31.03.11

Jetzt kommst Du!


Sicher hattest Du irgendwann in Deinem Leben ein Vorstellungsgespräch. Ich hatte mein erstes mit 16 Jahren, zu der Zeit haben mich meine Eltern auf einer katholischen Ordensschule für Wirtschaft und Verwaltung angemeldet. (Höhere Handelsschule heißt das wohl heute)
Als regelmäßige(r) Leser(in) dieses Blogs kräuseln sich Dir hier sicher schon die Fingernägel, weil Du weißt, dass ich in großen Teilen meiner Kindheit und Jugend adventistisch erzogen worden bin.
Diese Tatsache entbehrte natürlich nicht einer gewissen Pikanterie. Und so musste nicht nur ich (als vielleicht zukünftige Schülerin) zum Vorstellungsgespräch bei Ober-Bruder Wolfgang vom Orden St. Anno vorstellig werden- nein. Er wollte die ganze Truppe. Und so sind wir dort aufgelaufen:  Arthur, Mama und drei Kinder. Begleitet von Frau "Fanni vom Hundsöder Dorf", unserer Rauhaardackeldame.

Für diese katholischen Ordensbrüder waren wir eine Familie von einem anderen Stern. Aber gemocht haben sie uns und so verbrachte ich auf dieser kleinen feinen Schule die zwei schönsten Jahre meiner Schulzeit.

Weitere Vorstellungsgespräche waren nicht mehr ganz so entspannt, mein härtestes hatte ich vor vielen Jahren bei Görtz in Hamburg für ein Traineeprogramm. An die Mangel, durch die ich gedreht wurde, erinnere ich mich bis heute und ich weiß noch, dass ich mitten im Gespräch überlegt habe, einfach aufzustehen und zu gehen. Seitdem reiße ich Vorstellungsgespräche auf einer Pobacke ab. Übrigens habe ich damals gerade gefastet, ich glaube es war der fünfte Tag.
Eine Sache, auf die man sich in Vorstellungsgesprächen vorbereiten sollte, ist die Frage nach den persönlichen Stärken und Schwächen. Da meine Bewerbungen in der Regel Exposéform haben, gehe ich schon dort auf diese ein und erspare mir so meistens die Frage im Gespräch. Wem es nicht schwer fällt, sich selbst zu beschreiben, hebe die Hand! Ah.. niemand. Wusste ich´s doch. 

Jetzt möchte ich mich mal wieder vorstellen und brauche Deine Hilfe. Wie Du vielleicht gelesen hast, schreibt die Rheinzeitung in ihrer Sonderbeilage Essen & Trinken einen kleinen Bericht über "Arthurs Tochter Kocht", der am Samstag den 2. April erscheint. Und da könnte es ja sein, dass im Blog ein oder zwei neue Leserinnen und Leser aufschlagen. Und wie sollen die sich hier zurechtfinden? Leser dieser ehrwürdigenZeitung haben unter Umständen keinerlei foodblog-Erfahrung. Die kommen zur Tür rein, klicken ein bisschen rum und stoßen dann auf Versatzstücke wie adventistisch, biblische Linsengerichte, seltsame Studien und deren Zusammenhänge, zusammenhanglose Rezeptdarstellungen, unklare Mengenangaben usw. Und dann das gefüllte Eichhörnchen! Himmel, das Eichhörnchen! Vielleicht hätte ich mir das mal früher überlegen sollen!  Erst heute habe ich wieder von Tina foodina (die übrigens auch gerade fastet) gehört, man bräuchte Wochen oder Monate, sich hier einzulesen. Das halte ich für etwas übertrieben, aber auch Eline hat ja schon einmal behauptet, sie bräuchte einen Tag Urlaub zum Lesen meiner Posts. Und wer wollte Eline widersprechen? :) Wobei das jetzt wieder besser geht, als noch vor ein paar Wochen. Also- wenn man sich traut. ;))

Und jetzt kommst Du- geneigte(r) Stammleser(in): Ich dachte, DU stellst mich vor. Also Du sagst einfach mal so frei von der Leber weg, wie Du einer fremden Person diesen Blog, Arthur und mich erklären und beschreiben würdest. Aus diesen Erklärungen mache ich dann nächste Woche einen schicken Willkommenspost für "die Neuen".

Und damit Dir das noch mehr Spaß macht, habe ich heute beim Egmont-Verlag angefragt, ob sie nicht Lust haben, eine Kochbuchverlosung zu sponsern mit - natürlich - diesem Buch:
In dem findest Du mein Rezept für den Roten Heringssalat und viele Rezepte von anderen Bloggern. Ich verrate jetzt nicht, von welchen, ein bisschen Spannung muss sein. Der geübte Leser findet vielleicht aber den dazugehörigen Post. Mit dabei sind noch Lea Linster, Mario Kotaska, Frank Rosin und andere.
Also- der Verlag spendet 3 dieser Bücher, die von mir unter allen abgegebenen Kommentaren verlost werden. Da der Rechtsweg natürlich ausgeschlossen ist - wie könnte es auch anders sein, ich bin Linkshänderin - werde ich die Auslosung filmen und hier einstellen. So kannst Du sicher sein, dass alles mit rechten Dingen zugeht, ganz ohne Notar. Zur Not beruhigt Dich vielleicht,dass P. Rechtswissenschaften studiert hat und sein Vater ein sehr hoher Richter a. D. ist. Wir hätten also im Ernstfall kompetente Hilfe zur Seite. :) Das Buch geht- wenn Du es wünschst - gerne mit einer persönlichen Widmung an Dich raus und vielleicht hast Du dann noch Lust, es an die anderen beteiligten Blogger weiterzuschicken, die signieren es Dir sicher auch gerne. 

Was aber ist, wenn jemand dieser Blogger hier kommentiert (was ich schwer hoffe!) und dann gezogen wird? Nun, dann bekommt die oder der einfach ein anderes Kochbuch von mir, das ich ganz privat aussuche auf meine Kosten, abgemacht? Und besonders würde ich mich freuen, wenn sich ganz viele zu Wort melden, die hier eigentlich nie kommentieren, sondern regelmäßig und treu im Stillen mitlesen. Sollte jemand mit der Kommentarfunktion nicht klarkommen, bitte melden- ich helfe gerne.

Die Kommentare lasse ich laufen bis Sonntag, den 3. April, 12.00 Uhr, die Gewinner werden dann in der nächsten Woche veröffentlicht, samt dem Video der Ziehung. Wichtig ist mir noch folgende Anmerkung:
Ich mache das aus reinem Spaß an der Freude und aus keinem anderen Grund! (Die Zeiten sind komisch, da muss man das schon fast dazu sagen)

Und jetzt wünsche ich Dir viel Glück und viel Spaß hier mitzuwirken und mir selbst wünsche ich viele tolle Anmerkungen und Anekdoten zu den letzten 21 Monaten, in denen Du mich hier so toll begleitet hast!
Hau in die Tastatur und lass es raus!

Und übrigens - 14. Tag heute! :)

29.03.11

Tag XII - gefülltes Eichhörnchen


Ich gebe zu, gestern habe ich mit mir gehadert, halte ich die 14 Tage durch? Schaffe ich 15? Bin ich dieses mal vielleicht froh, wenn ich nur 13 erreiche? Dann habe ich mich an einen Rezepteklassiker erinnert, der spontan Kraft gab und der Überlegung Raum, vielleicht auf 4 Wochen zu verlängern. Und wenn Du vielleicht jetzt noch nichts gegessen hast, aber nicht fastest, solltest Du mit dem Lesen bis nach dem Frühstück warten. Aber iss nicht zuviel- auch das könnte kontraproduktiv sein. Das Rezept ist nichts für Feingeister:

Man sollte graue Eichhörnchen verwenden, die roten gelten als zu klein und haben einen starken haut goût.
Zur Häutung werden folgende Schritte empfohlen:
Du schneidest den Schwanzknochen von unten durch, die Haut am Schwanzende aber nicht ganz. Dann die Haut mittig am Rücken einschneiden. Dann drehst Du das Eichhörnchen herum und trittst auf den Schwanz. Du ziehst mit einer Hand an den Hinterbeinen bis sich das Fell langsam "vorarbeitet" und am Kopf angekommen ist. Nun ziehst Du den Rest des Fells von den Hinterläufen.

Jetzt machst Du weiter wie bei einem Kaninchen (das ich bekanntlich auch nicht esse) und schneidest Kopf und Pfoten ab, dann entfernst Du die Innereien und die 2 kleine Drüsen die sich beim Eichhörnchen im Kreuz befinden. (Frage an die Fachleute: gibts die beim Kaninchen auch?)

Zubereiten kannst Du das Eichhörnchen wie eine gefüllte Taube (die ich ebenfalls nicht esse) oder Du verwendest es in einem "Brunswick Stew" (das ich nicht kenne, ohne Eichhörnchen aber glatt essen würde)
Bild aus Wikipedia "Brunswick Stew" 

















Wenn Du weitere Anleitungen brauchst, etwa für die Jagd und die spätere Zubereitung eines Eichhörnchenburgers mit Käse, bitte sehr:

Sollte Dir auch diese Zubereitung nicht gefallen, gibt es hier noch ein Rezept für Eichhörnchen am Spieß :)
Und? Magst Du auch ein bisschen fasten jetzt?

Du siehst, langsam werde ich albern...
*gnihihi

Nachtrag:

was ich total vergessen habe zu erwähnen: vor ein paar Tagen ist jemand über die googlesuche für "panierten Biber" bei mir im Blog gelandet. Es scheint also durchaus Bedarf an spezielleren Rezepten zu bestehen. ;)
Gelandet ist er oder sie bei mir übrigens, weil ich in manchen Rezepten pul biber verwende. Nicht dass ihr denkt, ich hätte schon einmal einen zubereitet und es dann nicht so richtig erzählt! :)

28.03.11

Tag IX - XI panta rhei...



Mittlerweile habe ich einen wunderbaren Rhythmus für mich gefunden. Die Nächte werden kürzer (auch ohne die Zeitdiebe der Physikalisch Technischen Bundesanstalt), ab 5.00 h macht es "pling" in meinem Kopf und ich bin glockenhellwach. Der Geist läuft auf Hochtouren. Im Wechsel mache ich täglich entweder eine ausgiebige Yogastunde oder ich jogge, allerdings nicht länger als 30 Minuten. Auch wenn ich das Gefühl habe, meine Beine hätten Flügel und trügen mich bis an das Ende der Welt. Alle 4 Tage gehe ich in die Sauna und hole so den letzten Rest aus mir heraus. 

Am Samstag hatte ich ungelogen das Laptop nicht ein einziges mal eingeschaltet. Normalerweise glüht es den Tag über durch. Ich gestehe die Nutzung der Internetfunktion am Telefon, also so ganz abgeschnitten war ich nicht, aber auch das lag mehr in der Ecke herum als sonst. Die Welt hat sich trotzdem weitergedreht und so wirklich verpasst habe ich wohl nichts. Ich hatte vor zur Prowein zu fahren. Na klar werden sie mich dort vermissen (*zwinker), ist aber egal, Du musst Prioritäten setzen. 

Dafür mache ich Dinge, für die mir sonst jegliche Muße fehlen würde, z. B. fotografiere ich jeden Tag die gleiche Magnolienblüte auf der Terrasse und freue mich an ihrem Wachsen. 
video
Mal sehen, wer als erste(r) die Hintergrundmusik erkennt. 

Nebenbei koche ich und - das möchte ich nochmal an dieser Stelle betonen - ganz ohne Qual und mit großer Freude. Allerdings nur leichtes Zeugs, so Sachen, die Du mit verbundenen Augen hin bekommst. Meistens muss dann am Tisch noch etwas nachgewürzt werden, aber ein bisschen  können die zwei ja auch selbst machen. :) So gab es mal wieder Lachs aus dem Bratschlauch, viel Salate, in der Folie gebackenen Schafskäse mit Oliven-Orangeöl von Agrumato,
ein Lammgulasch mit Lebkuchengewürz und Couscous, das für 3 Tage reicht (ein bisschen Herdruhe sei mir dann doch gegönnt)
Warum sollte ich Neues ausprobieren, von dem ich nichts habe. Ein wenig Egoismus darf wohl sein zur Zeit. ;) und dazu geschehen noch Zeichen und Wunder: Unsere Tochter greift zwischendurch auch selbst zum Kochlöffel, bzw. zur Salatschleuder. 

Wie lange ich noch fasten werde, weiß ich nicht. Um eine Kommentarfrage aus dem letzten Post aufzugreifen: 
Ich weiß, dass viele 7 Tage fasten. Für mich ist das ein Aufwand, der sich nicht lohnt. Du brauchst mindestens 3 Tage um den Körper umzustellen, die Kopfschmerzen und das Hungergefühl loszuwerden. Da erscheinen mir nur weitere 4 Tage als unverhältnismäßig. Darum liegt mein selbstgesetztes Ziel stets bei 14 Tagen, alles was danach kommt, ist nur noch Kür. Die längste Fastenzeit, die ich hatte waren 23 Tage, da lief es einfach so gut vor sich hin, dass ich völlig berauscht war von mir selbst und meinem Leben. Dieses mal wird es wohl kürzer sein, ich habe keinen Hunger aber Gelüste, die mich fast wahnsinnig machen. Also diszipliniere ich mich noch weitere drei Tage und schaue, was kommt. 
Alles fließt...

25.03.11

Tag VIII - Kleine Pfannküchlein mit Petersilien-Gin-Sauce (update für Klaus)


Es gibt Menschen, denen ist völlig egal, dass ich faste. Die verlangen ihr persönliches (!) tägliches Rezept, sonst werden sie mürrisch und schicken mir blöde Zeitungsausschnitte.
Also lieber Klaus, ich habe die Bonbons bestellt, zumal ich die Zweimarkfuffzich für sensationell günstig halte. Hoffentlich schlägt die Nachnahmegebühr nicht so zu.
Und hier kommt wie versprochen - heute sogar ganz öffentlich (normalerweise läuft das über meine Fan-Seite bei facebook) - ein Rezept aus den Tiefen des Blogarchives, sozusagen aus meinen Anfangstagen, nämlich aus September 2009. 

"Alle Lockungen, alle möglichen Versuchungen vereinigten sich, um die Arbeiter zur Trunksucht zu bringen. Der Branntwein ist ihnen fast die einzige Freudenquelle ... 
Der Arbeiter kommt müde und erschlafft von seiner Arbeit heim; er findet eine Wohnung ohne alle Wohnlichkeit, feucht, unfreundlich und schmutzig; er bedarf dringend einer Aufheiterung, er muss etwas haben, das ihm ... den nächsten sauren Tag erträglich macht; ... sein geschwächter Körper ... verlangt mit Gewalt nach einem Stimulus von außen her ... Sein geselliges Bedürfnis kann nur in einem Wirtshaus befriedigt werden ... es ist die moralische und physische Notwendigkeit vorhanden, dass unter diesen Umständen eine sehr große Menge der Arbeiter dem Trunk verfallen muss“

Das schrieb Friedrich Engels (1820 - 1895), der 1842 als junger Mann aus dem pietistischen Barmen im Tal der Wupper für 2 Jahre nach England ging, um dort eine kaufmännische Ausbildung zu absolvieren.
Dass Herr Engels jr. sich alsbald Gedanken um das Proletariat und dessen Lebensumstände machte ist bekannt. Nicht überliefert ist, ob er versuchte, die Entstehungsgeschichte des von den Briten so verehrten und sie doch zugrunde richtenden Gebräues zu ergründen.

Wie so vieles Elend in der Welt liegt auch dieser Geschichte einmal mehr ein Vater-Sohn-Konflikt zugrunde. Karl V. (1500 – 1558) hatte irgendwann genug von seinem aufsässigen Sohn, Philipp II. Um ihn loszuwerden und zu verhindern, dass der Sohn versuchen möge, durch einen vorzeitig herbeigeführten Tod des Vaters an den Thron zu kommen, übergab er ihm 1555 Spanien, Mailand, Neapel, Sizilien, Sardinien und die Niederlande. Anstatt sich in der mediterranen Sonne zu aalen, hatte Philipp nichts Besseres zu tun, als seine neuen Reiche tyrannisch zu unterdrücken. Während die Mailänder sich der Kunst hingaben, die Nepalesen erste strukturierte Verflechtungen diverser verbrecherischer Familien planten und die Sizilianer schon mal zur Freude späterer Touristen Amphoren in der lehmigen Erde vergruben, versuchten die Niederländer alles, um Philipp wieder loszuwerden. Das passte diesem erwartungsgemäß wenig, so dass der den aufrührerischen Niederländern den Herzog von Alba auf den Hals schickte. Da ließen diese aber nicht lange mit sich spaßen, legten die Blumenzwiebeln beiseite, griffen zu Stock und Schwert und riefen „Krieg“! Etwa in der Mitte des 17. Jahrhunderts hatten sie die Spanier dann endgültig vor die Deiche gesetzt.

Was aber machten die Holländer nach all den Jahren der Entbehrungen? Das gleiche, was wohl jeder von uns getan hätte: Sie aßen sich mal wieder richtig satt. Aufblühend zu einer der führenden Seemächte Europas begann in den Niederlanden das „Goldene Zeitalter“. Und so wie man auch noch heute in dem kleinen Land am Meer gerne allerlei Gebackenes, Frittiertes und Zerkochtes zubereitet, war es auch damals schon. Nur noch viel schlimmer! Alsbald war die Bevölkerung krank, krampfte sich herum und stöhnte über die Schmerzen in den Verdauungsorganen. Da eilte ihnen jemand zu Hilfe: Franziskus Sylvius de Bove, Professor an der Universität Leyden.

Dieser experimentierte etwa um das Jahr 1600 herum mit Mais, Wacholder, Gerste und Roggen. Sein Ergebnis – einen klaren Wacholderbranntwein, der die Verdauung anregte – nannte er „Geniève“, das sich vom lateinischen „iuniperus“ ableitet und „Wacholder“ heißt. 

Und so genießt man auch noch heute traditionell in den Niederlanden in seiner Stammkneipe oder auch mit Freu(n)den zuhause ein Glas Genever. Dabei steht beim jonge Genever mehr die Wacholdernote im Vordergrund, beim oude eher der „moutwijn“, der Malzwein. Passend zum jonge und oude Genever haben die Holländer dann auch gleich den jonge und oude Gouda erfunden.

Jetzt wissen wir aber immer noch nicht, wie das Elend auf die Insel kam. 

Das passierte 1688. Zu der Zeit regierte in England Jakob II, seines Zeichens den Franzosen und den Katholiken sehr zugetan. Mit beiden hatten aber die Engländer nichts an der späteren Melone, so dass die Opposition den Protestanten Wilhelm von Oranien um Hilfe bat. Der kam mit 15000 Mann, vertrieb den frankophilen Jakob und ließ sich zum Dank auch gleich die englische Krone aufsetzen. Im Rucksack hatte er damals den Genever, der alsbald zum Kultgetränk der englischen Gesellschaft avancierte. Geholfen hat dabei sicher nicht unwesentlich, dass Wilhelm zeitgleich die französischen Getränke mit immensen Steuern belegt, so dass er den Engländern zumindest zeitweise das Champagnertrinken verdarb. Wo die Engländer doch schon seit 1662 mit der zweiten Gärung experimentierten und auch festere, der Flaschengärung standhaltende Glasflaschen entwickelten. Aber davon ein anderes Mal mehr…

Da aber die Steuerpolitik Wilhelms nicht so ganz ausgereift war, wurde Bier gegen Ende des 17. Jahrhunderts sehr viel teurer als Genever, der dann in rauen Mengen von der armen englischen Bevölkerung getrunken wurden. Da die einfachen Schichten des Französischen nicht mächtig waren und auch betrunken kaum noch in ihrer eigenen Landessprache lallen konnten, verkürzten sie den Namen des Getränkes alsbald auf „Gin“. Wie eine Epidemie breitete sich die billige Tunksucht in England aus und vernichtete ganze Straßenzüge. Ähnliches erlebten nur noch die Franzosen um 1900 herum, als der Absinth das halbe Land in Alkoholleichen verwandelte. Am Ende des 17. Jahrhunderts trank man in England 2,5 Millionen Liter Wacholderbrand – um 1730 waren es schon 25 Millionen, in den 40er Jahren bereits 100 Millionen Liter pro Jahr. Angeblich war in Westminster in den 20er Jahren des 18. Jahrhunderts jedes vierte Haus eine Schnapskneipe in der sich das Proletariat bis zum Erbrechen berauschte. 
Quellen: Wikipedia,  Zitat aus: "Von Absinth bis Zabaione"

Das ist heute zum Glück anders geworden. Wir trinken unseren Gin gepflegt als Gin Tonic oder Gin Fizz und manchmal, wenn wir des Kochens mit Wein müde geworden sind, verarbeiten wir ihn als Bestandteil in Kräutersaucen:

1 Schalotte in Butter glasig andünsten und mit einem großzügigen Schuß Gin ablöschen. Einkochen lassen. Mit Gemüsefond ablöschen und wieder einkochen lassen. Das 2 x wiederholen. Dann etwas Sahne angießen und ein wenig einkochen lassen. Ein großes Bund glatte Petersilie waschen und kleinhacken. Dann in der nicht mehr kochenden Sauce pürrieren. Salzen, pfeffern und durch ein Sieb streichen. Etwas eiskalte Butter mit der Schlagscheibe des Zauberstabes einmontieren und aufschäumen. 

In eigener Sache möchte ich noch betonen, dass ich heute meinen 8., in Worten "achten", Fastentag habe! Halbzeit oder so. :)

23.03.11

Tag III - VI Hungermüdeglücklichentspannt



Weißt Du, wie ich Tag III verbracht habe? Mit Thermosflaschen voller Tee (Ingwer, Sweet Chai, Sweet Chili, Lemon) und ab nachmittags im Bett mit meiner derzeitigen Lieblingsserie "Breaking Bad". Hier darbe ich so vor mich hin und dort ziehen sie sich alles rein, was turnt-  kochen ihr Meth, stürzen in die Gülle einer Chemietoilette (dagegen geht´s mir richtig gut!), kratzen die Reste irgendwelcher Drogenleichen vom Fußboden und andere Nettigkeiten mehr. Also Du siehst, die reinste Wohltat für die Fastenseele, die der Entspannung und dem kontemplativen Blick auf das eigene Leben harrt.

Nach unruhigem Schlaf (kein Wunder!) am Morgen von Tag IV- alles vorbei. Kein Hunger, kein gar nichts. Nur Leichtigkeit und gute Laune. Nach der Erledigung einiger Tiere namens Fisch, Hund und Kobra und Grüßen an die Sonne 


Flieger, grüß mir die Sonne, grüß mir die Sterne und grüß mir den Mond,

dein Leben, das ist ein Schweben durch die Ferne, die keiner bewohnt.


ging´s mit 2 Kannen Tee bewaffnet in die Gau-Algesheimer Wellnessoase- herrlich! Und abends habe ich gekocht. Eine Resteverwertung als kleiner Happen 
und ein Rumpsteak für die Lieben gab es auch noch, da habe ich mir allerdings das Fotografieren erspart, weil mir vom Duft schon ganz schwindelig wurde. Daher ein Archivbild, denn so sah es eigentlich wieder aus:
Nur ohne die Kartoffeln. Und ich saß mit am Tisch bei einer Tasse Tee und fand das so unglaublich doof, was die zwei da machen, aber nagut. 
Gestern dann bin ich gejoggt, eine halbe Stunde lang. Kennst Du das auch, wenn Du im Dunkeln Auto fährst, kommt Dir dann die Geschwindigkeit höher vor, als sie eigentlich ist? Mir geht das immer so. Nun, beim Fasten passiert wohl Ähnliches. Ich war so leicht und locker und locker und leicht, völlig schwerelos, 

Die Erdanziehungskraft. Ist überwunden. 
Alles läuft perfekt,. Schon seit Stunden

so dass ich mich selbst schon im Tempo gebremst habe. Um dann bei einem Blick auf mein Trainingsprogrammdings festzustellen, dass ich für die gleiche Strecke 10 Minuten länger gebraucht habe, als sonst. Das war dann wohl so etwas wie ein Fasten-Runners-High. 
So losgelöst habe ich im Anschluss noch die halbe Terrasse umgegraben, d. h. Kübel bepflanzt, umgetopft, gesät, gesteckt und gegossen. Um 18.00 h war ich so kaputt, dass ich mich "nur mal kurz" hingelegt habe, um 19.00 war ich schon tief und fest weggeratzt. 

Dazu kommt ja noch, dass ich zwar gut und auch erholt schlafe, aber in einer Intensität träume, die kaum zu beschreiben ist. Mein Geist läuft nachts, wenn mein Körper schon lange müde an seinen Grenzen angekommen ist, noch auf Hochtouren. Ich glaube fast, er arbeitet nachts mehr als tagsüber. Vielleicht will er im Moment einfach seine Ruhe vor mir haben? Naja, es geht den "Mensche wie die Leit´" und er wäre nicht der erste. Ich brauche heute jedenfalls Ruhe. Tiefste Entspannung. Werde mich daher jetzt in die Sonne legen und nichts tun. Vielleicht ein bisschen lesen, aber ich glaube, selbst das lasse ich heute mal sein. Nur einen Alert mit "Fasten" richte ich mir noch ein. Mal sehen, was die anderen so treiben. 

19.03.11

Tag II - Hemmungslosigkeit


Den ziehe ich mir heute rein! Ich werde völlig über die Stränge schlagen! Geschält, gehobelt und dann mit heißem Wasser übergossen- ein Träumsche, wie der Meeenzer sagt. 
Wie gut, dass ich Ingwer wirklich gerne mag. In meiner Vorstellung esse ich dazu einen Teller Sushi, also einen großen, nicht so ´ne kleine Nummer vom Band. Eher so:
Weißt´ was ich meine?

Das ist so schlimm in den ersten Tagen. Das ganze Essen um mich herum. Ich fühle mich wie ein Frosch, der mit der Zunge schnell nach Fliegen schnappen möchte, um nicht zu verhungern. So möchte ich in manchen Momenten die Krümel auf der Arbeitsplatte abschlecken, die dort vom Schulbrotschmieren zurückgeblieben sind. Angeblich soll es Dich nicht so schlimm erwischen, wenn Du vor dem Fasten ein oder zwei Entlastungstage machst. Ehrlich- ich finde das Wort schon furchtbar. Und ich kann es auch nicht. Vielleicht hört sich das verrückt an, aber ich esse lieber von jetzt auf gleich gar nichts mehr, als dass ich schon mal zwei Tage vorhungere. Mein Gehirn weiß das auch und tut alles dafür, dass ich mich noch mehr be-laste als sonst. 

Als ich das erste mal gefastet habe - vor ca. 25 Jahren unter Begleitung eines Fastenkurses - habe ich diesen Entlastungstag eingelegt. Etwas Reis, ein bisschen gedünstetes Gemüse und am Abend in einer Hungerattacke zwei halbe Hähnchen vom Wienerwald. Beim nächsten mal ca. ein Jahr später sah mein Entlastungstag so aus:
Tagsüber ein bisschen Reis, etwas gedünstetes Gemüse und am Abend der kulinarische Raubüberfall einer Dönerbude in der Koblenzer Altstadt. Da wusste ich- that´s not what I made for. Ich mache etwas oder ich mache es nicht. Ich rauche oder ich rauche nicht. Und ich habe geraucht. Eine Packung pro Tag. Seit 10 Jahren keine einzige Zigarette mehr von heute auf morgen. P. raucht manchmal eine oder zwei. Das ist mir unbegreiflich. Ich bin ein Suchtkind- ich kann von allem nicht nur ein bisschen. Also war ich vorgestern natürlich nochmal mittags beim Thailänder essen und habe mir abends zu Knackwürstchen und Salat gemeinsam mit P. eine Flasche 2009er grau-weiß von Schnaitmann reingezogen. Dann bin ich mit einer Tüte Gummibärchen ins Bett gegangen. Amokessen. 

Darum leide ich jetzt so. Das aber wieder richtig! :)
Und hier siehst Du, wie ich mich fühle:

Der Anfang:

18.03.11

...zur Zeit nicht!


Tag I

Ich mache eine kleine Kochpause. Wobei das so nicht richtig ist. Es ist eine kleine Esspause. Für ca. 14 Tage, vielleicht auch länger. Gekocht wird hier zuhause trotzdem, jedenfalls in ein paar Tagen wieder. Nur mitessen werde ich nicht. 

Nachdem ich nach ca.17 Jahren der Regelmäßigkeit zwei Jahre ausgesetzt habe, beginne ich heute endlich  wieder mit klassischen Heilfasten. Und beantworte hier und jetzt gleich nochmal die Fragen, die dann immer gestellt werden:

Und was isst Du in der Zeit?
Nichts.

Und was ist mit Suppe?
Suppe ist Essen. Ich esse nicht.

Aber dann ruhst Du Dich viel aus?
Bedingt. Es gibt Tage der Ruhe und Tage voller Energie.

Aber Du machst doch dann keinen Sport?
Doch, ich jogge in Maßen und mache täglich Yoga. 

Trinkst Du Kaffee?
Nein, keinen Kaffee und keinen schwarzen Tee. Nur Wasser und (Frucht)Tee.

Kein Kaffee? Das würde mir super schwerfallen!
Das fällt mir so schwer, das kannst Du Dir kaum vorstellen!

Aber das ist doch bestimmt total schädlich für den Körper!
Nein, für meinen Körper ist das unglaublich gut. Ich werde jeden Tag leichter und damit meine ich keine Kilogramm.

Und wieviel nimmst Du dann ab, dann ist ja nix mehr von Dir über!
Ach, jeder nimmt mal mehr ab beim Fasten und mal weniger. Ich habe schon in 3 Wochen lediglich 4 Kg verloren. Der Körper gibt, was er hergeben mag und kann. Zugegebenermaßen kann mein Körper zur Zeit sicher ein bisschen mehr hergeben.

Was ist mit dem Hunger, Du musst doch einen wahnsinnigen Hunger haben!
Habe ich. Heute geht´s noch so. Morgen wird schlimm. Übermorgen, am dritten Tag ist es furchtbar, ich werde schlimme Kopfschmerzen bekommen, mein Körper geht auf Entzug. Aber an diesem Tag ist der Silberstreif schon da, denn abends ist alles vorbei, der Hunger ist einfach verschwunden. Gesetz den Fall, dass ich genügend trinke, mindestens 5 Liter am Tag. 

Aber dann mach doch eine Diät, wenn Du abnehmen willst.
Ich will doch gar nicht abnehmen.

Warum fastest Du dann?
Weil ich wieder zu mir kommen möchte. Weil ich diese Zeit für mich und meinen Geist brauche. Weil ich mich in diesen Tagen oder Wochen diszipliniere und durch Disziplin Kraft schöpfe. Wenn ich aufhören kann zu essen, dann kann ich andere Dinge erst recht!

Ich habe schon mal davon gehört, es gäbe so Schlacken im Darm, die kämen dann alle raus.
Ach, ich kenne Schlacken nur aus Hochöfen. Und aus meinem Kopf. Der ist zur Zeit voll davon. Ich möchte wieder besser riechen, besser schmecken und besser denken können. 

Aber auf alles zu verzichten- ich könnte das nicht.
Das muss man nicht können, das muss man wollen. Abgesehen davon ist das, was man gerne tut, kein Verzicht, wie könnte es? Ich bekomme so viel mit in dieser Zeit- das ist wie auf Droge. Ich höre die Luft flirren an manchen Tagen. Ich höre aus der Kakophonie des Alltags die kleinen feinen Zwischentöne besser heraus. Ich werde Dich wieder besser verstehen können und mich selber auch. Ich rieche jede Pommesbude einen Kilometer gegen den Wind. Ich fnde Essen in dieser Zeit ziemlich doof. An manchen Tagen bin ich total erhaben, an anderen wieder klein und traurig. Friere und habe Angst. Und bin am nächsten Morgen stärker als vorher.

Darum faste ich. Und lasse Dich ein wenig daran teilhaben in den nächsten Tagen.
Achja, ich trinke auch keinen Alkohl in dieser Zeit- falls Du mich das fragen wolltest. ;)
Wenn Dir noch etwas anderes einfällt - dann los.

Tag II - Hemmungslosigkeit




17.03.11

Keine Angst vor kleinen Tieren!

Neulich an der Fischtheke:
Ich kaufe Riesengarnelen. Eine andere Kundin schaut zu und fragt:
Oh, an die traue ich mich nie ran, wie bereiten Sie die zu?
Immer ganz einfach, Schale aufschneiden, Darm rausholen, braten fertig.
Ziemlich ungläubiger, leicht angeekelter Blick.
Im Augenwinkel sehe ich ein Grinsen hinter der Theke.
Verkäuferin: Wir haben die auch mit bereits abgetrenntem Kopf und entdarmt.
Die Kundin sieht aus, als würde sie sich gleich übergeben.
Dem möchte ich mich nicht aussetzen, schnappe meine Tüte von der Theke und verschwinde.
Hinter mir höre ich leichtes Würgen.

Geflügelfond aus dem TK-Vorrat, Rucola, Karotte, Parmesan, Zwiebel, Risottoreis, Kabeljau, Garnelen, Kresse, Verjus
Als erstes das Risotto. Zur Zubereitung zitiere ich mich selbst aus meinem Post vom Schwarzen Heilbutt auf Safran-Coppa-Risotto:

1. Die Risottodoktrin:
die besagt nämlich, dass ein Risotto unter gefühlten 3 Stunden Rührzeit gar nicht schmecken kann.

2. Das weltbeste Risotto gibt´s nur hier:
man erzählt sich, das wäre in Harry´s Bar in Venedig

3. Risotto funktioniert nur im Kupfertopf mit Edelstahlkern
sagen viele Kochbücher

4. Risotto geht nur mit Arborio Carnaroli
5. Risotto geht nur mit Carnaroli Arborio 

Zu Eins:
Also, lieber Risottoliebhaber, -anfänger, -gerne wieder mal Probierer, mutlos gewordener:
Risotto ist wirklich ganz einfach! Nimm Dir eines der zahlreichen vorhandenen Rezepte. Nimm gutes Öl und guten Wein. Nimm gute Butter. Nimm einen guten Wein zum Ablöschen, damit wirklich nicht geizen. Nimm Arborio oder Carnaroli. Echt egal. Ehrlich, ich würde (wenn ich an dieser Stelle Jack Nicholson aus "die Hexen von Eastwick" indirekt zitieren darf, einen Carnaroli "nicht erkennen, wenn ich darauf pissen würde.")
Gib so viel warme Brühe hinzu, dass Du nicht ständig dabei stehen bleiben musst, um zu rühren. Das ist Legende. Das (der) Risotto wird auch so "all´onda", d. h. flüssig wie eine Wasserwelle und trotzdem im einzelnen Korn noch bissfest.

Zu Zwei:
Das erzählt der Herr Cipriani immer nur, vielleicht steht er auch mit dem venezianischen Fremdenverkehrsamt in enger Verbindung. Und btw, lebt er eigentlich noch?

Zu Drei:
Nimm einen Topf mit einem schweren Boden, der erleichtert das Rühren, bzw. die Abstände dazwischen. Ansonsten ist es egal. Da kann sagen, wer was will, ich habe schon so viele Risotto in meinem Leben gegessen, wenn sie schlecht waren, lag es mit Sicherheit nie am Topf oder an der Reissorte.
Mach mal eines zur Probe, wenn es Dein erstes mal ist, ansonsten ist ein Risotto mit die einfachste Sache der Welt und in der Zubereitung total überbewertet.

Diesmal gab es das Risotto mit Möhre und Rucola, der allerdings ganz zum Schluss untergehoben wurde, als auch der Parmesan bereits eingerührt war. Als Menge rechne ich ca. 100 g Reis pro Person, das ist mehr als genug, aber wir sind auch große Risotto-Schleckermäuler. Erstmalig habe ich für das Risotto weniger Wein als sonst üblich, dafür aber mit Verjus abgelöscht. Ich bin zur Zeit ein richtiger Fan davon, ob als Säuregeber in der Tafelspitzsülze oder in der Rahmsauce zu den Kohlrabi mit Frikadellen.
Die Garnelen also am Rüchen aufschneiden und den Darm herausziehen. Das geht ganz einfach und am Stück, also keine große Sache und kein Grund sich zu ekeln. Dann werden sie abgespült und mit Küchenkrepp trockengetupft. Backofen auf 100° C heizen. Fruchtiges Olivenöl  (z. B. aus der Sorte Frantoio) in der Pfanne erhitzen, Knoblauch schälen und die Zehen andrücken. Garnelen in das heiße Öl legen, Rosmarin und Knoblauch dazu.
Von beiden Seiten kurz anbraten, so dass sie schön rot werden, dann samt Pfanne für ca. 10 Minuten in den Ofen schieben zum Weitergaren. Salzen und pfeffern.
Die Zeit hängt davon ab, wie groß sie sind. Auf jeden Fall kannst Du in der Zeit, die sie im Ofen verbringen, ganz bequem den Kabeljau mehlieren, salzen, pfeffern und ebenfalls kurz von beiden Seiten anbraten.
Alles gemeinsam anrichten und mit dem Knoblauch-Rosmarin-Sud aus der Pfanne beträufeln.
Toll saftig!

Und zum Nachtisch gibt´s hier noch ein paar große Tiere:

15.03.11

Montag ist Jochen und Dienstag ist Ruhe kommt die Zeitung. Kalbsbäckchen in Rosmarin-Balsamico-Jus, Zitronenpüree und Parmesan-Rosmarin-Segel



Dienstags ruht das Land! 
Mein Lieblingsrestaurant hat zu, Ikea lockt mit Sonderangeboten, in der Sauna ist Damentag, (die sollten sich mal besser mit IKEA absprechen, wenn Du mich fragst) und sogar Freizeitparks locken Dich, sie an diesem Tag zu besuchen, da sei am wenigsten los. 

Wo sind die ganzen Menschen also? 
Bei mir jedenfalls nicht, bevor Du auf dumme Gedanken kommst. Aber interessanterweise bin ich heute auch zuhause. Wo soll ich auch hin, wenn alles zu hat, und da wo auf ist, ist eh nix los. 

Weil alleine zuhause sein aber doof ist, war ich nicht alleine. Bis eben. 
Frau Mieding, Redakteurin der Rheinzeitung hat mich besucht. Sie betreut die essen & trinken Seite der Wochenendausgabe, die monatlich als Sonderbeilage erscheint. Normalerweise stellt sie Restaurants und deren Köche vor, die sie in der Regel von vorangegangen Besuchen kennt (was´n Leben!). Und jetzt "Arthurs Tochter Kocht". Die kannte sie vorher nicht, war also eine spannende Angelegenheit! Und ich hatte schon wieder jemand Fremdes in der Wohnung. Langsam gewöhne ich  mich fast daran, auch ohne Party :)

So saßen wir heute ein paar Stündchen zusammen, gekocht habe ich nur wenig und das war vorbereitet (bis auf das Püree), gegessen haben wir auch kaum, vor lauter Rederei kommste ja zu nix. Und da das Rezept in der Zeitung erscheint, ich dafür ja erstmal ein Rezept haben muss uuuuund (*lufthol) ich es mit festen Rezeptangaben nicht so hab´, wie Du weißt, habe ich dann mal richtig eines geschrieben. (*wieder ausatmen) Ich glaube, letztmalig habe ich das für den Roten Heringsalat für´s  Kochbuch gemacht, wenn Du Dich erinnerst...
Bericht und Rezept erscheinen entweder am übernächsten Wochenende oder in ca. 4 Wochen, das steht noch nicht genau fest, ich werde aber hier im Blog natürlich darüber informieren. Die Rheinzeitung hat ein großes Einzugsgebiet mit täglich 663.000 Lesern.  Hier siehst Du das Verbreitungsgebiet. Zum Glück habe ich das erst gerade nachgelesen, wenn ich das vorher gewusst hätte, hätte ich vor lauter Aufregung kein Wort herausbekommen. Naja, zwei oder drei wahrscheinlich schon....

Das hier war also das "Pressefrühstück":
Schon vielfach abgewandelt, immer wieder anders, immer wieder gut. Diesmal waren es:
Kalbsbäckchen in Rosmarin-Balsamico-Jus, Zitronenpüree und Parmesan-Rosmarin-Segel
Und hier kommt dafür ein richtiges Rezept, nicht so vage wie sonst:


Zutaten Bäckchen:
·         1 kg Kalbsbäckchen
·         1 El Butterschmalz
·         2 Karotten
·         1 Stück Knollensellerie, ca. 400 g
·         1 kleine Petersilienwurzel
·         1 kleine Zwiebel
·         3 Stängel Petersilie
·         8 Zweige Rosmarin
·         1 Lorbeerblatt
·         1 El Tomatenmark
·         2 Spritzer helle Sojasauce
·         5 cl Cognac
·         4 cl mindesten 10 Jahre alter Aceto Balsamico di Modena
·         50 g Butter in kleinen Stückchen, eiskalt
·         1 EL Tomatenketchup
·         Schwarzer Pfeffer aus der Mühle
·         Meersalz
·         500 ml selbstgemachter dunkler Kalbsfond
·         500 ml trockener Dornfelder oder Monastrell

Zubereitung Kalbsbäckchen:

Den Ofen auf 100° C vorheizen. Einen tiefen Teller hineinstellen.

Die Bäckchen parieren, dabei die dicken innenliegenden Sehnen nicht heraustrennen! Diese lösen sich während des Garprozesses auf. Die Parüren einfrieren um sie für die nächste Fondzubereitung aufzubewahren.

Das Fleisch sauber und trocken tupfen und von beiden Seiten salzen und pfeffern. Mit dem Küchengarn zu Kugeln binden. Im heißen Butterschmalz rundherum anbraten. Während das Fleisch anbrät, das Gemüse putzen, nur den Sellerie schälen, alles in grobe Stücke schneiden. Auch die Zwiebel ungeschält lassen!
Das Fleisch herausnehmen und auf dem vorgewärmten Teller mit Alufolie abgedeckt im Ofen warmstellen.  Im Bratensatz das Gemüse und die Petersilie anbraten, bis es leicht Farbe annimmt. Die Bäckchen wieder dazugeben. Mit der Sojasauce und 3 cl Cognac ablöschen. Kurz hohe Hitze geben, bis der entstandene Sud fast komplett reduziert ist.
Den Ofen auf 120° C heizen.
Rotwein und Kalbsfond aufgießen, 2  Zweige Rosmarin und den Lorbeer dazugeben.

Den offenen Schmortopf auf den Boden des Ofens stellen.
3,5 Stunden schmoren, dabei soll die Hitze so reguliert sein, dass es alle 2 Minuten leise „blubb“ macht. Bei zu schnellem Einkochen der Flüssigkeit eventuell noch etwas Wein nachgießen. Das Fleisch gelingt auch bei weniger Hitze und mehr Zeit, allerdings sollte die Ofentemperatur nicht unter 100° C gehen.

Die Bäckchen aus dem Sud nehmen und abgedeckt im Ofen warmhalten. Den Sud durch ein feines Sieb in einen Topf laufen lassen, dabei gut ausstreichen.  Den restlichen Rosmarin dazugeben und langsam bei mittlerer Hitze um die Hälfte reduzieren lassen, so dass ca. 400 ml zurückbleiben.

Balsamicosud:

In einem kleinen Topf mit beschichtetem Boden Tomatenmark mit dem Ketchup anrösten, mit dem restlichen Cognac und dem Balsamico ablöschen und reduzieren lassen, bis nur noch ein sehr zäher Sirup zurückbleibt. Diesen zur Sauce geben.
Sauce mit Pfeffer und Salz abschmecken und erneut  durch ein feines Sieb gießen.

Sollte kein alter Aceto Balsamico vorrätig sein, auf den Sud gänzlich verzichten. Auf keinen Fall den Aceto Balsamico durch eine günstigere Balsamessig-Variante ersetzen, sonst schmeckt die Sauce sauer!

In die heiße, nicht kochende Sauce mit dem Schneebesen die Butterstücke montieren, das bindet und gibt einen unwiderstehlichen Glanz. Sollte die Sauce zu flüssig geraten mit etwas Pfeilwurzmehl binden (im Reformhaus erhältlich), keine Speisestärke verwenden, die macht die Sauce stumpf und schleimig! Ansonsten lieber etwas flüssiger lassen!

Die Bäckchen vom Garn befreien und in Scheiben geschnitten zurück in die Sauce geben, durchziehen lassen.

Parmesansegel:
·         4 El grob geriebener Parmesan
·         2 EL feinst gehackter frischer Rosmarin

Zubereitung:
Ein Backblech mit Backpapier auslegen.  Den Parmesan mit dem Rosmarin mischen und 4fach in Segelform auf dem Papier verteilen. Den Parmesan unter dem Backofengrill für ca. 2 Minuten goldgelb zerlaufen lassen. Herausnehmen, erkalten lassen und mit einer Palette vom Papier heben.

Zitronenpüree:

·         500 g mehlig kochende Kartoffeln
·         50 ml Sahne
·         100 g Butter
·         Abrieb von 2 Biozitronen
·         Salz, weißer Pfeffer aus der Mühle
·         Muskatnuss, frisch gerieben

Kartoffeln schälen, vierteln und in Salzwasser weich kochen. Die Sahne erwärmen und die Butter darin schmelzen lassen. Den Zitronenabrieb hineingeben.

Die weichen Kartoffeln durch eine Kartoffelpresse geben und mit der  Sahne-Butter-Mischung aufgießen. Bei Bedarf weitere warme Sahne dazugeben. Mit einem Schneebesen durchrühren.
Mit Salz, wenig Pfeffer und Muskat abschmecken.
Das Püree in die Mitte eines Tellers setzen, Kalbsbäckchen anlegen, Sauce dazgeben. Parmesansegel in das Püree stecken. Mit Rosmarin garnieren.

Fertig! War ja gar nicht so schwer, vielleicht mache ich das jetzt öfters! *gg
Und jetzt gehe ich mal raus und gucke, ob ich vielleicht doch noch jemanden treffe. Dienstage, pfffffff........

14.03.11

Hohlraumversiegelung!








Mancher gibt sich viele Müh'
Mit dem lieben Federvieh;
Einesteils der Eier wegen,
Welche diese Vögel legen;
Zweitens: Weil man dann und wann
Einen Braten essen kann.
Wilhelm Busch

Der Hühnerbraten, der uns an so manchem Wochenende die Finger schlecken lässt ist in vielen Rezepten verewigt. Die einen sagen, das Rezept stamme von Marcella Hazan, ich selber habe es aus einem meiner ersten Kochbücher: "Meine Rezepte" von Alfred Biolek. Mittlerweile könnte ich wohl selber ein Buch mit diesem Titel herausgeben, trotzdem habe ich es neulich noch einmal in der Hand gehabt. Denn aus diesem stammt auch das  bereits vielfach erprobte und weiterentwickelte Rezept zum Avocado-Orangen-Salat mit Riesengarneln, der auf dem Buffet der Küchenparty stand. (Und leider noch nicht gepostet wurde).

Biolek hat das Rezept von Hilke Rosenboom, der leider viel zu früh verstorbenen Autorin so wunderbarer Bücher wie: "Ein Pferd namens Milchmann" oder "Mit 100 Sachen durch die Küche. Was Jungs gerne essen und kochen". Aber wer weiß, vielleicht hat sie es aus einem Hazan-Kochbuch? In meinem "Marcellas Geheimnisse" steht es leider nicht. 
Aber wer auch immer es erfunden haben mag, das Rezept ist so einfach wie unglaublich lecker! Aufgrund seiner Einfachheit verführt es zum Experimentieren. Hier noch ein bisschen Rosmarin, dort ein paar Kartoffeln, wie wäre es mit Knoblauch? Schon einmal über ein Lorbeerblatt nachgedacht?
Alles geht. Und doch- lass es einfach bleiben. Bereite es pur und genieße mit allen Sinnen.
So geht´s:

Du kaufst ein wirklich tolles Huhn! Eine Poularde. Meine letzte brachte wieder 2,5 kg auf die Waage. 

Zusätzlich brachst Du nichts weiter als 3 Biozitronen, Pfeffer und Salz, sowie ein paar Zahnstocher und ein Stück Küchengarn.

Das Huhn wäschst Du und stellst es nach dem Ab- und Austupfen für 5 Minuten senkrecht auf ein Stück Küchenkrepp, damit die restliche Flüssigkeit herauslaufen kann. Dann reibst Du es innen und außen mit Salz und Pfeffer ein.
Die Zitronen werden gewaschen und dann auf der Arbeitsplatte mit etwas Druck hin und her gerollt, bis Du merkst, dass sie innen ganz weich und locker werden. Anschließend piekst Du viele viele kleine Löcher hinein. 
Dabei leistet ein Maiskolbenpiekser ganz ausgezeichnete Arbeit. Ansonsten behilfst Du Dir mit einer Rouladennadel.
Ins Huhn stopfst Du die Zitronen. 2 - 3, das kommt auf die Größe von Huhn und/oder Zitronen an.
Dann schiebst Du Zahnstocher von der einen Seite der Öffnung in die andere.
Mit dem Küchengarn verschnüst Du alles ziemlich stramm und so gut wie luftdicht.
Immer schön über Kreuz...
Und am Ende verknoten und vielleicht mit einem Schleifchen krönen. Aber das ist wohl nur was für Mädchen. 
Die kleine Öffnung, die hier noch zu sehen ist, wird auch noch verschlossen! Rechts siehst Du es besser.
Die Keulen noch einmal mit Küchengarn zusammenbinden. 
Das Federvieh mit der Brustseite nach unten ohne Fett in einen Bräter legen und bei 180° C in den Ofen schieben. Nach 35 Minuten wenden. Weitere 35 Minuten weiterbraten. Dann die Temperatur auf 200° C erhöhen. Nochmals ca. 20 Minuten braten. Wenn Du Dir in der Zeit unsicher bist, schieb dem Huhn nach der ersten Stunde ein Fleischthermometer in die dickste Stelle der Brust, bei 75° C ist es durch und wunderbar saftig. Dann kannst Du die Brust tranchieren und den Rest samt Keulen nochmal 10 Minuten im Ofen lassen. 
Wenn Du sorgsam bist und die Haut nicht verletzt, bläht sich das Huhn beim Garen im Ofen auf wie ein kleiner Ballon. Das ist aber nur ein optischer Knaller, mit dem Geschmack hat es nichts zu tun und sobald Du es herausholst und aufschneidest, ist die Pracht eh vorbei. 

Wir essen dazu am liebsten einen einfachen Salat, Romana mit ein wenig Verjus, Olivenöl, einer Prise Zucker, Pfeffer und Salz angemacht. Etwas Brot ist lecker, weil der Sud ganz fantastisch schmeckt und sich so besser auftunken lässt. 
Einen weiteren Versuch habe ich am Wochenende gemacht- und ja, ich habe experimentiert. Und zwar habe ich den "geteilten Hahn", also das spanische Paprikahuhn mit Pimentón de la vera mit dem Zitronenhuhn kombiniert. Sozusagen geteilt von innen nach außen, und nicht mehr von rechts nach links. 
Dazu gab es Pellkartoffeln in Butter geschwenkt. 
Das war ausgesprochen lecker, aber die Schärfe des Pimentón hat die Frucht der Zitronen fast erschlagen. Es war dann doch mehr ein Paprikahuhn mit einem Zitronenhauch. Vielleicht probiere ich es noch einmal mit der milden Pimentónvariante aus. Aber Tatsache ist, das Zitronenhuhn ist für sich so lecker und aromatisch, man kann sich diese Spielereien sparen und trotzdem vor Begeisterung alle 10 Finger schlecken. 
Und wenn Du doch die volle Packung willst, sozusagen "mit allem", dann gibt es hier im Blog genug Rezepte von gefüllten Hühnern in allen Varianten. 

Das Zitronenhuhn hat am nächsten Tag noch eine wunderbare Resteküche ergeben. Das Fleisch von den Knochen gelöst, mit etwas Hühnerfond und dem Rest des Suds in der Pfanne warm geschwenkt. Dazu gab es Spaghettini mit Orangen-Olivenöl von Agrumato und Zitronenthymian vom Küchenbalkon-Kräuterkastengarten. :)
Weil ich aber seit langem wieder meine erste Kochbucherwerbung ever in der Hand hatte, nehme ich mit diesem Posting am Dauerevent "Dein Kochbuch, das unbekannte Wesen" von foodfreak teil.