Liebe Leserinnen und Leser,
Nach den gestrigen dramatischen Ereignissen haben wir für Sie weder Kosten noch Mühen gescheut und unsere rasenden Reporter für eine exakte Recherche direkt an den Ort des Geschehens geschickt. Nur so lässt sich schlussendlich die Chronologie des Schreckens nachvollziehen. Aus Gesprächen mit geschockten Anwohnern und heldenhaften Mitarbeitern der örtlichen Feuerwehr versuchen wir so eine Rekonstruktion.
Herr B., Sie und Ihre Frau sind direkte Nachbarn von Frau AT. Wie haben Sie diese dramatischen Minuten erlebt?
"Och, ich saß da so gemütlich mit meinem nachmittäglichen Conjäcksche auf dem Sofa, als mir die Augen anfingen zu brennen. Ich dachte erst, dass vielleicht bei *piiiiiiiieeeeeeeeep* ein labortechnisches Experiment aus dem Ruder gelaufen sei. Wir haben hier in Ingelheim von der hiesigen Stadtverwaltung spezielle Anweisungen bekommen, was das Verhalten im Notfall betrifft. Meine Frau hatte aber gleich die Vermutung, dass es etwas mit den Küchenexperimenten von Frau AT zu tun haben könnte."
Wie kommen Sie denn darauf, Herr B.?
"Dieter, lass mich mal. Wissen Sie, die Frau AT war uns schon immer ein bisschen unheimlich. Ständig diese Schweine- und Kalbshälften, die sie ins Haus schleppt, das ist doch nicht normal! Manchmal halten auch Kühlwagen und bringen Behälter, aus denen es komisch dampft, wissen sie, so wie Trockeneis. Unsere Enkelin hat uns erklärt, dass es das auch in der Disco gibt, aber was diese Frau damit treibt ist mir ein Rätsel. War ja klar, dass da mal was passieren musste."
"Ach ich finde, meine Frau übertreibt da ein bisschen. Ilse, wirklich, Frau AT ist schon nett, sie grüßt auch immer so freundlich." "Ja Dich vielleicht! Mich nicht, das ist ja wieder typisch!" "Jetzt lass mich doch mal ausreden! Wobei manches schon komisch ist. Bestimmt einmal in der Woche hält irgendein Paketdienst vor ihrer Tür und schleppt mühsam mit einer Sackkarre große Pakete die Treppe hinauf. Frau AT sagt immer, dass seien Kochbücher, aber soviel Kochbücher hat ja kein Mensch."
"Nee, wirklich nicht. Ich komme mit meinem Koch- und meinem Backbuch seit 40 Jahren gut über die Runden, oder Dieter? Dieter?"
"*räusper*"
"Jedenfalls bin ich dann auf die Straße gelaufen und habe da schon andere Nachbarn getroffen. Ich sah auch gleich, wohin sie alle starrten. Hoch zum Küchenfenster von Frau AT. Da kam eine Rauchfahne heraus, das qualmte so unglaublich, ich musste gleich husten." Mein Mann ist dann um die Ecke gegangen und hat festgestellt, dass sich auf dem überdachten Küchenbalkon der Rauch so gestaut hat, dass man die Blumenkästen gar nicht mehr gesehen hat. Es war eine richtige Rauchglocke die auf dem Balkon hing."
"Meine Frau hat dann die Feuerwehr gerufen"
"Von der Rauchentwicklung her, die schon von weitem zu sehen war, dachten wir zuerst an einen Schwelbrand. Eine Nachbarin öffnete uns die Haustür, wir sind mit dem Schlauch die Treppe hochgerast und haben die Tür eingetreten. In der Wohnung konnte man nichts mehr erkennen vor lauter Rauch. Zum Glück hatten meine Kollegen und ich alle unsere Schutzmasken auf. Wir kämpften uns durch und suchten den Brandherd. Da kam uns auch schon Frau AT entgegen. Sie hatte ein Tuch vor den Mund gepresst und eine handelsübliche Taucherbrille auf, aber sonst machte sie einen ganz fidelen Eindruck. Auf mein Nachfragen meinte sie, dass sie auch nur eine Pfanne einbrennen würde und es wäre alles ok. Wir sollten ihr aber bitte die Tür reparieren."
"Uns hat sie erklärt, mit manchen Pfannen müsse man das vorher machen, sie so richtig zum Qualmen bringen, damit hinterher nichts klebt."
"Ilse, jetzt übertreibst Du aber wirklich, ist doch alles gut gegangen!"
"Du wirst schon noch sehen, wo das alles irgendwann hinführt!"
"Was ist denn das für ein Kappes? 500 Jahre alte Pfanne?"
"Nicht die Pfanne, die Schmiede, Ilse"!
"pffff...."
"DAS haben wir ja gesehen!"
"Und dann muss man halt volle Pulle geben mit dem Herd"
"HA! Volle Pulle! Ich sach´s ja immer, die säuft! Haste mal die leeren Flaschen gesehen, die da immer zum Container wandern! Lauter so französisches Zeugs mit Schlössern auf den Etiketten."
"ILSE!"
"Irgendwann fing es dann an zu qualmen, aber Frau AT hat uns gesagt, dass das immer so sei, da müsse man sich keine Sorgen sondern nur die Fenster weit auf machen. Und die Atemwege mit einem nassen Tuch schützen!
"Die Pfanne samt ihres nach 20 Minuten komplett verkohlten Inhaltes durfte dann auf dem Balkon abkühlen. Frau AT war perfekt vorbereitet um das glühende Eisenteil auf den Balkon zu tragen."
"Aber das Beste an unserem Einsatz war, dass Frau AT uns die Pfanne nach dem Reinigen mit dem verkohlten Salz dann gleich vorgeführt hat. Mit einem 500 g Entrcôte, das war ein herrliches Stück Fleisch und hat aus dieser Pfanne einfach einzigartig geschmeckt."
"Das ist ja noch roh! Dieter, dass Du mir da nie etwas isst, da holt man sich ja sonstwas! Man kann doch kein rohes Fleisch essen! Dieter? DIE_TER! WIR GEHEN!"
Liebe Leserinnen und Leser,
das war wieder ein aufregendes Stück aus unserer beschaulichen Heimat. Wir bitten Sie allerdings im Namen der örtlichen Feuerwehr darum, dieses Experiment nicht ohne die erforderliche Erfahrung und Ausstattung nachzustellen. Unseres Wissens nach hat Ilse B. auf Drängen ihres Mannes mittlerweile den Metzger gewechselt und einen Kochkurs an der VHS belegt. Herr B. wurde in den letzten Tagen wiederholt beim Besuch des nächstgelegenen Steakhauses beobachtet. Frau AT wiederum hat eine weitere Wagenladung Kochbücher in Empfang genommen und wir können gespannt sein, was sie als nächstes ausbrütet. Aus gut informierten Kreisen haben wir vernommen, dass sie zum Ehrenmitglied der örtlichen Feuerwehr berufen wurde.
Lesen Sie uns auch morgen wieder, wenn es heißt:





