mach den Chezuli" sind die besten Beispiele! :)

So. Jetzt habe wohl gerade viel aus wenig gemacht. Dabei sollte das heute umgekehrt sein. Eine Lobhuldigung auf mein Lieblingswintergemüse, den Wirsing. Dieser tolle Kopf gehört zu den Gemüsesorten, die ich gerne fast pur genieße.
Dafür werden von mir nur die nötigsten dicken dunkelgrünen Blätter entfernt, gerade die mag ich besonders gerne. Dann viertel oder achtel ich den Kopf, je nach Größe. 
Setze die Stücke in ein wenig Butterschmalz oder Olivenöl in einen Bräter.
Lasse sie etwas anbräunen, würze mit Salz, Pfeffer, Muskat, lösche mit Wein ab, gieße Gemüse- oder einen anderen Fond auf, Rahm dazu und lasse alles etwas vor sich hinschmurgeln.
In immer noch bissfesten Zustand (der muss sein, ich mag den Wirsing nicht "lätschig") kommt die Käseresteverwertung an den Start. Sozusagen cavolo verzotto mindestens quattro formaggi.
Überbacken, den Bräter auf den Tisch und loszlutschern. Wenn man den Wirsing in großen Stücken zubereitet, fällt das Zusammensacken nicht so auf. Je kleiner man ihn schneidet, desto weniger bleibt nach dem Kochen übrig.
Manchmal zerdrücke ich mir dazu auch noch ein paar Kartoffeln. Muss aber wirklich nicht sein. 
Oder ich schneide ihn ein bisschen kleiner und schwenke ihn in einer Senfsauce.
Manchmal kommt er auch in die Suppe und wird zum Wirsingeintopf mit Kichererbsen und Chorizo.
Bauchschmerzend bei Übergenuß von Lammeintopf mit Wirsing und Speck nach Siebeck
Manche nutzen ihn auch als Verpackungsmaterial wie schon berichtet  Frau Kampi oder Chezuli, der nicht nur die Knödel darin verwickelt, sondern auch noch Blutwurst mit unterbringt.
Für manche ist er sogar Kateressen. Toll, was der alles kann! Laut wiki beträgt die Jahres-Erntemenge in Deutschland 50.000 Tonnen. In Worten: Fünfzigtausendtonnen! Das sind 50000000 KG! In Worten: Fünfzigmillionen Kilogramm! Eine 5 mit 7 Nullen. Wow! Ich muss mich echt ranhalten!

20.01.11

Ins Netz gegangen! Oberschale vom Damwild mit Rosenkohlblättchen und Semmelknödel



Teil I - Das Fleisch

Weihnachten ist noch nicht lange vorbei. Der nächste Geburtstag kommt bestimmt. Ostern. Vielleicht noch ein Namenstag? Nikolaus. Und  schon wieder Weihnachten. So schnell geht das. Und was liegt dazwischen? Viele viele Gelegenheiten, etwas zu verschenken.

Ich lieeeeeeeeebe Geschenke! Ich mache sie gerne und noch viel lieber bekomme ich welche! Menschen, die mir erzählen "zu Weihnachten schenken wir uns nichts" oder "ich brauche nichts, wir haben doch uns" verursachen mir Unwohlsein. P. und ich haben und lieben uns auch, aber wehe, wehe, es lägen unter dem Weihnachtsbaum einmal keine Geschenke. Unserer Tochter zu sagen, spar doch Dein Geld, Du brauchst uns nichts schenken, käme mir niemals in den Sinn!
Letztes Jahr zu ihrem Geburtstag hat sie sich erstmalig Geld gewünscht. Nur Geld. Von allen Seiten. Sie hat  zu der Zeit auf eine neue technische Erungenschaft gespart. 
Was war mir das komisch. Ich bin dann los und habe eine Musa banana gekauft, deren Stamm von mir mit  vielen kleinen Geldscheinen verziert wurde. Da saß sie dann am Geburtstagsmorgen, rollte einen Schein nach dem anderen auf und sagte traurig: Nie mehr wieder. Ich will wieder richtige Geschenke! Braves Kind! Zum Glück hatte ich noch ein Buch in der Hinterhand.

Man sagt mir oft, je älter man würde, desto mehr würde man so. Dass man keine Geschenke mehr möchte. Ich kann nur sagen, stell Dich in Bezug auf mich nicht darauf ein, da kannst Du lange warten. Ich bastel gerade an meinem Wunschzettel "Weihnachten 2023".

Interessanterweise kenne ich jemanden, der will nie Geschenke. Der wird auch richtig sauer (naja, so ein gespieltes bisschen jedenfalls), wenn man doch mit einem ankommt. Macht aber selber immer gerne welche. Das ist Arthur. Zu einem seiner letzten Besuche brachte er mir dies hier mit:
Was für ein herrliches Stück Fleisch. Es hat einige Zeit vakuumiert im TK verbracht und am letzten Wochenende seinen großen Auftritt. Eine Oberschale vom Damwild, aufgetaute 1124 g.
Also diese ganzen Hirsch- Reh- und Damwildarten finde ich ein wenig verwirrend. Als Kind z. B. war für mich der Hirsch der Mann vom Reh und Bambi war das Kind. Ganz einfach. Als ich das erste mal von Hirschkühen hörte, dachte ich an transsexuelle Waldbewohner. Also das Damwild ist eine Hirschart. Jetzt weiß ich nicht, ob meine Oberschale von einer Damhirschkuh oder von einem - sagt man Damhirschhirsch zum männlichen Damhirsch? - kam. Es hätte für mich in der sorgfältigen Zubereitung keinen Unterschied gemacht, ehrlich.
Aber ich habe noch nie Damwild gemacht. Reh erst ein einziges mal. Wir sind nicht so die Wildesser, ich weiß nicht warum. Meine Rehkeulen sahen so aus:

Butterzart und nach ca. 40 Minuten fein rosa. 
Wie verhält sich das Dam zum Hirsch zum Reh? Klar war mir nur, dieses feine Fleisch muss in ein Netz vom Schwein. Wer hätte da mal ein Rezept für mich? Die Antwort kam prompt: Die Freundin des guten Geschmacks. Ich schwör, eine Frau ohne Skrupel, aber Wildrezepte hat sie veröffentlicht - wunderbar. Sie emfahl für ihre Rehkeulen im Schweinenetz 150° C. Das war doch mal ein Anhaltspunkt. Den Rest sollte die ständige Beobachtung des Fleischthermometers erledigen. 

Frisch ans Werk Wild:
Das schlachtfrische und bereits gesäuberte Schweinenetz auf dem Tisch ausgebreitet
in handliche Portionen zusammengefaltet und zum Einfrieren vorbereitet
In einen Teil das Fleisch eingewickelt. Gewürzt habe ich es mit einer Mischung aus Wacholderbeeren, Pfeffer, Piment, Lorbeer, Nelken, Orangenschalen, Zitronenschalen und Ingwer. Alles war getrocknet und kam aus der Mühle. Selberrösten und mörsern wie oben beim Reh geht auch.

 Fest ins Netz gwickelt
In ein wenig Butterschmalz von allen Seiten angebraten. Währenddessen löste sich das Netz mehr, als vorgesehen, so dass ich das Fleisch wieder herausgeholt und gebunden habe. Weitergebraten.
Das Fleisch herausgenommen und in den warmen Ofen geschoben. Im Bratenfett wurde Wurzelgemüse angeröstet, ein Schuß Ketchup dazu, ein Tropfen dunkle Sojasauce, das Fleisch obenaufgelegt und großzügig mit Kirsch-Koriander-Likör abgelöscht. Ca. eine 3/4 Flasche trockenen Rotwein dazu, 3 Lorbeerblätter und mit Fleischthermometer versehen alles in den Ofen bei 150°C, wie empfohlen. 
Wie Du siehst, war das Fleisch nicht bedeckt! Ich habe es während des ca. einstündigen Bratvorganges 3mal mit der Schmorflüssigkeit begossen.
Bei knapp unter 60°C Kerntemperatur habe ich die Flüssigkeit in einem Topf umgegossen und das Fleisch im ausgeschalteten Ofen auf dem Gemüsebett ruhen lassen.
Der Fond durfte um ca. 50% einkochen und dann kam der Knaller. Selbstgemachte (zu Rehkeulenzeiten), im TK bevorratete demi glace vom Reh. Zäh wie Bolle auch im tiefgekühlten Zustand. 
Ein Esslöffel an die Sauce. 
Doing! 
3 Stückchen eiskalte Butter reinmontiert,
Doppeldoing!

Teil II - Die Beilagen

Was ist grün und rollt durch die Küche?
Ein Semmelknödel im Lodenmantel

Findest Du nicht komisch? Das liegt vielleicht daran, dass der natürlich ursprünglich mit einem Eichhörnchen erzählt wird. Wer macht schon Witze über Knödel, die Sache ist ernst!
Ich habe Semmelknödel zum Wild gemacht. Und die waren auch wirklich gut. Was kann man an so einem Knödel auch viel verkehrt machen, sind wir mal ehrlich. So ein Semmelknödel ist kein Hexenwerk. 
Aber es gibt Menschen, die kleiden ihre Knödel ein. In ein grünes Lodenmäntelchen. Guck selbst
Jetzt kann ich mit meinen Knödeln nicht mehr die Worscht vom Teller ziehn, aber das Rezept gibts trotzdem:
12 Brötchen vom Vortag in feine Scheiben schneiden. Ich mache das immer mit der Maschine.
Mit ca. 350 ml warmer Milch übergießen.
Schalotten fein würfeln und in Butter glasig angehen lassen. Frische, gehackte Petersilie dazugeben
 Zu den Brötchen geben. Je nach Größe 4 - 6 Eier dazu
alles zu einer geschmeidigen Masser verrühren. Kräftig abschmecken mit Salz, Pfeffer und Muskat. 20 Minuten quellen und ruhen lassen.
Wasser in einem ausreichend großen Topf zum Kochen bringen. Knödel in das gesalzene Wasser geben, nochmal kurz aufkochen lassen und dann am Siedepunkt ca. 30 Minuten ziehen lassen.
Probeknödel kochen! Gerne auch fotografieren- wenn Du daran denkst. ;)

In liebevoller Klein- und Handarbeit den Rosenkohl vom Stamm holen
entblättern, blanchieren und die Blättchen in einer Pfanne in französischer Salzbutter anschwenken. Großzügig Zucker dazugeben, das gibt einen feinen Karamellgeschmack, noch etwas Salz, weißer Pfeffer, Muskat.
Mit einem Bild der Butter von geradezu dramatischer Aussage kann ich dienen.

Teil III - die Ahhhhs! und Ohhhhs!

Das Fleisch aufschneiden und begeistert sein!
Klick mal aufs Bild, in größer isses noch toller!
Mit dem Rosenkohl und den Knödeln anrichten.
OK, es schwappt, aber kann es zuviel Sauce geben?

Teil IV - der Wein
Ich habe im vorangegangen Post erzählt, wie dramatisch unsere Weinbestände zur Neige gehen. Die Flaschen im Header zum Beispiel. Eine davon gab es zum Wild.
Und damit ich heute noch fertig werde, darfst Du jetzt erstmal raten, welche. :)

Guck mal nach rechts. In der Sidebar habe ich eine kleine Umfrage dazu eingerichtet. Du kannst Deine Entscheidung hier in den Kommentaren auch gerne erläutern. 

16.01.11

Jahresrückblick III - Ich schenk´ nochmal nach...



Bei soviel Rückschau auf das Essen (Teil I und Teil II) muss der Blick auf den Wein ebenso wichtig genommen werden.
Wie war denn nun das mein Weinjahr 2010?
Zuerst war es selbstverständlich wieder ein Jahrhundertjahrgang. So wie 2006, 2007, 2008, 2009, 2011, 2012... eh klar!

Und für mich persönlich? Was habe ich denn so getrunken in den vergangenen Monaten?
Zuwenig, möchte ich meinen. Aber das ist Ansichtssache. :)
Nun, zuallererst mal haben P. und ich dem Weingut Huf in Ingelheim unter großem persönlichen Einsatz die 2007er Grauburgunder Spätlese-Bestände weggetrunken. Die letzten Flaschen fanden gestern ihren Weg vom WG in unseren Weinkühlschrank.
Mit Fug und Recht kann dieser Wein von sich behaupten, uns als Feierabend-Fernsehwein durch das vergangene Jahr begleitet zu haben.

Das ist so eine persönliche Weineinstufung von mir.
Ich habe Feierabend- und Fernsehweine. In der gleichen Kategorie bewegen sich auch die Terrassenweine.
Dann kommen die Kinoweine und zum Schluß die für Theater und die große Oper.
Terrassenwein war dieses Jahr ganz klar dieser hier:
Vinha Real
Wie in noch keinem Jahr zuvor bin ich zur Liebhaberin des Vinho Verde avanciert. Die frische Leichtigkeit und der geringe Alkoholgehalt dieses Weines haben es mir besonders angetan.
Und der hier:
Trenz Rosé 2009
Rosé mag ich selten. Bisher hat es alljährlich nur der "Saigner" von Markus Schneider, Ellerstadt, (Martin! ich kann sehen, wie Du mit den Augen rollst!)  in unsere Vorräte geschafft, der Trenz hat ihm im vergangenen Sommer eindeutig den Rang abgelaufen und uns kistenweise sogar bis nach Holland begleitet.
Apropos rosa, da war doch mein Erlebnis mit diesem wunderbaren, rosa Blütenträume erzeugenden Dolcetto...klick mal hier

Achja, Sommer! Da gab es doch dieses wunderschöne Gelage mit unseren Freunden vom "Hahnenhof" in Mainz, an dessen Ende ich die Hühner entbeint habe. Schon tagsüber haben wir an der Kategorie "Wein für das große Theater" gekratzt.


  • Chianti Classico, Riserva 2001, Marchese Antinori
  • Muffato della Sala, 2000, Castelle della Sala, Antinori

Mit den gleichen Herrschaften haben wir ungefähr zu dieser Zeit im letzten Jahr im Rahmen eines vergnüglichen Tages, der in einem Raclette-Abend gipfelte, dieses hier ausgetrunken: 
  • Grauer Burgunder WG Huf 2007 (Verkostungsnotiz)
  • Riesling classic WG Huf, 2009
  • Château Dutruch GrandPoujeaux, 2005
  • Château Bernadotte Haut Medoc Grand Vin, 2005
  • Masi Costasera Amarone, 2003
  • Beringer Knights Valley, 2003 (Verkostungsnotiz)

Genossen haben wir ferner diese:
  • Tignanello 2004, Marchesi Antinori, Toskana (Der Tignanello war auch mit 2 Flaschen unser Silvesterwein 2010/2011)
  • Tinto Crianza, Macia Batle, 2005
  • Vina Sastre Roble, Bodegas Hermanos Sastre, Ribera del Duero, 2003
Und ich war auf dieser tollen Weinprobe im Hyatt als Gast der Firma Wein Wolf.
 Der Abend endete schummrig in der Bar
so dass man die Salmanazar (9 Liter) 
  • Rubrato Agliancico Campania Glianico IGT 2006, Feudi di San Gregorio 
auf keinem Bild richtig erkennen kann. :)
Übrigens mein erstes (bewusstes) Trinken der Rebsorte Aglianico.

Jetzt muss ich nochmal innehalten. Was hatten wir noch?
Achja, zum Lamm im Sommer:
  • Il Bruciato 2007, Guado al Tasso

Und gänzlich ohne Wertung - sonst werde ich hier heute nicht mehr fertig:

 
und ganz viele andere mehr. Ich kann nicht immer trinken UND fotografieren!

Mein persönliches Highlight in Sachen Wein war sicher die diesjährige Burgunderprobe bei Franz Keller im "Schwarzen Adler".

Und ich durfte dieses Jahr ganz offiziell einen Wein verkosten und beschreiben, den mir Holger Schwarz von viniculture, Berlin, extra für ein von mir erwähltes Gericht zur Verfügung gestellt hat. Danke nochmals, Holger, das hat mir großen Spaß gemacht. 
Meinen Bericht vom strengen Larredya, der die Peitsche zum Herumtreiber-Gericht geschwungen hat, findest Du hier

Und sonst so?
  • Ich habe im vergangenen Jahr nur eine - in Worten - EINE Flasche Amarone getrunken!
  • Ich hatte keine einzige - in Worten - KEINE EINZIGE - Flasche "Chocolate Block" im Glas
  • Beide sind zwar vorrätig, aber mit den Jahrgängen 2000 und 2003 noch zu jung
  • Ich habe immer noch nicht die Flasche "Tailor" 2005, die Markus Schneider mir mal geschenkt hat, getrunken
  • Meine 2005er Bordeaux gehen zu Neige in einer Form, die mir die Tränen in die Augen treibt
  • Ich habe mir letzte Woche eine Magnum Granato von 1997 gekauft. Mit einem Preis von € 83,00 ein kleines Schnäppchen
  • Mein ältester Jahrgang "Fabelhaft" ist von 2007, also noch völlig untrinkbar
  • Ich hatte einige Châteauneuf du pape und finde die Bilder nicht mehr
  • Mein letzter Gambero Rosso ist von 2008
  • Ich habe schon zu lange nicht mehr in meinem "Der neue Weinaltlas" von Hugh Johnson geblättert.
  • Ich trinke mehr, als ich es schaffe, darüber zu schreiben
  • Wir haben im vergangenen Jahr mehr getrunken, als nachgekauft, was dazu geführt hat, dass unsere Weinbestände auf ein unerträgliches Maß geschrumpft sind
  • Ich war immer noch nicht auf allen Weingütern in Rheinhessen zu Besuch
  • Ich war noch nichtmal auf allen Weingütern in Ingelheim
  • Ich glaube, alle muss ich auch gar nicht besuchen
  • Ich muss unbedingt den Frühburgunder 2009 und Spätburgunder 2009 vom WG Huf kaufen und einlagern
  • Ich muss dringenst DRINGENST mal wieder das Weingut Mett besuchen und mich durch den neuen Jahrgang trinken
  • Verkostungsnotizen hier im Blog findest Du meistens unter der Rubrik "Getrunken" - Wenn ich nicht vergesse, sie dort einzustellen
  • Ich muss zufürderst und unbedingt im Lotto gewinnen!
  • Ich muss jetzt mal hier aufhören und den Wein zum Reh für heute Abend raussuchen
Und eins ist hier und jetzt fest versprochen:
Für den Rest des Jahres 2011 schaue ich nur noch nach vorne!