28.11.11

Bayerisches Medizinerlatein | Kichererbsensalat mit Ingwer-Curry-Rahm | Poulet de Bresse aus dem Römertopf oder der Tajine mit Ingwer und Zitrone |



Vespasian (*17. November 9,  † 23. Juni 79) war einerseits clever und andererseits wahrscheinlich der Vorläufer und Wegbereiter des Toilettenpfennigs, der sich mittlerweile an Raststätten auf immerhin € 0,70 hinaufgewuchert hat, von denen man aber € 0,50 als Wertbon einlösen kann – seit neuestem auch für ein Gericht vom Ingwer-Schuhbeck. Aber da Ingwer so gesund ist, vernichtet er vielleicht sogar die E.coli-Bakterien, die so mancher noch an den Händen trägt, wenn er im Anschluß an den Toilettengang das "Aktions-Putenschnitzel in Knusperpanade" verdrückt. Sonst bekommt der Begriff "Essen mit Stäbchen" gleich eine ganz neue Bedeutung. 
Der Satz "Pecunia non olet" hat seinen Ursprung also ebenfalls in einer öffentlichen Toilettenanlage, nur vor ungefähr ganz vielen Jahren. Damals hat man in am Wegesrand aufgestellten Gefäßen öffentlich Urin gesammelt, der (besonders in leicht angefaultem Zustand) sehr begehrt war bei den Gerbern von Leder. Jetzt muss man allerdings Vespasian zugute halten, dass dieser mit seinem Urin-Münzen immerhin einen ganzen Staatshaushalt saniert hat. So manch anderer saniert sich damit nur das sicherlich keiner Renovierung bedürftige Portmonnaie, mit welchem er mittlerweile im Sitzen schliefe, läge er es sich unter das Kopfkissen. So könnte man dann fortfahren mit pecunia per lutum. 

Aber zurück zum Ingwer. 
Ich war malad. Aber so richtig. Und ganz lange noch dazu. (kleiner Tip: dies ist die richtige Stelle für ein "Oh, Du Arme, das tut mir soooo leid!"). Aber zum Glück gibt es Schuhbeck die "Apothekenumschau", das Zentralorgan der stützstrumpfhosenbewehrten Medizinisch-Pharmazeutischen-Assistentinnen in Deutschlands Apotheken. Dort heißt es, Ingwer stecke voller Scharfstoffe. Diese aktivieren Wärmerezeptoren, wodurch das Blut in die Adern schieße (wo es wohl vorher war?), und der Organismus sich für kurze Zeit aufheizt. Eigentlich klingt das eher nach Sex als nach Gewürz, aber bitte. Ob vielleicht Schuhbeck so viele Gewürze... weil er so wenig... ach, lassen wir das.

Es wurde für mich also Zeit, mich eingehender mit dem unter anderem zur Verfügung stehenden Buch "Ingwer" zu beschäftigen, um vielleicht eine kleine Entscheidungshilfe für die Löffelgewinner zu schaffen. Über "Tomate" habe ich bereits HIER berichtet, "Kartoffel" hatte "Grenz- und Grabenkriege" zu Folge, und so begebe ich mich heute auf das sichere Terrain der Gesundheit und Frische.

Kichererbsensalat mit Ingwer-Curry-Rahm und Mandarinen für 4 Personen

  • 300 g Kichererbsen
  • 1 rote Zwiebel
  • 1 rote Paprikaschote
  • 3 EL Olivenöl
  • 2 EL Koriander, gehackt
  • 6 Mandarinen
  • Salz, Pfeffer
  • 1 EL Reisweinessig
  • 200 g saure Sahne
  • 2 EL Crème fraîche
  • 1 TL Currypaste (welcher Farbe wurde leider nicht angegeben, ich habe gelbe verwendet)
  • 70 g rosa Ingwer (Rosa Ingwer ist eingelegt, ich habe frischen verwendet)
  1. Die Kichererbsen über Nach in kaltem Wasser einlegen
  2. Am nächsten Tag das Wasser abgießen und die Kichererbsen in frischem Wasser weich kochen. (Kichererbsen gehören zu den Ausnahmekonserven, die ich jederzeit vorrätig habe. Frisch eingelegt ist immer besser, geht allerdings auf Kosten der Spontanität. Kichererbsen in Dosen sind meines Erachtens viel besser als ihr Ruf und  lecker, wenn ihnen auch dieser knackige Biss ein wenig abgeht)
  3. Die Zwiebel schälen und in kleine Würfel schneiden
  4. Die Paprika in kleine Würfel schneiden und mit der Zwiebel in einer Pfanne mit Olivenöl anbraten
  5. Den Koriander dazugeben und mit Salz und Pfeffer würzen
  6. Mit Reisweinessig und den Kichererbsen vermischen
  7. Die Mandarinen sorgfältig schälen, von allem Weißen befreien und in Spalten teilen.  Die Mandarinen zu den marinierten Kichererbsen geben
  8. Die saure Sahne mit Crème fraîche, Currypaste, dem gehackten rosa Ingwer, Salz und Pfeffer würzen
  9. Den Salat mit dem Dip servieren
Wenn man mal davon absieht, dass ich krank war, nicht einkaufen konnte und daher die Mandarinen durch Orangen, die Crème fraîche durch Schmand, den Reiswein- durch weißen Weinessig und den Koriander durch geröstete Koriandersamen ersetzt habe, ein tadelloses, leckeres und vor allem unglaublich schnell zuzubereitendes VEGETARISCHES! Rezept. 

  • 1 Poulet de Bresse
  • Meersalz
  • 100 g Ingwer
  • 200 g kleine Kartoffeln
  • 2 Zitronen
  • 250 g kleine Karotten
  • 2 weiße Zwiebeln
  • 1 Knoblauchzehe
  • 10 weiße Pfefferkörner
  • 2 EL Olivenöl
  • 250 ml Weißwein
  • 20 g Petersilie
  • 3 EL Butter
  1. Das Poulet waschen und mit Meersalz einreiben
  2. Den Ingwer grob schneiden, die Kartoffeln waschen
  3. Die Zitronen in grobe Spalten schneiden
  4. Die Karotten schälen und in 3 cm dicke Stücke schneiden
  5. Die Zwiebeln schälen und in 1 cm dicke Spalten schneiden
  6. Alle Zutaten in einen vorher gewässerten Römertopf geben.
  7. In den kalten Backofen stelle und bei 190° C ca. 2 Stunden garen
  8. Nach 2 Stunden aus dem Backofen nehmen.Das Huhn zerteilen und mit den Gemüsen servieren

So weit, so gut. Selbstverständlich kommt hier nur sehr selten ein Poulet de Bresse ins Haus, einfach weil meine regionale Geflügelquelle so gut ist. Daher nahm ich einen ehemals glücklichen rhoihessischen Hinkel, und weil ich keinen Römertopf habe, eine Tajine. Diese Tajine besitze ich noch nicht lange, aber mittlerweile ist sie fast im Dauerbetrieb. Ich hatte letztes Jahr eine unglaublich "orientalische Ader" wenn Du Dich erinnerst und so war sie nachgerade zwingend erforderlich. Sie ist von Emile Henry und hat als Zugabe noch einen Porzellan-Dämpfeinsatzboden, den ich allerdings noch nicht ausprobiert habe. Allerdings kam sie (es ist die kleinere Ausgabe) beim rheinhessischen Hühnerklopper platzmäßig an ihre Grenzen. Für 3 oder mehr Personen würde ich immer die größere wählen.
Meine Mutter hatte einen Römertopf, ich fand den Geschmack der Speisen daraus ganz furchtbar. Zum Glück war es bei uns zuhause nur eine Modeerscheinung, vielleicht ist er auch zerbrochen. Ich bin jedenfalls froh gewesen, als Kind nicht zu sehr damit gequält worden zu sein. Insofern kann ich natürlich keinen geschmacklichen Vergleich liefern. Aber ich habe jetzt zum zweiten Mal Geflügel in dieser Tajine gemacht und war jedesmal von der Saftigkeit begeistert. Das Fleisch fiel fast von den Knochen.
Stubenküken in Calvados gefüllt mit Geflügelleber und Rubinette
INGWER ist erschienen im Lieblingsverlag, hat 238 Seiten mit 151 Rezepten, darunter 26 kalte und heiße Getränke und kostet (wenn man es nicht mit einem Löffel gewinnt) € 45,00. Die Rezepte sind von Oliver Hoffinger, die tollen Photos von der unglaublichen Luzia Ellert, die Texte von Ingo Swoboda. Unterteilt ist es in die Kategorien Kalt, Warm, Sauer, Süß, Eingekocht und Drinks. Das macht meines Erachtens Sinn und arbeitet die Möglichkeiten dieser tollen Knolle gut heraus. Was mir mal wieder fehlt, ist ein alphabetisches Register der Rezepte! Diese schlagen einen Bogen von gaaaaanz einfach wie z. B. der Kichererbsensalat, mich bereits in der Farbe faszinierenden Gerichten wie die "Terrine von roten Ingwer-Rüben mit Wasabi-Mohn-Sauce",
Photo: Collection Rolf Heyne, aber bereits auf der Nachkochliste!
über asiatische Inspirationen wie "Gefrorener Schaum vom Reisweinessig mit Ingwer-Saiblings-Maki" oder in Ingwer und Spekulatius gebratenen Karpfenfilets.
Hier geht es beim nächsten mal voraussichtlich weiter mit Karotten-Ingwermuffins und Szechunanpfefferglasur (unglaublich lecker!!!) und Rosa-Ingwer-Eis. Bis dahin – bleib mir gesund und wasch Dir vor dem Essen stets die Hände! 




21.11.11

Ein Löffel geht auf die Reise – Die Gewinnerlöffel!


Ein Löffel geht auf die Reise. Verrückt. Weltbekannt. Prominent.">

Eigentlich wollt ich noch ein bisschen fies sein, und erst einmal die "letzten 3" pro Kategorie veröffentlichen. Zum Glück für alle Beteiligten bin ich in den nächsten Tagen so viel unterwegs, dass ich keine Zeit habe, um alle auf die Folter zu spannen. :)

Spannend war es für mich allemal. Die Auswertungen der Jury trudelten jeweils im Abstand von einem Tag bei mir ein, so dass ich peu à peu alle Zahlen in meine Excel-Tabelle eingetragen habe. Jeden Abend fragte P. "Und? Wer hat gewonnen?" und ich habe immer gesagt, "Keine Ahnung". Ausgerechnet habe ich alles erst mit der letzten Eingabe, so dass auch für mich ein Gewinner bis auf eine Kategorie nicht ersichtlich war. Britta, Ralf und Christian hatten als Jury jeweils einen Rahmen von 10 Punkten pro Bild zur Verfügung, um möglichst fein bewerten zu können, das heißt, jedes Bild konnte eine Höchstnote von 30 Punkten erhalten. Jeder von Ihnen hat von mir nicht nur das jeweilige Bild bekommen, sondern auch die Links zu den Beiträgen in den Blogs, oder wie z. B. bei Anneli die mir zugemailte Geschichte zum Photo. Gerade die teilweise sehr berührenden Geschichten zu Euren Bildern haben diese Löffelwanderschaft zu etwas ganz Besonderem gemacht! 

Am Ende gab es in den Kategorien "Verrückt" und "Weltbekannt" ein Kopf an Kopf-Rennen zwischen jeweils 3 Teilnehmer_innen. So schade das auch erscheinen mag, ich hatte dann letztendlich keine andere Möglichkeit, als per random.org das Los entscheiden zu lassen. Ich selbst hätte mich sowieso nicht entscheiden können, insofern war ich damit fein raus. :)

Die letzten 3 in der Kategorie "Verrückt" mit jeweils 25 Punkten waren:

  • Anneli mit Löffel statt Opium
  • Frau Kampi mit dem Riesen... äh... naja, wie soll ich sagen... 
  • Irene mit dem Eislöffel.

Das waren die Bilder:
Anneli
Frau Kampi
Irene
Und gewonnen hat:
FRAU KAMPI!!! Ganz herzlichen Glückwunsch!
Das war Ihr Beitrag:
KLICK

Die letzten 3 in der Kategorie "Weltbekannt" mit jeweils 26 Punkten waren:

  • Thomas mit Löffel in der Mailänder Scala
  • Tina fast auf dem Dach der Welt
  • Ursula in Venedig
Das waren ihre Bilder:
Thomas
Tina

Ursula
Und gewonnen hat:
THOMAS! Ganz herzlichen Glückwunsch!
Das war sein Beitrag:
KLICK

In der Kategorie "Prominent" gab es einen deutlichen Gewinner mit großem Abstand und 27 Punkten:
Alexander


CHEF HANSEN! Herzlichen Glückwunsch auch an Dich! 
Hier sein Beitrag:
KLICK

Dazu möchte ich kurz noch etwas erzählen. Als ich im September in Köln auf der "Chefsache" war, (dort saß ich in der Jury für den Köche-Nachwuchspreis) traf ich Sven Elverfeld. Bei der ersten Begegnung war er gerade auf dem Weg zur Bühne und rief im Vorbeigehen: "Frau Paul! Ich habe Ihren Löffel!" Ich war etwas überrascht und fragte nur "Warum haben Sie meinen Löffel?". Daraufhin er: "Keine Ahnung, den hat mir jemand geschickt". Ich war angemessen überrascht, sprang zu P. und rief "OMG, ER hat meinen Löffel!". Da grinste jemand hinter mir trotz Ohren einmal rund um seinen Kopf. Du ahnst, wer das war. :)

Da ich von so vielen Seiten angesprochen wurde, diesen Wettbewerb zu wiederholen und mir der Kopf übersprudelt mit Ideen, was Ihr mit dem Löffel noch alles anstellen könntet, werde ich voraussichtlich im Mai 2012 Teil II starten. :) Also gut auf die Löffel aufpassen, es wird aber auch einige neue geben!

So Ihr lieben Gewinner! Noch einmal herzlichen Glückwunsch an Euch drei! Bitte schickt mir per mail Eure Adressen und den Kochbuchwunsch, die Wunschbücher gehen Euch direkt vom Verlag Collection Rolf Heyne zu. Ich selbst gehe jetzt erst einmal für ein paar Tage auf Reisen, unter anderem auch zu Karl-Josef Fuchs ins "Hotel Spielweg" und ins "Aqua" zu Sven Elverfeld. So ab und an muss ich schließlich nachschauen, wie es meinen Löffeln geht. :)





14.11.11

Ein Löffel geht auf die Reise – Die Wettbewerbsbilder


Ein Löffel geht auf die Reise. Verrückt. Weltbekannt. Prominent.

Wie versprochen veröffentliche ich heute die offiziellen Wettbewerbsbilder in den einzelnen Kategorien. Die Bildunterschriften verlinken direkt in die Beiträge der einzelnen Löffelgeschichten. Manches Bild kann sogar an 2 oder 3 Kategorien teilnehmen. Da dieser kleine Kochlöffel mittlerweile ein spannendes Eigenleben entwickelt hat und viele traurig sind, weil sie zu spät vom Event erfahren haben, plane ich eine Fortsetzung im Sommer 2012. Aber jetzt erst einmal die diesjährigen Teilnehmer_innen:

Mit Tusch und Paukenschlag, Frau Kapellmeister!

Kategorie I – Der Löffel in einer verrückten Situation, losgelöst von allem, was mit Essen zu tun hat

Alice im kulinarischen Wunderland
Anneli aus Shanghai
Paules Kitchen
Küchenlatein
Feinschmeckerle
Paules Kitchen
Frau Kampi
Heikes Blog
Widmatt
Evenaar trifft Längengrad
Lunch for one
Gourmetbüdchen

Karin
Steffens-Kess Weingut-Blog
Skizzenblo(ck)g

Pi mal Butter
Bushcooks Kitchen
Kategorie II – Der Löffel an einem weltberühmten Ort
Küchenlatein
Paules Kitchen
Bushcooks Kitchen
Karin
Alice im kulinarischen Wunderland
Frau Kampi
Widmatt
Pastasciutta
25cl
Lunch for one
Gourmetbüdchen
Nachgesalzen - Köcheblog der ZEIT

Skizzenblo(ck)g
Steffens-Kess Weingut-Blog
Die Küchenschabe
Karin

Kategorie III – Der Löffel mit einer prominenten Person

Alice im kulinarischen Wunderland
Bushcooks Kitchen
Frau Feinschmeckerle
Nur das gute Zeugs

Brot und Rosen
Heikes Blog
Chef Hansen
Küchenlatein
Ich bin mir sicher, in der Jury rauchen bereits die Köpfe...
Vielen Dank noch einmal an alle für´s Mitmachen! Ich hoffe sehr, es hat Euch genauso viel Spaß gemacht, wie mir!